Chronik

Zwischen Absage und Besucherrekord:Kunst und Kultur in Zeiten von Corona

Die "Tennengauer Nachrichten" haben sich umgehört, wie die ersten größeren Kulturveranstaltungen im Bezirk verliefen - und verlaufen werden: Die Tennengauer Messe ist bereits abgesagt, die Großveranstaltungen der Igonta Pass hängen noch in der Schwebe.

Schon seit Anfang Juli zeigen die Festspiele Burg Golling, wie Kulturveranstaltungen auch in Corona-Zeiten durchgeführt werden können. Und das mit unerwartetem Erfolg - dank zusätzlicher Vorstellungen erfreut man sich heuer neuer Besucherrekorde.

Auch in der Bezirkshauptstadt Hallein ist mittlerweile das Veranstaltungsleben wieder angelaufen - der italienische Markt und der Kunsthandwerksmarkt konnten stattfinden; der Tourismusverband (TVB) lud zum FM4-"Picknick im Grünen" im Forstgarten und veranstaltet Pop-up-Konzerte in der Altstadt; das spontan entstandene Ynselzeit-Festival lädt zu Workshops, Lesungen, Konzerten und Theater in die Alte Saline; und auch das Kulturforum hat mit dem "Jedermann Reloaded" im Stadttheater Mitte August seine Tätigkeit wieder aufgenommen.

"Wir waren sogar strenger, als es die Behörde vorschrieb"

"Der größte Fehler wäre es jetzt, nichts zu tun", sagt TVB-Chef Rainer Candido. "Die Menschen lechzen nach Livemusik und Kultur, das haben wir ganz deutlich gemerkt. Es sind jetzt halt einfach andere Rahmenbedingungen." Und die sind durchaus anspruchsvoll: Personalisierte Tickets, Abstandsregeln, Maskenpflicht abseits des Sitzplatzes, genaue Einlasskontrollen, Hygienestationen, Ausweispflicht, Datenspeicherung und Videoaufnahmen für eine etwaige Nachverfolgung und mehr waren nötig, um die Behördenauflagen zu erfüllen. "Wir haben uns da ganz eng abgestimmt, teilweise waren wir sogar strenger, als die Behörde vorgeschrieben hat."

Für Bezirkshauptmann Helmut Fürst und sein Team ist der Bereich Veranstaltungen zwar nur ein kleiner in der momentanen "gewaltigen Herausforderung" mit Covid-19. Er lobt aber ganz allgemein die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern: "Es ist sicher gut, wenn es neben Corona auch ein normales Leben gibt, und da gehören auch Veranstaltungen unter gewissen Bedingungen dazu."

Auch Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) schlägt in die gleiche Kerbe: "Bei den Märkten hat die Stadtpolizei auch kontrolliert und eigentlich keine negativen Erfahrungen gemacht. Die Leute hatten teilweise sogar Masken auf, wo es gar nicht zwingend nötig gewesen wäre. Es ist für die Behörde und Veranstalter immer eine Gratwanderung zwischen dem, was lässt du zu und was lässt du nicht zu. Allen kannst du es eh nie recht machen. Du kannst dich nur an Verordnungen halten, und das machen wir."

Indoor-Veranstaltungen brauchen viel Platz - oder viele Masken

Die Konzerte des TVB und die Märkte waren Freiluftveranstaltungen, bei denen bekanntermaßen das Ansteckungsrisiko geringer ist. Aber auch erfolgreiche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen sind möglich. Beim "Ynselzeit"-Festival lösen das die Veranstalter mit den großen Räumlichkeiten der Alten Saline: "Deswegen ist die Pernerinsel klasse, weil so viel Platz ist", sagt Mitorganisatorin Margarethe Hlawa-Grundner. "Wir stellen die Stühle im Schachbrettmuster auf und abseits des Sitzplatzes ist Maskenpflicht."

Anders ging das Kulturforum bei der umjubelten Aufführung von "Jederman Reloaded" im Stadtkino vor: Der Zuschauerraum wurde ganz normal gefüllt, das Publikum saß "Arm an Arm", musste aber auch am Sitzplatz Maske tragen - ein Konzept, das so von der Behörde genehmigt war, manche Besucher aber überraschte und irritierte. Bei einer Vorstellung ohne Maske wären nur 60 Personen in dem 347 Zuschauer fassenden Saal zugelassen gewesen, erklärt Gerhard Angerer vom Kulturforum: "Das ginge nur, wenn die öffentliche Hand jedes Ticket mit 200 Euro subventioniert. Daher haben wir uns für eine andere Variante entschieden."

"Normalerweise brauchen wir drei Mitarbeiter, diesmal zwölf"

Maskenpflicht und zahlreiche andere Maßnahmen sollten die Ansteckungsgefahr aber auf ein Minimum reduzieren (Einlass nur in Kleingruppen, personalisierte Tickets, kontaktlose Ticketkontrolle, Steuerung der Wege, Desinfektion aller relevanten Räumlichkeiten etc.). "Im Normalfall wird eine solche Veranstaltung von drei Mitarbeitern des Kulturforums abgewickelt, diesmal waren es zwölf", sagt Angerer. Letztlich seien die Maßnahmen gut angenommen worden, nur eine Karte wurde zurückgegeben, weil die betroffene Person nicht so eng sitzen wollte: "Das Publikum war nicht nur vom Auftritt Philipp Hochmairs begeistert, es war auch sehr diszipliniert und gab dem Verein ein positives Feedback."

Die umfassenden Maßnahmen allerseits könne man gar nicht wichtig genug nehmen, betont auch Hlawa-Grundner: "Wenn sich jemand infiziert, haben alle Veranstalter den Scherbenhaufen, dann werden die Regeln wieder verschärft, die Branche kommt in Verruf, die Leute werden verunsichert etc. Das ist für viele ja auch eine existenzielle Frage. Kunst und Kultur sind ein unfassbar großer Wirtschaftsfaktor, da geht's nicht um ein paar Hans'ln, die gern Geige spielen."

Tennengauer Messe abgesagt, Krampus-Veranstaltungen mit Fragezeichen

Unsicherheit herrscht derzeit noch, was die kommende Situation im Herbst angeht. Der Situation bereits zum Opfer gefallen ist die zweijährliche Tennengauer Messe im Oktober - sie wird vorerst auf Herbst 2021 verschoben. "Die Auflagen wären das Wenigste, das Problem sind die Aussteller. Viele wollen das Risiko nicht eingehen, sich anzustecken, oder können sich einen Messebesuch heuer nicht leisten. Unsere finanzielle Struktur kommt von den Ausstellern und mit 60 statt 160 Firmen bringt es nichts", sagt Organisator Frank Drechsler.

Noch in der Schwebe hängen derzeit die Pläne der Halleiner Igonta Pass: Dieser Tage fällt die Entscheidung, ob die alljährliche Krampusmaskenausstellung in der Alten Saline stattfindet - mit mehr als 5000 Besuchern und 130 Ausstellern ist sie die größte ihrer Art in Österreich. Obmann Stefan Windhofer war beim TN-Gespräch am Montag skeptisch: "Schon die Abstandsregelung stellt uns vor große Probleme, dazu noch separate Zugänge für Gastro und WC etc., das wird fast unmöglich zu bewerkstelligen." Ob der Halleiner Krampuslauf, einer der größten im Land Salzburg, stattfindet, wolle man bis Ende September entscheiden.

Aufgerufen am 05.12.2020 um 04:26 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/zwischen-absage-und-besucherrekordkunst-und-kultur-in-zeiten-von-corona-91987468

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