Chronik

Zweite Chance für Menschen und Textilien

Das Pongauer Arbeitsprojekt (PAP) ermöglicht seit 21 Jahren vielen Menschen den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt. Befürchtet werden Einsparungen.

Verkaufsleiterin Marlene Lindmoser mit den selbst gemachten Taschen, die in den PAP-Filialen jetzt verkauft werden. SN/sw/riedler
Verkaufsleiterin Marlene Lindmoser mit den selbst gemachten Taschen, die in den PAP-Filialen jetzt verkauft werden.

Die zwei Mitarbeiterinnen des Secondhand-Ladens in Radstadt sind dankbar: "Ich bin wegen eines starken körperlichen Problems mit 50 Jahren aus dem Arbeitsprozess gefallen und habe hier die Chance für einen erfolgreichen Wiedereinstieg bekommen", erzählt eine von ihnen mit Tränen in den Augen. "Ohne die Unterstützung der neuen Kollegen hätte ich das nie geschafft."

Seit einem Jahr gibt es nun die Filiale in Radstadt und sie wird von der Bevölkerung gut angenommen.

Die zweite Mitarbeiterin im Verkauf, eine 54-jährige Frau, hat in diesem Jahr begonnen, aus Alttextilien hochwertige Taschen selbst zu nähen. Mit dieser Idee will sie sich jetzt selbstständig machen.

Seit 21 Jahren versucht nun das Pongauer Arbeitsprojekt (PAP) erfolgreich, Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren.

Der sozialökonomische Betrieb schafft dies einerseits mit Arbeitsplätzen im Verkauf - an den fünf Secondhand-Standorten in Schwarzach, Bischofshofen, Bad Hofgastein, St. Johann und eben in Radstadt. Andererseits auch durch die Sammlung, Verwertung und den Wiederverkauf von Alttextilien.

Bei der Sammlung von Alttextilien in Containern ist man führend: "2018 haben wir mit der Sammlung einen neuen Rekord von 500 Tonnen überschritten", sagt Silvia Geistlinger, die Geschäftsführerin von PAP, stolz. "Mit dieser Zahl sind wir im österreichweiten Pro-Kopf-Vergleich führend."

Erfolgreich ist das PAP-Team auch in der Wiedervermittlung von benachteiligten Menschen und Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt: "Derzeit haben wir eine positive Vermittlungsquote von 41,2 Prozent", freut sich die zuständige Verkaufsleiterin Marlene Lindmoser. Sie begleitet die Menschen in allen Filialen.

Anstatt die gesammelten Alttextilien, wie es viele Private tun, ohne Sortierung in andere Länder zu verkaufen, gibt es im Pongau eine hochqualitative Aussortierung der Waren mit einem Wiederverkauf in den Filialen. So erhalten nicht nur wertvolle Stücke, sondern auch Menschen eine zweite Chance.

Für die Zukunft befürchtet man beim PAP allerdings Einsparungen im Budget: "Und das, obwohl wir immer mehr sortieren müssen, um unsere Geschäfte gut bestücken zu können. Die Qualität der Ware ist schlechter geworden."

Die Obfrau und Gründerin von PAP, Heidi Rest-Hinterseer: "Wir sind froh und dankbar für die bisherige gute Unterstützung von Land und Arbeitsmarktservice. Doch wir denken über neue Betriebsformen nach, die ein eigenständiges künftiges Wirtschaften erlauben und uns unabhängig von politischen Entscheidungen machen. Denn es geht um Arbeitsplätze in der Region."

Als ehemalige Sozialarbeiterin habe sie noch gut in Erinnerung, wie einst die Lehrlingsstiftungen geschlossen wurden. "Die Jugendlichen habe ich dann auf den Straßen angetroffen. So wirkt sich Sozialpolitik aus, und das ist schwer wieder gutzumachen."

Das einjährige Bestehen der Filiale in Radstadt wird am Freitag, 24. Mai, mit zahlreichen Überraschungen für Besucher gefeiert.

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