Salzburg

Die nobelste Partylocation der Ski-WM

Hier feiern Reich und Schön: Über 900 Euro kostet ein Ticket für das Dach der Hohenhaustenne gleich neben dem Ziel in Schladming. Dafür gibt es Champagner und die beste Sicht auf die WM-Strecke.



Zitronengnocchi, Wildschweinragout, Muscheln, Champagner und zwischendurch als Appetithäppchen ein Mini-Pikantleberkässemmerl. Um den hohen Ansprüchen der Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Sport zu genügen, hat sich die Hohenhaus Tenne unmittelbar neben dem WM-Zielstadion fein herausgeputzt. Schon auf dem Weg zur Tenne lässt sich erahnen, was einen erwartet. Das Dixi-Klo wird zum VIP-WC-Wagen. Passend der Slogan: Ein reines Vergnügen.

Wer in den Genuss kommen will, den Rennläufern vom Dach der Tenne beim Abschwingen zuzusehen, muss aber ordentlich hinblättern - oder auf der Liste eines Sponsors oder einer zahlungskräftigen Firma stehen. Zwischen 840 und 996 Euro Euro kostet die "On-the-Top-Card" für einen Tag. Dafür stehen Skyboxen, ein Whirlpool, eine Champagnerlounge, eine Eisbar, Tabletts voller Amuse-Gueule und Schaukelliegen samt weißen Felldecken zur Verfügung.

Noch luxuriöser: Der "WM-Pass" für die ganzen zwei Wochen auf dem Dach der Tenne ist für knapp 10.000 Euro zu erstehen. 25 solcher "WM-Pässe" wurden im Vorfeld verkauft, wie der Leiter der Tenne, Marc Schlager, erzählt.

Ein Stockwerk darunter tummeln sich die Inhaber der "Gold card", die auch noch stolze 600 Euro für das Ein-Tages-Vergnügen zahlen. "Normale" Tribünenbesucher der Tenne immerhin 258 Euro. Wem es draußen zu kalt ist, der kann das Rennen auf einem der 27 Flatscreens in der Tenne verfolgen.

Der Exklusivbetrieb erfordert ein großes Team. 250 Mitarbeiter sind im Einsatz; das Servicepersonal wurde von 20 auf 60 Angestellte verdreifacht. Für die Kreation der Gaumenfreuden ist die Küche eigens aufgestockt worden. 650 Kilowatt Leistung sind verfügbar. "Das Licht geht nie aus, wir sind praktisch rund um die Uhr da", sagt Tenne-Leiter Marc Schlager.

Bis 4 Uhr früh feiern die Gäste mit Livemusik, um 6 Uhr rollt schon der erste Lieferwagen mit Nachschub an. "In einer Woche werden es rund 6000 Liter Bier sein", schätzt Schlager. Fünf Etagen tiefer - im Keller der Tenne - sind 24 Fässer gleichzeitig angeschlossen. "Wir brauchen auch deshalb so viele, um den Druck permanent zu halten, weil der Höhenunterschied zum Dach der Tenne so groß ist." Wird ein Fass leer, gibt der Sensor ein Signal ab. "Ein bis zwei Hausmeister sind extra für das Umzapfen eingeteilt. Damit das Bier wirklich nie ausgeht", sagt Schlager.

Und apropos Bier: Ein Kuriosum der WM sind die Rechte der Sponsoren. Sobald das Rennen beginnt, darf nur noch Gösser-Bier eingeschenkt werden. Das sieht der Vertrag mit dem ÖSV so vor. "Sobald die Flower Ceremony im Ziel vorbei ist und der letzte Läufer seine Blumen in der Hand hat, stellen wir sofort auf Stiegl um", sagt Schlager.

Die VIPs - von Zells Bürgermeister Hermann Kaufmann bis hin zu Ex-Slalomass Thomas Sykora - dürften das nicht bemerkt haben.

Die sind gar nicht so sehr mit dem Getränk in ihrer Hand oder etwa mit dem Renngeschehen beschäftigt, nein: In erster Linie geht es neben der Piste um das Geschäft. Christian Steiner vom Pichlmayrgut ist einer der drei Betreiber der Hohenhaus Tenne. "Wirtschaft und Sponsoren treffen sich. Man knüpft seine Netzwerke, trifft Bekannte, plaudert und ist unter sich. Selbstverständlich." Business as usual. Nicht jedem ist es daher recht, dass sich Journalisten beim Lokalaugenschein auf dem Dach der Tenne einen Eindruck verschaffen. Eventuell liegt es daran, dass Firmeneinladungen und inszenierte Exklusivität in wirtschaftlich heiklen Zeiten missverstanden werden könnten.

Das große Geschäft sei die WM für die Tenne nicht, sagt Marc Schlager. "Unter dem Strich ist die Weltmeisterschaft für uns reine Werbung. Den ganzen Mehraufwand können wir fast nicht in Umsatz ummünzen." Das sieht auch Betreiber Christian Steiner so und setzt auf kommende Saisonen. "Wenn man die Tenne nach der WM nicht kennt, hat man 14 Tage verschlafen."

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