Kultur

Ein Zen-Meister an der Violine beflügelt den Geist

Stargeiger Vadim Repin zeigt derzeit im Abo-Zyklus der Salzburger Kulturvereinigung sein Können. Am Mittwoch standen Arvo Pärt und Sergej Prokofjew im Großen Festspielhaus am Programm. Dirigent Kazuki Yamada und das Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo erwiesen sich als aktiver musikalischer Partner und setzten danach in Tschaikowskys "Vierter" starke Akzente.

Dirigent Kazuki Yamada und der Violinvirtuose Vadim Repin ließen sich feiern. SN/salzburger kulturvereinigung/franz neumayr
Dirigent Kazuki Yamada und der Violinvirtuose Vadim Repin ließen sich feiern.

Nach vollendetem Tagwerk sehnt sich der moderne Mensch nach Entspannung. Yoga, Gymnastik oder Meditation sollen den Körper ins Bewusstsein rufen und den Geist befreien. Im Großen Festspielhaus gibt Violinvirtuose Vadim Repin den Zen-Meister, der sich in aller - äußerlicher - Seelenruhe in Arvo Pärts rasende Solo-Arpeggien versenkt. Wie dieser große Komponist unserer Zeit in seinem Werk "Fratres" aus diesem schwirrenden Solo heraus einen hypnotischen Streichorchester-Loop in Gang setzt, raubt und beruhigt gleichermaßen den Atem.

Auf diesen Gedankenflug folgte im Abo-Konzert des Kulturvereinigungs-Zyklus am Mittwoch Handfesteres: Sergej Prokofjews Violinkonzert Nr. 2, op. 63, drängt stets nach vorne, schlägt aber dabei originelle Haken. Dem Solisten lässt Prokofjew - im Gegensatz zu den großen, symphonischen angelegten Konzerten der Romantik - kaum Zeit zum Durchatmen. Vadim Repin scheint das nicht weiter zu stören, er arbeitet sich elegant durch die Doppelgriff-Ketten und heikelste Kantilenen. Repins Ton weicht dabei oftmals leicht von der Intonations-Ideallinie ab, ist aber Ergebnis einer offensiven, riskanten Spielweise.

Vor allem in den pulsierenden Ecksätzen des Prokofjew-Konzerts erweisen sich Dirigent Kazuki Yamada und das Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo als spielfreudiger musikalischer Partner - ein Eindruck, der sich im zweiten Teil dieses russischen Konzertprogramms verfestigt. Die Symphonie Nr. 4 von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky ist - wie so vieles aus der Feder dieses genialen Melodikers - großes Drama. Die Blechbläser des Orchesters gestalten den Beginn mit enormer Durchschlagskraft. Dirigent Yamada scheint im Kopfsatz den Fokus auf die Dramatik zu legen, in den lyrischen Passagen jedoch mangelt es vorerst an der Feinabstimmung zwischen den solistischen Holzbläsern und dem restlichen Orchester.

Das ändert sich im Andantino, als sich - vom bewegenden Oboen-Thema ausgehend - der Orchesterklang immer runder und feingliedriger gestaltet. Die filigranen Streicher-Pizzicati im Scherzo formen die Gäste aus Monte-Carlo in wunderbar plastischen Bögen, ehe der japanische Dirigent im Finale regelrecht zum Vulkan avanciert und das Orchester leidenschaftlich mitreißt. Zielgerichtete Interpretation nennt man das wohl.

Große Begeisterung im Großen Festspielhaus, das Publikum erklatschte sich eine kurze Zugabe aus Tschaikowskys "Nussknacker-Suite" und eine Rarität von Vaja Azarashvili.

Am Donnerstagabend präsentieren sich Solist und Orchester mit identem Programm, am Freitag folgen Bruchs berühmtes Violinkonzert Nr. 1, Arvo Pärts "Tabula Rasa" und Brahms'"Zweite".

Konzert: Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, Kazuki Yamada. Solist: Vadim Repin. Abo-Zyklus der Salzburger Kulturvereinigung, Großes Festspielhaus, 18. und 19. Oktober, jeweils 19.30 Uhr.

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