Kultur

Ein Kinderschreck sucht das Schauspielhaus Salzburg heim

In den USA kennt jedes Kind die Geschichte von Ebenezer Scrooge. Im Schauspielhaus Salzburg ist Charles Dickens' "Weihnachtsgeschichte" als Musical zu erleben.

Ebenezer Scrooge hasst Weihnachten. SN/philipp pontzen
Ebenezer Scrooge hasst Weihnachten.

Kinderschreck. Geizhals. Monster. Viele Beinamen schmücken Ebenezer Scrooge, den Urvater der Weihnachtshasser. "Weihnachten? Humbug!", entfährt es dem mürrischen Geldverleiher. Der Mann vertraut einzig der Zahlenwelt, an sozialer Kompetenz mangelt es ihm.

Charles Dickens' "Christmas Carol" ist im angloamerikanischen Raum einer der großen Klassiker der Kinderliteratur. "In New York wird der Originaltext jedes Jahr zu Weihnachten ausgestellt - als wäre es eine Bibel", erzählt Robert Pienz. Auch wenn Verfilmungen wie "Die Geister, die ich rief" mit Bill Murray als schrillem Yuppie-Scrooge große Kassenschlager wurden, hat sich das Original nicht dauerhaft in unserem Kulturkreis durchgesetzt. Das will der Leiter des Schauspielhauses Salzburg ändern, sieht er doch diese "Parabel voller Gesellschaftskritik und Ironie" gerade in neoliberalen Zeiten als zeitgemäß wie nie: "Das Stück soll eine jährliche Institution werden, welche die Weihnachtsbotschaft auf andere Weise vermittelt."

In kompakten 75 Minuten erzählt Pienz die Geschichte des kinderlosen Geldverleihers, der seinen Mitmenschen das Weihnachtsfest regelmäßig vermiest. Drei Geister suchen das Ekel heim und bereisen mit ihm Weihnachtsfeste früherer Jahre, der Gegenwart und der Zukunft. Ebenezer Scrooge wird dabei klar, wohin ihn Geldgier und Arbeitswut gebracht haben: Seine Frau hat ihn verlassen, sein Neffe stellt ihn in dessen eigenen vier Wänden als Monster dar und sein Sekretär kann nicht einmal die Arztkosten für seinen verkrüppelten Sohn bezahlen.

Fabio Buccafusco hat dazu die Musik geschrieben, die per Computerprogramm mit echten Instrumenten in ein Orchester verwandelt wird. "Das Programm wird auch in Hollywood verwendet", sagt Pienz. Ein hoher musikalischer Aufwand also, der für die Neuproduktion zum Einsatz kommt. Bei einem Probenbesuch am Donnerstag - Premiere ist kommenden Sonntag - wirkte der volle Orchesterklang beeindruckend, der den Schauspielern auch Gesangsfähigkeiten abverlangt. Das Ensemble - neben Olaf Salzer als Ebenezer Scrooge spielen Wolfgang Kandler, Bina Blumencron, Johannes Hoffmann und Larissa Enzi - wechselt dabei rasant die Rollen.

Das Übersinnliche des Geisterreigens wird dabei auch mitunter düster dargestellt, doch bei einer Altersempfehlung ab acht Jahren dürfte es keine Bedenken für einen Familienbesuch geben. Das bestätigt auch der vierfache Vater Robert Pienz: "Es schadet nicht, den Kindern früh zu zeigen, wohin Egodenken führt." Und die Schocktherapie - so viel darf verraten werden - zeigt bei Ebenezer Scrooge Wirkung. Es besteht also noch Hoffnung.

Musical: "Eine Weihnachtsgeschichte" nach Charles Dickens. Schauspielhaus Salzburg, Premiere: 24. November, 16 Uhr.

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