Kultur

Ein mutiger Theatermacher feiert in seinem Wohnzimmer

Seit 10 Jahren bereichert Alexander Linse mit seinem Off-Theater die Salzburger Theaterszene. Die neue Saison startet mit Peter Turrini, einem Trash-Musical und "Obersalzberg".

Alexander Linse spielt Turrini. SN/off-theater
Alexander Linse spielt Turrini.

In diesem Theaterhaus packt jeder mit an. Schauspieler Thomas Pfertner reinigt kurz vor Saisonstart noch den Kühlschrank. Alexander Linse fühlt sich seit den Bauarbeiten für das Salzburger Off-Theater als veritabler Handwerker: "Wir haben fast alle Handgriffe selbst gemacht, Stahlstränge aufgehängt und die Tür selbst eingesetzt", erzählt der Theaterleiter über sein "Wohnzimmer".

Seit 2017 beherbergt das Haus in Salzburg-Gnigl die Theater-Offensive, die heuer ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Die Landestheater-Schauspieler Alexander Linse, Detlef Trippel und Anja Clementi machten sich nach einem Intendanten-Wechsel 2009 notgedrungen selbstständig. Ihre Produktionen zeigten sie an wechselnden Schauplätzen - mit dem Risiko einer freien Truppe.

"Die ersten Jahre waren optimal", erinnert sich Linse. Mit Musicals wie "Taxi Taxi" und "Take Off" habe man ein Publikum angezogen, das eine Alternative zum Landestheater und Schauspielhaus gesucht habe. Heute gilt das Off-Theater als Spielstätte für Uraufführungen und biographische Stücke über Künstler wie Hedy Lamarr oder Walt Disney. Manche der Stücke seien erst während der Proben entstanden, sagt der Theatermacher.

Nach diversen Aufs und Abs zählt das Off-Theater heute 200 Abonnenten. "Wir haben ein Stammpublikum, dem egal ist, was wir spielen, weil sie sehen wollen, wie wir es spielen." Auch ungebetene Gäste suchten das Haus heim. Im Juli 2017 wurde der Safe aufgebrochen, die Täter erbeuteten rund 10.000 Euro. "Ich bin dadurch cooler geworden und rege mich nicht mehr über jede brennende Stromleitung auf", sagt Linse.

Zum Start der Jubiläumssaison zeigt das Off-Theater "Die Eröffnung" von Peter Turrini. Dass der gebürtige Hannoveraner einen österreichischen Dramatiker ausgewählt habe, liege am Stück: "Mit Nestroy etwa kann ich als ,Piefke' nichts anfangen." Auf Turrinis Liebeserklärung ans Theater folgt "Beatles on Board", laut Alexander Linse ein Trash-Musical. Woher kommt die Liebe zu diesem Genre? "Ich habe schon als Jugendlicher Musicals gespielt und besitze ein Faible für abseitigere Stücke des Genres."

2020 zeigt der Theatermacher ein dezidiertes Wunschstück: "Obersalzberg" von Rudolf Zollner. Der Zuseher dieser Farce werde sich fragen: "Darf ich darüber lachen?" Diese Ambivalenz gefällt Alexander Linse sichtlich.

Theater: "Die Eröffnung" von Peter Turrini. Salzburg, Off-Theater, nächste Termine: 25., 31.10., 6.11.

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