Chronik

Zwischen Lob, Panik und Blackout: Wie man gut präsentiert

Habe ich den Satz richtig formuliert? Stehe ich eigenartig? Habe ich den Reißverschluss zugemacht? Es sind oft komische Gedanken oder Seitenschüsse, die einem den Weg zu einer guten Präsentation versperren. Wie man ihn dennoch gehen kann.

Zwischen Lob, Panik und Blackout: Wie man gut präsentiert SN/fotolia/lightpoet
Nicht jedem liegt es, vor Fremden zu sprechen (Symbolbild).

Sie steht vor einem Publikum und soll über ein - eigentlich bekanntes Thema - reden. Doch die Angst zu versagen versetzt sie in eine Art Schockzustand. Ihre Nerven liegen blank und die innere Unsicherheit nimmt gnadenlos Übergriff auf ihren Körper. Schweiß steht auf der Stirn, die Knie schlottern und die Stimme versagt. Lisa Mayr ist Biologie-Studentin im vierten Semester und weiß wie sehr man sich in diesem Moment wünscht, einfach nur ganz wo anders zu sein. Präsentationsangst bezeichnet die Furcht, vor einer Gruppe zu stehen, also aus der gewohnten Face-to-Face-Situation herauszutreten und etwas vorzutragen. "Durch die reine Anwesenheit des Publikums zeigt die Person eine anthropologische Fluchtreaktion", sagt Universitätsprofessor Thomas Schirren, Leiter der Abteilung Klassische Rhetorik an der Uni Salzburg.

Das Elternhaus ist entscheidend

Das Problem der Präsentationsangst gehe oft auf die frühe Kindheit zurück. Das Rhetorikzentrum unterrichtet auch an Schulen - nicht nur Kinder, sondern ebenso Lehrer, die den Kindern das Sprechen vor Gruppen beibringen. "Man sieht klar: Diejenigen, die gut sprechen können, kommen aus Elternhäusern, wo dem Kind zugehört wird, wo Kinder lernen, ihre eigenen Belange vorzutragen", erläutert Thomas Schirren. Bei Notenvergaben in diesem Bereich sei es besonders wichtig, auf die Entwicklung der Schüler einzugehen und nicht die reine Leistung zu beurteilen. Später seien es meist die hohen Ansprüche, die es dem Redner schwer machen. Körper und Psyche bilden eine Einheit, die von der Angstsituation beeinträchtigt wird. Die emotional unsichere Lage wirke sich auf den Körper aus und werde auf die Gedanken rückprojiziert, ergänzt Schirren.

Ein Teufelskreis der Emotionen

Lisa Mayr erzählt, es fühle sich bei Präsentationen an, als wäre ihr ganzer Körper gegen sie. "Am Anfang denke ich mir: Ich schaffe das. Aber nach ein paar Sätzen habe ich bereits einen so trockenen Mund als hätte ich Zimt gelöffelt. Das Herz schlägt mir noch zusätzlich in den verstaubten Hals." Thomas Schirren erläutert, dass die auftretenden Symptome bei Betroffenen sehr individuell aussehen können: "Aufgrund der Anatomie des Kehlkopfs kann es bei Frauen dazu führen, dass die Stimme ganz hoch wird." Das wiederum führe dazu, dass man die sprechende Person weniger wahrnimmt. "Meine Hände werden schweißnass, mein Gesicht wird heiß und rot und ich schäme mich irgendwie vor der Gruppe. Ich glaube die schämen sich auch fremd", ergänzt Lisa.

Tipps und Tricks

Laut Sprichwort ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen. Oder doch? Es gibt Naturtalente, denen es anscheinend richtig Spaß macht, vor Gruppen zu reden. Für diejenigen, denen das nicht so leicht fällt, folgend ein paar Ratschläge:

  • Es gibt nicht die richtige Haltung. Such dir die Position, in der du dich wohlfühlst.
  • Kleine Auftritte helfen positive Erfahrungen zu sammeln: Halte Reden bei Familienfeiern, Geburtstagen oder wenn du Freunde einlädst.
  • Nimm dir nicht zu viel vor: Wenn man seine eigenen Erwartungen nicht erfüllen kann, kann das negative Gefühle hervorrufen.
  • Das Coaching in Gruppen ist besser als Einzeltraining.
  • "Come out of your own way": Für jeden ist eine andere Art zu reden richtig.
  • Durch Beobachtung anderer merkst du, was du an dir selbst verbessern kannst.
  • Autogenes Training: Versuche dir selbst Sicherheit zu vermitteln.
  • Wenn du ein Blackout hast, thematisiere es: "Eigentlich hatte ich mir ja so eine schöne Rede überlegt und jetzt ist es mir entfallen."
  • Selbstmanagement und - kompetenz helfen dir in rhetorischen Situationen.
  • Schaffe in dir das Gefühl, dass das genau der Moment ist, auf den du die ganze Zeit gewartet hast.

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

Quelle: SN

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