Kultur

"Beim Donauwalzer kriege ich noch immer eine Ganslhaut"

Rund 50 Millionen Zuschauer weltweit schauen Matthias Schorn aus Bad Vigaun und seinen Philharmoniker-Kollegen am 1. Jänner beim Neujahrskonzert im Wiener Musikverein auf die Finger. Das weltberühmte Konzert ist für ihn selbst beim vierten Mal noch immer etwas Besonderes.

Seit 2007 (damals gerade einmal 24 Jahre alt) ist Matthias Schorn aus Bad Vigaun Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, zudem tritt er auch häufig in Ensembles und Formationen auf (Faltenradio, Marc Chagall Trio etc.) und steht als Solist vor anderen Weltklasse-Orchestern wie den Berliner Philharmonikern oder der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Das Neujahrskonzert ist österreichisches Kulturgut, aber ist es für Sie nach Hunderten Konzerten mit den Philharmonikern überhaupt noch etwas Besonderes?
Matthias Schorn: Ja, schon. Es ist heuer, glaube ich, mein viertes Neujahrskonzert, meine Kollegen und ich wechseln uns da turnusmäßig als Erste Klarinette ab. Die ganze Vorbereitungsphase nach Weihnachten, rund um den Musikverein herrscht ein bissl Ausnahmezustand, die Atmosphäre, wenn bei den Proben von Anfang an die Kameras dabei sind, die Beleuchtung ist ganz anders als sonst, anders wegen dem Fernsehen, das ist immer wieder etwas Besonderes.

Bedeutet das auch mehr Aufregung als sonst?
Nein, nicht wirklich. Wenn es dann losgeht, vergisst man nach zwei, drei Stücken die Kameras auch wieder, versucht einfach, so schön wie möglich zu spielen und das Ganze zu genießen. Und ich kriege auch nach wie vor eine Ganslhaut beim Donauwalzer.


Wie geht es Ihnen beim "Radetzky-Marsch"? Das muss für ein Weltklasse-Orchester doch etwas merkwürdig sein, wenn im Konzertsaal quasi Bierzeltstimmung herrscht.
Grundsätzlich finde ich es immer schön, wenn ich erleben darf, dass durch das, was wir tun, also im Grunde einfach wo reinzublasen oder wo drüberzustreichen, dass dadurch eine Verbindung zum Publikum entsteht und die animiert werden zum Mitklatschen oder bei anderen Gelegenheiten auch zum Tanzen. Das erlebe ich immer wieder wie eine magische, zauberhafte Verbindung, und das passt beim Radetzky-Marsch genau so, wie es ist. Und die Dirigenten machen sich ja auch immer einen Spaß draus.

Beim Neujahrskonzert 2016, das sich thematisch dem 200-Jahre-Jubiläum "Salzburg bei Österreich widmete, war Matthias Schorn auch prominent im Pausenfilm vertreten.

Diese Mal dirigiert ja Christian Thielemann, der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und künstlerischer Leiter der Osterfestspiele. Was kann man sich da erwarten?
Wir haben als Orchester schon oft mit ihm gearbeitet, wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu ihm. Ich habe auch schon solistisch oft mit ihm gespielt, wir kennen uns sehr gut und ich spiele sehr gern mit ihm. Er versucht immer, viel Energie in die Musik reinzustecken, immer spontan zu bleiben, und das empfinde ich auch so, das passt sehr gut zu mir als Musiker.

Silvester feiern am 31. ist mit dem Konzert am 1. Jänner aber gestrichen, oder?
Na ja, große Party habe ich noch nie gemacht, man will das ja mit voller Kraft miterleben. Außerdem spielen wir das gleiche Konzert wie am 1. Jänner auch am 31. Dezember am Abend, also bin ich da eh im Einsatz bis halb elf, dann fahre ich heim, das ist auch immer eine ganz eigene Stimmung, weil die Straßen fast leer sind. Meist bin ich erst kurz vor Mitternacht daheim, da wird höchstens noch kurz angestoßen.


Müssen Sie sich für so ein Konzert speziell vorbereiten? Muss man bei all den Proben und Konzerten, die Sie spielen, überhaupt noch daheim üben?
Ich muss definitiv üben, aber man wird effizienter. Wenn man an einem Tag zwei Proben hat und am Abend noch eine Oper spielen muss, kann man dazwischen nicht noch vier Stunden üben. Man bekommt eine gewisse Erfahrung, was nötig ist, und kann knappere Zeit besser nutzen.

KULTUR-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Kulturmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 24.11.2020 um 11:28 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/beim-donauwalzer-kriege-ich-noch-immer-eine-ganslhaut-62776423

Schlagzeilen