Kultur

Architektur: "Der 30 Jahre dauernde Bau des Festspielhauses war städtebaulich ein Glücksfall für Salzburg"

Architekt Franz Riepl gilt als unbeugsamer Verfechter der einfachen Schönheit. In einem Ateliergespräch sagte er bemerkenswerte Dinge.

 SN/arching salzburg

Franz Riepl füllt eine Leerstelle im heutigen Baubetrieb. Seine Radikalität und Empfindsamkeit gilt der bodenständigen, qualitätsvollen Architektur - er postuliert stets ein dem Menschen angemessenes Haus an einem guten Ort. Bei seinem kritischen Blick auf das Gebaute geht es auch um Visionen, die im Vergangenen, Bewährten wurzeln. Diese Visionen sowie Ideen, die ihn antreiben, breitet er in seinem Buch "Über Architektur" vor dem Leser aus: "Das Unaufgeregte und dennoch Kultivierte ist meine Grundhaltung. Die Architektur hat die Aufgabe, den Rahmen zum Sich-Geborgen-Fühlen der Bewohner zu schaffen", ist Riepl überzeugt. Was den kritischen Beobachter moderner Architekturtrends im besonderen Maße beschäftigt, sind Fragen der Nachhaltigkeit und Wertigkeit neuer Bauwerke im Kontext bestehender Orte - weg von dem ästhetischen Analphabetismus, dem um jeden Preis Auffälligen, hin zu bescheidener, dezenter Architektur im Einklang mit der Umgebung. Er sieht einzelne Gebäude nie einzeln, sondern stets in kausalen Zusammenhängen und tritt für ein geschichtsbewusstes und zugleich zeitgemäßes Bauen ein. "Das Einbinden ins Bestehende ist einladend, wenn Architektur bloß individualisiert voranschreitet, ist es bedauernswert. Manche Bauten frönen dem Pompösen weit mehr als dem Funktionalen. Dieser Zustand ist symptomatisch
für unsere Zeit", resümiert Riepl.
Seine Auffassung der Architektur "ohne Schockwirkung" sei lange Zeit nicht verstanden worden. Während der 20-jährigen Professur für Ländliches Bauen an der TU Graz sei er mit seinen Ideen nicht durchgekommen. Eine Trendwende sei jedoch in Sicht. Mona Müry erinnert sich an seine Buchpräsentation in Graz: "Viele Architekturkollegen haben lange gebraucht, um die Philosophie Riepls zu verstehen. Die Einsicht stellt sich indessen ein, Dinge wie Nachhaltigkeit, Verzicht des Einzelnen im Sinne des Gemeinwohls oder Schönheit im Einfachen werden wieder wichtiger."
Wenn baulicher Kontext übersehen werde, könnten architektonische Entgleisungen bis hin zur Verschandelung die Folge sein. Es gebe allerdings auch ausdrücklich gut umgesetzte Bauvorhaben. Auf die Frage hin, was denn in Salzburg städtebaulich besonders gut gelungen sei, meinte Riepl schmunzelnd: "Der 30 Jahre dauernde Bau des Festspielhauses im Stadtzentrum. Das war ein Glücksfall, sonst hätten Sie ein zweites Bayreuth."

Das Gespräch fand im Rahmen einer Kooperation der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten mit der Universität Salzburg statt. Mit Architekt Franz Riepl, dem "unbeugsamen Verfechter der einfachen Schönheit", sprachen Univ.-Prof. Dr. Sabine Coelsch-Foisner, Verlegerin Mona Müry und Architekturpublizist Albert Kirchengast über Bauten mit Charakter, dezente Raumerlebnisse und Architektur zum Wohlfühlen.
Im Bild: Mona Müry, Albert Kirchengast, Franz Riepl mit Sabine Coelsch-Foisner.

Quelle: SN

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