Kultur

Auf der Bühne des Glücks

Seit seiner Kindheit ist Florian Jung auf einen Rollstuhl angewiesen. Mit seinem sechsten Soloprogramm macht sich der Schauspieler und Künstler auf die Suche nach Glück. Am heutigen internationalen Tag des weißen Stockes tritt er in Salzburg auf.

Der 40-jährige Florian Jung fragt sich in seinem Soloprogramm, ob Glück existiert. SN/michael grünwald
Der 40-jährige Florian Jung fragt sich in seinem Soloprogramm, ob Glück existiert.

Sobald der 40-jährige Florian Jung auf der Bühne sitzt, geht es ihm besser als vorher. Gibt es objektives Glück? Was bedeutet das Wort überhaupt? Das fragt er sich und sein Publikum in seinem mittlerweile sechsten Soloprogramm mit dem Titel "Auf die Welt geschissen … und geblieben". Wie und wo man auf die Welt komme, könne man sich nicht aussuchen. "Man ist nun mal hier und sollte das Beste draus machen." Das macht er, indem er sich auf die Suche nach Glück begibt.

Dass der gebürtiger Wiener in seinem Leben immer Glück gehabt hätte, kann er nicht behaupten. Jung ist mit einer einseitigen spastischen Lähmung auf die Welt gekommen, litt darunter. In seinen ersten Soloprogrammen sprach er viel darüber, nutzte die Bühne als Katharsis. Als fiktive Figur auf der Bühne sprudelte es nur so aus ihm heraus, reinigte seine Seele. Nach dem Auftritt kam die Leere. Immer wieder.

Ein Mann, der nicht aufgibt

Nach dem geschützten Raum der Bühne sehnte er sich schon lange. Jahrelang arbeitete er in der Elternberatung, schnupperte währenddessen als Regieassistent im Kindertheater Bühnenluft. Irgendwann nahm er seinen Mut zusammen und rief in einer Schauspielschule an. "Wenn Sie Schauspieler werden wollen, müssen sie fechten können", riet man ihm. "Wie stellen Sie sich das vor?" erwiderte er. "Gut, dann müssten Sie über ein überdurchschnittliches Talent verfügen." Das wollte er jedem beweisen. Er wurde aufgenommen.

Die Schauspielerei kam schleppend in die Gänge. "Ich bin öfter als Komparse begabt durchs Bild gefahren", sagt Jung über seine Anfänge. Mittlerweile kommen Regisseure auf ihn zu. Sein Kinodebüt hatte Jung in dem Film "Lovesigns", in einem anderen kurzen Dreiteiler spielte er zuletzt die Hauptrolle.

Dem Leben eine Chance geben

Und dann ist da noch das Bühnenleben abseits der Filmkamera. Seit 18 Jahren fühlt er sich unangreifbar auf der Bühne. Nicht nur die Inhalte sind mittlerweile anders. Er will sein Publikum dazu ermuntern, Mut zu fassen und dem Leben eine Chance zu geben. Auch das Publikum hat sich verändert. Mehr als die Hälfte seiner Zuschauer sind nicht behindert. Eintritt verlangt Jung keinen. "Pay as you wish" nennt sich das System - zahle, so viel du geben möchtest. Jeder soll Zugang haben. Auch Barrierefreiheit ist Vorraussetzung für seine Stücke.

Und was bedeutet Glück für ihn? Für seine Arrangements reist er mittlerweile durch den deutschsprachigen Raum. Sein Soloprogramm ist so erfolgreich, dass er weitere Termine angekündigt hat. "Glück bedeutet für mich die Freiheit, das zu machen, was ich will."

Auf die Welt geschissen ... und geblieben" - Monolog von und mit Florian Jung: Mo, 15.10., 19 Uhr, Blinden- und Sehbehindertenverband, Schmiedingerstr. 62, Salzburg.

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