Chronik

"Zuerst brauchst du Leute in der Stadt, erst dann ein Hotel"

Die TN trafen die beiden Halleiner Vizebürgermeister und Bürgermeisterkandidaten Maximilian Klappacher (ÖVP) und Alexander Stangassinger (SPÖ) zum Doppelinterview über ihre Ideen für Hallein. Dabei stieß man auf (noch) wenig Wahlkampfrhetorik, aber erstaunlich viele Gemeinsamkeiten.

Anfang Mai machte die ÖVP Maximilian Klappacher zum Vizebürgermeister und (voraussichtlich ab Dezember) Nachfolger von Bgm. Gerhard Anzengruber, Anfang Juli gab die SPÖ Alexander Stangassinger als Kandidaten für die Wahl 2019 bekannt.

Redaktion:
Redaktion: Die aktuelle Funktionsperiode der Gemeindevertretung neigt sich dem Ende zu. Was hat Ihrer Ansicht nach gut geklappt, was nicht?
Klappacher: Für mich ist in allen Bereichen etwas weitergegangen. Es wurden Projekte vom Hochwasserschutz bis zur Pflasterung der Altstadt umgesetzt, wir haben hervorragende Budgetpolitik gemacht, sind fast schuldenfrei. Ich finde da keine Kritik, es sind alle bedient und unterstützt worden, von daher ist ordentlich was weitergegangen.
Stangassinger: Ich glaube, dass die Pflastersanierung insgesamt sehr gut gelungen ist. Beim Hochwasserschutz sehe ich die Bilanz geteilt - dort, wo er umgesetzt wurde, ist er sehr gut, wir haben aber noch Lücken, vor allem in Rif gibt es massive Probleme. Beim Wohnen gibt es zukunftsorientierte Projekte, da sehe ich aber doch Handlungsbedarf in den gemeindeeigenen Wohnungen. Auch in der Kinderbetreuung sehe ich erheblichen Bedarf. Wir haben zwar in den letzten Jahren aufgestockt, aber wir reagieren nur auf Entwicklungen. Ich höre immer wieder von Leuten, die keinen Betreuungsplatz für die Kinder bekommen, weil sie noch keine Arbeit vorweisen können, aber auch keine Arbeit kriegen, weil sie keine Betreuung haben. Da beißt sich die Katze in de Schwanz, da ist jeder Fall einer zu viel. Und wenn Leute aus Rif einen Betreuungsplatz in Gamp kriegen, da ist ihnen auch nicht geholfen.
Klappacher: Wenn man sich die Fakten wirklich anschaut, kann weder von planlos noch konzeptlos die Rede sein. Wir haben die günstigsten Tarife in der Kinderbetreuung weit und breit. Aktuell haben wir 115 Kinder auf der Warteliste, die werden an private Anbieter weitervermittelt, da bleibt unterm Strich relativ wenig über. Aber ich gebe dir recht, das Ziel soll natürlich sein, flächendeckend gut versorgt zu sein, also dass dort die Betreuung ist, wo auch der Bedarf da ist.

Ein heißes Thema der letzten Jahre war das Parkkonzept in und um die Altstadt. Wie fällt Ihre Bilanz nach anderthalb Jahren aus?
Stangassinger: Ich finde es vom Ansatz her falsch, dass man in der Stadt quasi kostenlos parken kann und draußen auf der Schotterfläche zahlen muss. In anderen Städten ist das genau umgekehrt, je weiter ich reinfahre, desto teurer wird's. Mein Ansatz wäre 180 Minuten Gratisparken auf der Pernerinsel und bei der Salzberghalle, abends und am Wochenende gratis, und in der Stadt herinnen eine Stunde gratis, sonst muss man immer zahlen.
Klappacher: Es gibt eine klare Ansage des Bürgermeisters, dass die Parksituation evaluiert wird. Ich bin dafür, dass genau das geschieht, zeitnah und unter Einbindung der Betroffenen.

Stangassinger: Außerdem gehört das Ganze ja auch in der Davisstraße überarbeitet. Seit der Vergebührung stehen alle beim Friedhof und bei den Wohnblöcken. Und in der Davisstraße fahren die Leute jetzt schneller, weil dort keine Autos mehr stehen.
Klappacher: Die dortigen Wirtschaftstreibenden sind absolut dafür, das so zu lassen, das weißt du auch. Natürlich hat sich das verlagert, aber auch das wird Gegenstand der Evaluierung sein.

Die Belebung der Altstadt ist ein Halleiner Dauerthema. Was kann die Stadt hier tun, neben anderen maßgeblich Beteiligten wie den Hauseigentümern?
Klappacher: Die Pflasterung hat schon viel beigetragen. Die Aufgabe der Politik sollte sein, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, zum Beispiel, dass man das Wohnen in der Altstadt noch attraktiver macht. Über das Wohnen bekomme ich auch wieder eine Frequenz in die Altstadt. Aber Voraussetzung ist natürlich, dass ich den Hausbesitzern ermögliche, zum Beispiel eine Dachterrasse zu bauen oder für entsprechende Belichtung zu sorgen. Das ist Aufgabe der Politik. Davon abgesehen wird es oft überschätzt, was eine Gemeinde kann. Insgesamt ist es einfach wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem gewirtschaftet werden kann. Davon abgesehen finde ich, wir haben ein tolles Veranstaltungsangebot in der Altstadt, da tut sich im Sommer fast jedes Wochenende was. Und beim Stadtfest sind wir uns eh einig, das wollen wir alle. Ich habe auch schon mit potenziellen Betreibern gesprochen, das Thema können wir, glaube ich, abhaken. Ich bin zuversichtlich, dass es das Stadtfest nächstes Jahr geben wird.
Stangassinger: Der Stadtkernfonds ist eine gute Einrichtung, ich bin aber der Meinung, dass man den noch weiter öffnen könnte. Da muss man sich die Förderbedingungen genau anschauen. Davon abgesehen müssen wir es schaffen, dass die Hausbesitzer ermutigt werden zu investieren. Man könnte auch eine Fassadenaktion wie in den 1980er und 90er Jahren wieder andenken. Darüber hinaus bin ich unglücklich mit mancher Entscheidung der Ortsbildschutzkommission, die den Betreibern das Leben oft schwer macht mit diversen Auflagen. Wenn Häuser zeitgemäß hergerichtet werden, dann habe ich kein Problem, wenn in einem Hinterhof ein Lift eingebaut wird, wo es eh keiner sieht, oder wenn irgendwo ein Dach aufgemacht wird für ein Dachfenster oder eine Terrasse. Ganz im Gegenteil. Weil was passiert dadurch? Das Haus wird vermietbar und der Besitzer wird weiter investieren. Wenn er nichts machen darf, wird er irgendwann aufgeben.

Klappacher: Da sind wir einer Meinung, da brauchen wir nicht reden, das Bauen in der Altstadt müssen wir attraktiv machen. Und natürlich müssen wir auch im touristischen Bereich schauen. Da sollte man Ansätze beim Qualitätstourismus intensivieren, wie sie jetzt die Kulturstadträtin betreibt - der Pfarrbezirk mit Stille-Nacht-Museum, Gruber-Orgel etc., da ist so viel passiert, aber das ist alles noch ausbaufähig. Da sehe ich zu Salzburg keine Konkurrenz, sondern diese Nähe muss man nutzen.
Stangassinger: Du musst einfach ein touristisches Angebot schaffen. Wir haben ca. 250.000 Besucher jährlich im Salzbergwerk, und die sind genauso schnell wieder weg, wie sie da waren. Genauso die Festspielbesucher. Du musst die Leute in die Stadt holen und dann auch hier halten. Erst dann brauchst du ein Hotel in der Stadt. Denn seien wir ehrlich, Kurzurlaub in Hallein, was willst du da unternehmen? Es gibt das eine oder andere Kulturangebot, aber da brauchen wir noch mehr, das ist mir alles noch zu wenig.

Die Zusammenarbeit in der Gemeindevertretung machte in der Außenansicht zuletzt oft einen wenig konstruktiven Eindruck, ganz im Gegenteil. Täuscht das? Wie kann man das verbessern?
Stangassinger: Für mich hängt das sehr stark an den handelnden Personen. Ich glaube, dass sich das Gemeinsame in den letzten anderthalb Jahren doch verbessert hat. Man kann auch einmal härter diskutierten, aber es darf nie auf eine persönliche Schiene gehen. Ich muss immer mit den anderen nachher noch auf ein Bier gehen können. Davon abgesehen: 95 Prozent der Beschlüsse fallen eh einstimmig. Über fünf Prozent diskutierst du, bei 2, 3 Prozent einigst du dich, und beim Rest geht's halt ein bissl härter her. Aber es wird oft schlechter dargestellt, als es ist.
Klappacher: Ich kann das bestätigen. Im Raumplanungsausschuss, den ich seit Jahrzehnten leite, da kann ich mich nicht erinnern, dass es einmal einen Beschluss gab, der nicht einstimmig war. Da wird konstruktiv gearbeitet, auch inhaltlich, von jeder Fraktion. Natürlich hat es Zeiten gegeben, die nicht so gut waren, aber ich bin da beim Alexander: Man kann hart diskutieren, aber man muss nachher, symbolisch gesprochen, noch auf ein Bier gehen können. Das drückt eine gewisse Wertschätzung aus. Wenn das einmal weg ist, dann bin ich auch weg. Man braucht nicht immer einig sein, das ist das Wesen der Politik, aber letztlich haben wir da Vorbildwirkung, was den wertschätzenden Umgang mit anderen betrifft. Das wäre in der Gesellschaft allgemein ganz gut.


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