Salzburg

Das Erben will gelernt sein

Alles zur Hofübergabe, kurz und kompakt. Wann ist der Zeitpunkt, wie machen Familien es am besten? Eine Notarin gab Tipps in der Landwirtschaftsschule.

 SN/michaela hessenberger

"Wer von euch hat einen Bauernhof zu Hause und wird den vielleicht einmal übernehmen?", fragt Angelika Moser. Sie ist Notarin in Seekirchen und für das Projekt "Notariat und Schule" im Auftrag der Notariatskammer in die Landwirtschaftsschule Kleßheim gekommen. Moser ist selbst dort zur Schule gegangen. Einige der 16- bis 17-jährigen Mädchen und Burschen zeigen auf, sie beginnen zu murmeln. Das Thema betrifft und interessiert sie offensichtlich.

Moser ist zum dritten Mal zu Gast im Rechtskunde-Unterricht. Das Thema Hofübergabe hat sie gewählt, weil ein geregeltes Herangehen nicht nur das Überleben für Generationen auf dem Hof sichert, sondern weil eine gute Abwicklung den Frieden innerhalb der Familie bewahrt. "Aufmerksamkeit und Wertschätzung sind wichtig, wenn ein Betrieb von der einen in die andere Hand übergeht", sagt die Notarin. Sie weiß auch, was für Verstimmungen innerhalb der Familie sorgen kann. Schlimm sei es, wenn die Eltern noch nicht bereit für den Wechsel seien und die Jüngeren Druck machten. "Das kann ein gewaltiges Spannungsverhältnis ergeben." Auf die Frage eines Schülers, wann denn der richtige Zeitpunkt sei, antwortet die Notarin: "Das ist natürlich unterschiedlich. 60 kann ein gutes Alter sein. Wichtig ist, dass die Eltern geistig fit sind und den Vertrag gut verstehen."

Es bringe hingegen große Schwierigkeiten mit sich, wenn Eltern sich ein Leben lang gar nicht zur Übergabe durchringen könnten und kein Testament mit einer Regelung hinterließen.

Wie geht Angelika Moser es an, wenn eine Familie zu ihr kommt und die Hofübergabe einleiten möchte? "Ich lade alle Familienmitglieder zum Gespräch ein. Sie stellen ganz unterschiedliche Fragen und haben unterschiedliche Erwartungen." Manchmal sei so ein Termin heikel. Gerade wenn es Geschwister gebe und nicht ganz klar sei, wer denn den Betrieb wirklich übernehmen solle. Moser: "Da können auch schon einmal Tränen fließen." Sie klärt also, wer übernimmt, was genau übergeben wird - und was die Eltern wollen. Es gehe zusätzlich um das, was in Eheverträgen stehe oder stehen solle, oder darum, wer wem welchen Anteil bezahle. Erst dann kann sie einen Vertrag ausarbeiten, den sie allen Betroffenen zur Durchsicht per Post schickt. Wenn sich alle geeinigt haben, wird unterschrieben. So ein Prozess kann einige Wochen, bei vielen Unklarheiten sogar einige Monate dauern. Fix ist es nicht mit Vertragsunterzeichnung, sondern erst, wenn der Eintrag ins Grundbuch erfolgt ist. "Erst das macht euch zu Eigentümern", sagt Moser zu den Landwirtschaftsschülern.

Sie erklärte ihnen auch, was eine Nota-rin generell macht. Sie berät und hilft in Rechtsfragen, arbeitet Verträge aus oder beglaubigt sie. Schenkungen und Übergaben sind ein Teilgebiet ihrer Arbeit. Außerdem ist Moser Mediatorin, also eine neutrale Vermittlerin im Streitfall.

"Wir haben viele künftige Übernehmerinnen und Übernehmer in unseren Klassen sitzen - oder die Geschwister von ihnen. Darum kommt uns das Thema für das Fach ,Politische Bildung und Rechtskunde' in diesem Jahr besonders gelegen", sagt Johann Eßl. Er ist der Direktor der Landwirtschaftlichen Schulen Kleßheim.

Angelika Mosers wichtigste Tipps in Sachen Hofübergabe lauten: rechtzeitig beginnen und die gesamte Familie in die Gespräche mit einbinden. Aufklärung durch fachkundige Beraterinnen und Berater ist un erlässlich. Notare helfen ebenso wie die Landwirtschaftskammer oder die Sozialversicherungsanstalt der Bauern. Und weil auch die kommende Generation zählt, ist die Sicherung des sogenannten Wohlbestehenkönnens Thema. Wer den Hof übernimmt, soll wirtschaftlich bestehen können. "Dafür ist es wichtig, dass ihr jetzt in der Schule viel Wissen sammelt, damit ihr dann auch die Qualifikation habt, euren elterlichen Betrieb zu übernehmen."

Aufgerufen am 21.09.2018 um 11:53 auf https://www.sn.at/salzburg/das-erben-will-gelernt-sein-354727

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