Kultur

Begnadete Körper feiern die Lebenslust

Das Landestheater-Ballett bespielt erstmals das neue Probenzentrum Aigen. Mit im Gepäck: Samba und Caipirinha.

Zunächst einmal Caipirinha. Im Foyer des neuen Probenzentrums Aigen versorgt das Salzburger Landestheater die Besucher mit dem hochprozentigen brasilianischen Exportschlager. Eigentlich braucht es diesen flüssigen Treibstoff nicht: Was das Ballettensemble zur Einweihung der neuen Spielstätte auf die Bühne bringt, besitzt reichlich Schubkraft.

"Balacobaco" nennt sich die erste abendfüllende Produktion des neuen Chefchoreographen Reginaldo Oliveira in Salzburg. Der heute 35-Jährige ist in einem der Slums in Rio de Janeiro aufgewachsen, ehe sein Talent erkannt wurde. Oliveira avancierte schnell zum gefeierten Ballettsolisten und wechselte nach Europa.

Oliveiras elektrisierende, kantige Bewegungssprache erweist sich als zeitgemäße Ergänzung zur klassischen Eleganz der Handlungsballette von Peter Breuer. Zu Beginn rasen die Körper - Judith Adam schneiderte die stoffsparenden Kostüme - wie Schattenfiguren über die Bühne. Archaische Perkussions-Rhythmen geben den Puls vor und treiben die Tänzer an. Das Tempo ist hoch. Die insgesamt 16 Tänzer bewegen nicht nur Beine, sondern auch Arme, Hüften und Köpfe in teils irrwitziger Geschwindigkeit.

Oliveira erzählt keine durchgängige Geschichte, er bringt das Lebensgefühl seiner Heimat vielmehr als rasante Szenen-Collage näher. Nach dem fulminanten Beginn finden wir uns in einer der engen städtischen Wohnanlagen wieder, wo die Bewohner einander von Fenster zu Fenster die Hand reichen können. Schnell entwickelt sich ein lustvolles Treiben, das keine Geschlechtergrenzen kennt.

Auch den Körperkult seiner Landsleute nimmt Oliveira auf die Schaufel. Die mehrheitlich brasilianischen Tänzer haben sichtlich Spaß an der Selbstpersiflage. Der eineinhalbstündige Abend gipfelt in einer hypnotischen Nacht-Choreographie, die Körper, Rhythmus und (Neon-) Licht zur Einheit verschmilzt.

Und das neue Haus? Das Probenzentrum Aigen besitzt zwar nicht die Fels-Atmosphäre der alten Probebühne im Rainberg. Den Künstlern bieten die modern ausgestatteten Ballettsäle jedoch ungleich bessere Probemöglichkeiten. Und das macht sich letztlich auch auf der Bühne bemerkbar.

Von deren Schwingboden machten auch viele Premierenbesucher am Mittwoch Gebrauch. Nach dem Schlussapplaus ging der Abend nahtlos in eine Samba-Party über. Grund zu feiern gab es angesichts dieser virtuosen Leistungsschau des Landestheater-Balletts genug.

Weitere Termine: 13., 15., 17., 20., 23., 27., 30. Mai sowie 2., 6., 8., 12., 14. und 17. Juni.

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