Kultur

Dieser Ort ist keine Insel der Seligen

Die große Zauberoper "Alcina" von G. F. Händel in der Kunstuniversität Mozarteum ist auch im Livestream zu erleben.

 SN/universität/schneider
 SN/universität mozarteum/schneider
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Opernproduktionen sind, wo immer sie auch vonstatten gehen, aufwändig. Das ist natürlich auch an Ausbildungsstätten spürbar, in denen das Genre zum Kern des Unterrichtsangebots gehört. Die Kunstuniversität Mozarteum in Salzburg hat in den vergangenen Jahren vor allem durch den souveränen ästhetischen Geschmack des Regisseurs Eike Gramss, der auch aus einfachsten Mitteln wirkungsvolle Abende zu zaubern wusste, profitiert. Die Aufführungen waren szenisch und musikalisch zumeist äußerst qualitätsvoll und brauchten sich hinter "normalen" Vorstellungen etwa eines Landestheaters oft nicht zu verstecken - auch wenn man bedenken muss, dass es sich ja um Kräfte handelt, die erst in der Ausbildung sind.

Nach der Emeritierung der "Altmeister" Gramss und Hermann Keckeis verpflichtete die Universität in der szenischen Leitung der Opernklasse mit Karoline Gruber und Alexander von Pfeil Vertreter mit avancierteren Regiehandschriften - was mitunter in den Ergebnissen nicht ganz friktionsfrei verlief. Man musste, mit anderen Worten, im Sehen durchaus umlernen.

Das neue, eben im Großen Studio am Mirabellplatz herausgekommene Projekt, Händels letzte, große Zauberoper "Alcina", macht da keine Ausnahme. Doch ist Alexander von Pfeils szenische Interpretation, nach "Carmen", "Eugen Onegin" und einem ziemlich verunglückten "Gianni Schicchi", diesmal weitaus schlüssiger und konzentrierter, ohne sich dabei oberflächlich dem konventionell schönen Opernschein hinzugeben.

Seine Zauberinsel, eingerichtet von Anna Brandstätter und Eric Droin, ist ein nach und nach von Erde und Natursymbolen besetzter, von einer unüberwindlichen Mauer begrenzter Raum, der kein Außen zu- oder einlässt und der so auch symbolhaft für die in sich gefangenen Figuren stehen kann. Man darf sich bei den handelnden Personen, ob von Alcina nach ihrem Gusto monströs verwandelt oder nicht, an eine Sekte erinnert fühlen, die auch vor dem Äußersten, Gewalt oder Missbrauch, nicht zurückschreckt.

Die jungen Sängerinnen und Sänger - wir sahen schon die Generalprobe mit der Besetzung der "B-Premiere" - erfüllen auch die vokalen Anforderungen mit erstaunlichem Können und weitgehend stilistisch einfühlsamem Verständnis, wofür auch das lebendige, knackig frische, pointierte und farbige Spiel des Kammerorchester unter Gernot Sahler einen entscheidenden Grund legt.

Die Spielfassung kommt dem Fluss der Darstellung gut entgegen, ohne der einzigartigen (Ver-)Zauberkraft der reifen Händelschen Musik etwas zu nehmen; alle "großen" Stücke der Partitur betören durch feine vokal-instrumentale Ziselierung und starke Energie.

Wie immer ist es schade, dass diese Produktionen, doppelt besetzt, nur in vier Vorstellungen live zu sehen sind. Immerhin gibt es jetzt auch die Möglichkeit, für "Außenstehende" oder Zu-Spät-Informierte via Livestream dabei zu sein; die Vorstellung am 7. Dezember wird ab 19 Uhr übertragen und steht dann online über die Website der Universität Mozarteum weiterhin zur Verfügung. Die bisher aufgezeichneten Produktionen - Mozarts "Nozze di Figaro" und Tschaikowskys "Eugen Onegin" - zeigen, dass sich der Live-Charakter gut vermittelt und die musikalischen Wiedergaben plastischen Eindruck hinterlassen. Die Zugriffe sind, gemessen am speziellen Interesse, durchaus ermutigend. Das Netz kann also durchaus neue Interessenten "einfangen": So haben die Produktionen auch über den Tag und den Abend bleibenden Wert.

Livestream: "Alcina" von G. F. Händel; Produktion der Opernklasse des Kunstuniversität Mozarteum, 7. Dezember 2017, 19 Uhr, auf
www.uni-mozarteum.at. Dort "Live" anklicken (oder, um Früheres seit 2016 aufzurufen, "Streams".

Aufgerufen am 13.12.2017 um 03:47 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/dieser-ort-ist-keine-insel-der-seligen-21410635

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