Kultur

Bob Dylans Lächeln in der Salzburgarena

Eine Musiklegende in der Mozartstadt: Eine Antwortsuche von SN-Kulturredakteur Bernhard Flieher auf die Frage, warum dieser Bob Dylan wieder in Salzburg spielte.

Bob Dylans Lächeln in der Salzburgarena SN/AP
Bob Dylan gastierte am Samstagabend in der Salzburgarena - dieses Bild stammt von einem Konzert im Jänner dieses Jahres in L.A.

Was gibt’s da eigentlich zu lachen, Dylan? Fragt mag sich. Weil er lächelt unentwegt an diesem Abend, der Dylan. Lächeln darf man ja für eine Art zwischenmenschliches Zeichen halten. Aber für solche Zeichen ist Bob Dylan seit geschätzt einem Menschenleben eher nicht bekannt. Der setzt sich - wie kürzlich erst bei der Verleihung des höchsten zivilen Ordens der USA - eine Sonnenbrille gegen jeden Einblick in Gefühlswelten auf. Oder - wie auf der Bühne - einen Hut, der erst an grimmigen Augenbrauen endet. Und bei Konzerten gibt’s außer Songtexten nur verbalen Kontakt, wenn er die Namen seiner Musiker krächzt, Und dieses Mal, am Samstag in der Salzburgarena, gab’s nicht einmal die seit Jahren obligatorische Auftrittsansage. Aber Dylan lächelt. Was also ist passiert?

Zunächst Neues: Dylan, 71 mittlerweile, tauscht die wummernde Heimorgel, hinter der er die vergangenen Jahre tänzelte, gegen einen Flügel. Gitarre spielt er lang schon nicht mehr live. Wer seine Musiker - allen voran Charlie Sexton - hört, muss das auch für gut halten, denn neben so einem kraftvollen Feinmechaniker wie Sexton wäre Dylan nur ein handwerkender Depp.

Sein Spiel auf dem Flügel ähnelt seinem Gesang: keine Reinheit, aber Lebendigkeit. Er schält aus den Melodien kleine Formen. Er spielt auf dem Flügel nicht wirklich, so wie er nicht wirklich singt - jedenfalls nicht in der herkömmlichen Deutung des Begriffs. Dylan donnert und blitzt, kriecht und schlurft durch 17 Songs.

Bei "Don’t Think Twice, It’s All Right", "The Lonesome Death of Hattie Carroll", "Visions of Johanna" oder "Every Grain of Sand" verschwindet er schier in Zurückhaltung, Bei "Ballad of Hollis Brown" oder "High Water (For Charley Patton)" hingegen greift er an, steht mit der Mundharmonika in der Mitte der Bühne, wirkt bei mancher Bewegung wie ein angeberischer Revolverheld. Er tänzelt, swingt, schlägt Furchen in die Songs - egal ob uralte oder neue -, biegt sich wie ein Fragezeichen neben dem Mikrofon. Bei Mundharmonikasoli verrenkt er sich, fuchtelt mit der freien Hand, als wolle er jeden Ton fühlen und gleichzeitig über ihn bestimmen.

Wie sich ein paar Songs später herausstellen wird, leiten das heftige "Thunder on the Mountain" und "Ballad of a Thin Man" ein mächtiges Ende ein. Gespenstisch erzählt Dylan in dieser zum Wutschrei umfunktionierten, hinterhältigen Geschichte von einem Typen, einem Journalisten, Dylan nennt ihn Mr. Jones, der Wahrheiten diktiert bekommen will. Der Song stammt von 1965. Dylan begann sich mit Rockmusik gegen das Image des folkigen Anführers einer Generation und einer neuen Welt aufzulehnen, er begann unterzutauchen. Im Echohall dröhnen die Zeilen 47 Jahre später. Gefährlich wütet der Song. Und in diesem Geist der Überwältigung geht es weiter mit "Like A Rolling Stone" und "All Along The Watchtower". Präzise und vielschichtig gespielt, aber immer laut, gewaltig. Und man konnte wegen der Dringlichkeit, mit der Dylan und Band agieren, vermuten, dass hier einer Welt in Unruhe und Desaster ins Gesicht getreten wird. Und Dylan grinst und vielleicht ist es ja doch so ein sarkastisches "Ich-hab’s-euch-doch-immer-gesagt"-Grinsen?! Nein, ist es nicht.

Wieso also lacht der Mann? Und man ahnt es an diesem Abend mehr als an vielen vorangegangen: Er lacht nicht ins oder fürs Publikum. Er lächelt für sich, weil er zu denen gehört, deren Kunst wächst, wenn sie sich selbst hören können, wenn sie spüren, wie die eigene Stimme und die Band aus den Boxen krachen. Dylan lächelt, weil er sein Werk, dieses Monstrum, kulturhistorisch bis in den letzten Akkord zerlegt, aufgefahren in das Reich höchster Bedeutung, ganz einfach nur daherfahren lässt, es einmal da und morgen schon wieder dort wüten und rumoren lässt - energiegeladen, stürmisch, rockend und rollend.

Und wie am Ende "Blowin’ in the Wind", am Lagerfeuer zu Tode geschrubbte Hymne, daherkommt, luftig und gar nicht bösartig wie in früher Konzerten - ist klar: Bei Dylan wird es nie Antworten geben, Nicht durch Lächeln, nicht durch Grimmigkeit, Es gibt nur einen Satz, den er in "Ballad of a Thin Man" allen drängend Suchenden hinwirft: ". . . something is happening, but you don’t know what it is."

Aufgerufen am 24.09.2018 um 07:22 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/bob-dylans-laecheln-in-der-salzburgarena-5951647

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