Kultur

Bergheims neue Orgel tönt wie ein Ferrari

Sie ist die Königin der Instrumente und kann Jahrhunderte überdauern. Am Fuße des Plainbergs war ein Neubau bereits nach 50 Jahren notwendig.

Am 15. Oktober steht ganz Österreich im Bann der Nationalratswahl. Ganz Österreich? In Bergheim wird am Tag des Herrn ein Jahrhundertprojekt vollendet. Erzbischof Franz Lackner weiht im Rahmen eines Festgottesdienstes um 9 Uhr die neue Orgel ein. Da rückt auch ein Kanzlerduell in den Hintergrund.
"Die Bundesregierung hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als wir die Orgelweihe geplant haben, war von vorgezogenen Wahlen nichts zu ahnen", sagt Pfarrer Christoph Gmachl-Aher. Der neue Geistliche in Bergheim erntet die Früchte seines Vorgängers: Felix Königsberger initiierte den Neubau. "Die frühere Orgel hat einen scheppernden Klang gehabt. In Vergleichen mit anderen Orgeln in der Gegend waren die Unterschiede deutlich hörbar." Die alte Orgel hatte zwar erst knapp 50 Jahre auf dem Buckel. Doch neben klanglichen Mängeln war das Instrument auch verwinkelt konstruiert und für Restaurierungen unzugänglich.
Das neue Prachtstück stammt aus dem Hause Klais, einer renommierten Orgelbaufirma. Es wiegt knapp zehn Tonnen, besitzt stolze 28 Register, umfasst 1473 Pfeifen und spielt alle Stückerl. "Es ist ein erhebendes Gefühl, dieses Instrument zu spielen", schwärmt Organist Lukas Wegleiter. "Ich muss mich aber auch umstellen. Das ist wie bei einem Sportwagen, der verzeiht auch keine Fahrfehler." Zum Eröffnungskonzert (15. 10., 19 Uhr) spielt Wegleiter eine Toccata des Salzburger Komponisten Georg Muffat und ein "Laudatio Dominum" von Mozart. Danach wird vor allem bei kirchlichen Hochfesten das volle Potenzial des Klang-Ferrari ausgeschöpft.
Der Preis ist stolz. Die Projektkosten belaufen sich auf mehr als 500.000 Euro. Schließlich musste auch die Empore aufgrund der gewichtigeren Orgel statisch angepasst werden. "Wir haben jedoch große Teile des Projekts in Eigenregie umgesetzt und uns dadurch Geld erspart", erläutert Königsberger. Neben Pfarre, Tourismusverband, Land und örtlichen Firmen haben auch private Spender ihr Scherflein beigetragen. Und überhaupt: Ein Orgel-Neubau kommt nur alle heiligen Zeiten vor. "Eine gut gebaute Orgel kann 250 Jahre alt werden", sagt Wegleiter.
Die Vorfreude ist in Bergheim zu spüren. "Sobald bei den Vorarbeiten ein Ton der neuen Orgel erklungen ist, haben sich sofort Zaungäste eingefunden", sagt Pfarrer Gmachl-Aher. Er rechnet am 15. Oktober mit einem vollen Haus. Wahl hin, Wahl her.

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Aufgerufen am 20.05.2018 um 05:51 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/bergheims-neue-orgel-toent-wie-ein-ferrari-18900979