Kultur

Ein neuer Fahrplan für die Kultur und viele Fragen

2017 will das Land Salzburg neue Kulturweichen stellen: In der ARGEkultur diskutierten Experten über Chancen und Risiken.

"Lang haben wir auf die Möglichkeit der kulturpolitischen Partizipation gewartet, jetzt ist der Moment da", sagte Markus Grüner-Musil. Als Intendant der ARGEkultur und Vertreter des Salzburger Landeskulturbeirats saß er am Dienstagabend auf dem Podium. Eine fünfköpfige Expertenrunde diskutierte über den Kulturentwicklungsplan (KEP) des Landes Salzburg. Bis Ende 2017 soll der Plan für künftige kulturelle Weichenstellungen im Land stehen. Derzeit ist eine Bestandsaufnahme im Gange, die das Analyseinstitut LIqua aus Linz durchführt. Die Stadt Salzburg verfügt über einen vergleichbaren Empfehlungskatalog, auf Landesebene gab es ihn bisher noch nicht. Salzburg ist nach Oberösterreich das zweite Bundesland, das nun einen Kulturentwicklungsplan umsetzt. "Schon der Inventurprozess durch Gespräche und Workshops wird eine verbesserte regionale Vernetzung von Kulturschaffenden nach sich ziehen", sagte Thomas Philipp von LIqua zuversichtlich. Eine dringend nötige strukturelle Verbesserung innerhalb der Kommunen sei nur mit Druck seitens der Landesregierung zu erwirken, stellte Grüner-Musil fest. "Das Land muss Druck auf die Bürgermeister machen, sonst bewegt sich nichts." Bessere Koordination und Rückgriff auf Synergien werde sich dabei von allen Seiten erhofft. Vor allem auch die freie Szene sieht eine Chance, in repräsentativen Volksbauten vermehrt Zeitgenössisches einziehen zu lassen. Im ländlichen Bereich habe diese noch eine marginale Bedeutung, so lautete Grundtenor der Runde. "Die Verteilungsungerechtigkeit ist nichts Neues", sagte Monika Mokre von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Transparenz im Hinblick auf Probleme sei während des Erstellungsprozesses essenziell. "Es ist wichtig, dass man nicht nur verkauft, was man tut", mahnte die Expertin. Dass vor allem ein Einbeziehen und kritisches Hinterfragen großer Institutionen unumgänglich sei, dessen sind sich die Sprachrohre der freien Szene sicher. "Budgetäre Big Player wie die Festspiele und das Mozarteum müssen mitmachen", sagte Grüner-Musil. Von den genannten Institutionen war jedoch, obwohl laut Veranstalter (Dachverband der Salzburger Kulturstätten und W & K Forum) geladen, kein Vertreter im Publikum. Musikum-Direktor Michael Seywald forderte indes eine massive Miteinbeziehung der jungen Generation durch Bildungsinstitutionen. Hermann Seidl von der Galerie Fotohof forderte: "Der KEP sollte ein geistiges Schutzschild im Falle wechselnder Regierungskonstellationen werden." Wie weit die Rauchzeichen in die Provinz vordringen und ob sich tatsächlich ein profunder Klimawandel einstellt, bleibt abzuwarten, mitverfolgen und kommentieren kann die Öffentlichkeit den Prozess online unter: www.kep-land-salzburg.at

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