Kultur

DomQuartier: So frisch riechen 1300 Jahre

"Stricherl" machen im Kalender ist erlaubt. In 30 Tagen öffnen sich 116 Türen. Sie geben den Blick frei auf 2000 Exponate und 1300 Jahren Kunst- und Kulturgeschichte. Vorerst haben noch die Handwerker das Sagen.



Farbe. Tropfnass. Man kann sie weithin riechen. Auf einem aufpolierten Holzboden liegen haufenweise Sägespäne. Und dort, wo sonst respektvolle Stille herrscht und üblicherweise beim Reden geflüstert wird, surren regelmäßig Bohrmaschinen. Geschäftig eilen Handwerker durch Gänge und barocke Prunkräume.

Die SN sahen sich auf der beeindruckendsten Baustelle Salzburgs um, im neuen DomQuartier. Es ist zugleich, wegen der enormen Kunstschätze, auch ein Besuch auf der vermutlich bestgesicherten Baustelle des Landes.

Zum Plaudern bleibt wenig Raum, denn das Staunen darüber, was hier entsteht und wieder zur Einheit wird, ist groß. In der öffentlichen Darstellung war bisher vor allem von einem großen touristischen Wurf die Rede. Dabei garantiert das Projektes primär eines - ein dauerhaftes Geschenk für die Salzburger Bevölkerung. Um 20 Euro kann das DomQuartier ab 16. Mai von den Einheimischen bis Jahresende so oft sie wollen besucht werden.

Bisland nicht gesehene Kunstschätze Einer, der aktuell noch mitten in den "Wogen" der finalen Arbeiten treibt, ist Hermann Aigner vom kirchlichen Bauamt der Erzdiözese.

Der künftige Rundgang leitet durch den Komplex von Residenz und Dom. Die Besucher bewegen sich, Zug um Zug, durch die Prunkräume der Residenz, die Residenzgalerie, das Dommuseum, das Museum St. Peter und die Barocksammlung des Salzburg Museums.

Es gibt zwei Eingänge. Einen in der Residenz. Einen beim Dommuseum. Viel Historie und bislang nicht gesehene, unbezahlbare Kunstschätze treffen unvermittelt auf die Anforderungen der Neuzeit: in Fragen der Sicherheit, in Fragen der Beleuchtung, in Fragen der technischen Ausstattung.

Technik soll sich "sich dem Original unterordnen"Für Baumeister Aigner und die Handwerker heißt das, einen Weg zu finden zwischen der Bereitschaft, die Technik als Teil des Ganzen zu zeigen, oder sie von Fall zu Fall dezent verschwinden zu lassen. Aigner nennt Letztgenanntes "sich dem Original unterordnen".

Die Handwerker, die hier zu Gange sind, lobt er als Fachleute mit "exzellenten Fähigkeiten und einem guten Feeling für die spezielle bauliche Situation".

Die Gunst der Stunde beschert Domorganisten, Sängern und Chören, die auf der Empore stehen, künftig mehr Licht und warme Füße. "Das Podest für den Chor wird künftig beheizt sein." Und eine dezente Lichtinstallation in diesem Bereich in Form eines Sternenhimmels bringt ab sofort Licht auf jedes Notenblatt.

Dom und Residenz bilden das historische Zentrum der Stadt. Aber 200 Jahre lang waren die Durchgänge zwischen dem fürsterzbischöflichen Palast, den Domoratorien, der Kunstkammer und den Gemäldegalerien verschlossen oder vermauert. Mit dem DomQuartier wird die Einheit des Dom- und Residenzkomplexes wiederhergestellt - und das unter Einbeziehung des Benediktinerklosters St. Peter. Denn die Kunstschätze aus St. Peter erhalten erstmals eine ständige Heimstätte im neu adaptierten Museum im Wallistrakt.

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