Kultur

"Arrivals": Fotoprojekt zeigt Salzburg aus Flüchtlingssicht

Wie nehmen Flüchtlinge Salzburg wahr, wie sieht die künstlerische Perspektive von Asylwerbern und anerkannten Flüchtlingen auf diese Stadt aus?

"Arrivals": Fotoprojekt zeigt Salzburg aus Flüchtlingssicht SN/robert ratzer
Fotoprojekt aus Flüchtlingssicht (Symbolfoto)

Das war die zentrale Frage, mit der sich die Salzburger Galerie Fotohof seit Februar in einem Kunstprojekt mit dem Titel "Arrivals" beschäftigt hat. Die Foto-Arbeiten von zwölf Flüchtlingen sind seit Donnerstag im Salzburger Rathaus ausgestellt.

Sie sind von 16 bis 49 Jahre alt und stammen aus Pakistan, Afghanistan, dem Iran und vor allem aus Syrien. Der Fotohof hat bei einem lokalen Händler beziehungsweise Sponsor ordentliche Kameras aufgetrieben und die zwölf Flüchtlinge bei der Suche nach ihrem Blick auf die Stadt unterstützt. "Formal, nicht inhaltlich", wie Fotohof-Leiter Kurt Kaindl im APA-Gespräch betonte: "'Arrivals' ist weder ein Integrationsprojekt, noch ein Projekt mit hochgestochenen künstlerischen Erwartungen. Es ging uns aber schon um den künstlerischen Prozess der Transformation von Wahrnehmung. Und da ist viel passiert, die Leute haben zum Teil Fotos präsentiert, auf die wir im westlichen Kunstbetrieb so nicht gekommen wären."

Der 16-jährige Matin Hossaini aus Afghanistan hat Fotos ausschließlich von ganz unten geschossen, also aus einer Bodenperspektive. Das zeige, wir er die Stadt wahrnimmt, erklärte der unbegleitete Jugendliche in gutem Deutsch. "Ich habe hier ein Lied gehört, in dem es heißt 'ich sehe die Welt von oben'. Aber ich bin an den Blick von unten gewöhnt, da sind die für mich wichtigen Dinge zu finden."

Auch der Pakistani Shabab Hussain hat in "Arrivals" eine persönlich spannende Erfahrung gemacht. Er hat an die hundert Salzburger auf der Straße fotografiert. "Das ist in meinem Land völlig undenkbar", erzählte er der APA. "Wenn ich in Pakistan Frauen auf der Straße fotografieren würde, müsste ich ernsthaft mit Schlägen rechnen. Abgelichtete Männer würden mir die Kamera kaputt machen, auch das ist ein Tabu. In Salzburg habe ich langsam gelernt, dass man fragen darf und wie man das macht. Das hat mir Mut gemacht", erzählte Hussain, der sich bei den Fotoarbeiten mit einem Salzburger Mädchen in krassem Punk-Look befreundet hat.

Zwei Freundinnen aus Syrien - Rasha Ahmad und Sadekka Shrekka - haben in ihrem Land die Akademie besucht und bereits als Künstlerinnen gearbeitet. "Bevor der Krieg ausgebrochen ist, haben wir beide mit Porträts genug Geld verdient und daneben Skulpturen und andere Kunstwerke geschaffen. Ja, klar, es wäre ein Traum, auch hier in Österreich als Künstlerin leben zu können", so Ahmad, die für die Salzburger Sommerakademie ein Stipendium bekommen hat. Tatsächlich zeichnen sich die Fotos beider junger Frauen durch klare Komposition und bewusste Proportionen aus.

Und noch ein im Rathaus aufgehängtes Foto berührt: Mohamad Assani aus Aleppo hat einen jener löchrigen Holzzäune abgelichtet, die an heimischen Landstraßen oft gegen Schneeverwehungen aufgestellt werden. "Nichts wünscht sich ein Mensch auf der Flucht mehr, als einen Zaun mit derart großen Zwischenräumen."

Quelle: APA

Aufgerufen am 12.12.2018 um 10:02 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/arrivals-fotoprojekt-zeigt-salzburg-aus-fluechtlingssicht-1234900

Schlagzeilen