Kultur

Akrobatisches Körpertheater aus Australien beim Salzburger Winterfest

Mit ihrem akrobatischen Körpertheater "A Simple Space" hat das australische Ensemble Gravity & Other Myths das Premieren-Publikum beim Winterfest in der Stadt Salzburg am Mittwochabend in Atem gehalten.

Akrobatisches Körpertheater aus Australien beim Salzburger Winterfest SN/winterfest/phillipson

Auf nur wenigen Quadratmetern beeindruckten die acht Artisten mit ihren übermütigen und tollkühnen Körperkonstruktionen, mit Spaß an der Bewegung und Lust am Spiel.

Die jungen Künstler aus Adelaide in Südaustralien haben sich im Jahr 2009 zu einer eigenen Truppe zusammengeschlossen. Ihre Kreationen einer puren und präzisen, aber ebenso spektakulären Akrobatik auf engem Raum, auf rund 40 Quadratmeter Mattenfläche, lässt viel Nähe zu, auch für das Publikum des "Festivals für zeitgenössische Circuskunst" in Salzburg. Alle Bewegungen, von einem rhythmischen Soundtrack begleitet, sind hautnah mitzuverfolgen.

In der rund 65 Minuten dauernden Aufführung rücken die Körper der Artisten und ihre offensichtliche Lust an Verflechtungen in den Mittelpunkt. Die "Bühne", die Kostüme, das Licht und die Requisiten sind auf ein Minimum reduziert. Nähe, Körperkontakt und das Bemühen, die anderen nicht zu verlieren, sind die tragenden Säulen des Programms. Die Australier erwecken den Eindruck, als hätten sie Spaß dabei, so herausfordernd ihre Kunststücke auch sein mögen.

Die zwei Frauen und sechs Männer springen auf- und übereinander, formieren sich zu einem Turm, driften auseinander, um bald wieder in kunstvollen Verrenkungen zueinander zu finden. Sie suchen die Beziehung und die Berührung zum jeweils anderen. Und sie scheinen sich dabei zu amüsieren. Ihre Gesichter strahlen Freude aus, egal, wie anstrengend die Akrobatik auch ist, wie hoch der Körper in die Luft geworfen oder herumgewirbelt wird. Das Lächeln auf ihren Lippen versiegt nicht.

Die Verspieltheit der Artisten vermittelt eine gewisse Leichtigkeit des Daseins. Die Australier lassen die Zuseher auch mitspielen. Sie werfen ihnen kleine, aufgeblasene Bälle zu, mit denen jeder, der einen ergattert, die Akrobaten "abschießen" darf. Wer getroffen ist, ist "draußen". Spiele und Wettkämpfe mit einer Portion Spaß spornen die Truppe an. Wer beim Salto-Rückwärts nicht auf den Füßen landet, ist ebenfalls ausgeschieden. Der Artist hebt die Hand und wird an den Mattenrand verdammt. Wer beim Schnurspringen patzt, muss ein Stück Kleidung ablegen. Das geht solange, bis einer nackt dasteht. Mitleidig wird ihm auf die Schulter geklopft.

Aber "draußen" will keiner der Truppe lange bleiben. Jeder bemüht sich, wieder mitspielen und die anderen umschlingen zu dürfen. Nicht nur den Zusehern, manchmal raubt es dabei auch den Akrobaten selbst den Atem. Das animiert zum nächsten Spiel: Sie eifern darum, wer von ihnen am längsten die Luft anhalten kann. Nachdem der Sieger feststeht, wird wieder tief eingeatmet und weiter "geturnt".

Der Soundtrack unterstreicht die Rhythmik der Körper und gibt auch den Ton an. Eindrucksvoll demonstriert ein Artist, dass für die Musik weder ein Instrument noch elektronische Einspielungen notwendig sind. Mit viel Taktgefühl schnippt er mit den Fingern und klatscht mit den Händen auf seine Haut. Töne kann auch der Körper genug von sich geben.

Nach der kurzweiligen Aufführung dürfte es dem Zuseher klar gewesen sein: Nur hartes und konsequentes Training kann zu einer solchen Körperbeherrschung führen. Das Publikum bedankte sich für die eindrucksvollen Darbietungen im Circuszelt mit Standing Ovations. Die Gruppe wurde für ihre Leistungen mit der Auszeichnung "Best Circus" beim Adelaide Fringe Festival 2014 preisgekrönt.

Quelle: APA

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