Dichten in der Blechlawine

Wer im Stau steht, hat meistens zwei Dinge im Übermaß: Zeit und Wut. Wie gut, dass sich die Lyrik als Ventil anbietet.

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Nachrichten aus Salzburg Karin Portenkirchner
Dichten in der Blechlawine SN/kp
Der erste Salzburger Stau-Limerick.

Journalisten haben Schreib- und Kreativitätsblockaden wie alle anderen Menschen. Wie man weiß, sind auch bekannte Autoren nicht davor gefeit. Was Journalisten von diesen unterscheidet, ist die Halbwertszeit der verfassten Texte. Während Bücher ganze Generationen prägen können, ist ein Zeitungsartikel spätestens am nächsten Tag wieder passé. Eigentlich überdauern manche Berichte nicht einmal das Frühstück oder das morgendliche Geschäft am stillen Örtchen.

Um Schreibblockaden zu überwinden oder einfach die grauen Zellen in Schuss zu halten, gibt es ein paar einfache Übungen. Eine wird von Trainern für kreatives Schreiben wärmstens empfohlen: einen Limerick zu dichten.

Ein Limerick ist ein humorvoller kleiner Fünfzeiler nach dem Schema aabba. Will heißen: Es reimen sich die erste, zweite und fünfte Zeile sowie die dritte und vierte. In der ersten Zeile kommt meistens ein Ort vor und in der letzten eine Pointe.

Ein Landhai in der Wüste,
der sehnte sich nach der Küste.
Sand in den Kiemen,
überall Dünen,
das Meer er schon sehr begrüßte.

Eine nette kleine Spielerei, ein Zeitvertreib. Vor allem wenn man gerade im Stau steht und sich ärgert, dass sich der Arbeitsweg ohne Vorwarnung um ein Drittel verlängert hat. Die Situation ist im wahrsten Sinne des Wortes ausweglos, die Uhr tickt und man muss zum Termin hetzen. Wie ärgerlich!

Warum nicht die Aggressionen in Lyrik verwandeln? Voilà, der erste Salzburger Stau-Limerick:

Ein Mädchen aus der Mozartstadt,
das hatte diesen Stau so satt.
Sie fand das so dumm
sie sattelte um,
und macht jetzt am Schrottplatz die Autos platt.

Nachahmung erbeten.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 01:13 auf https://www.sn.at/salzburg/dichten-in-der-blechlawine-885448

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