Eine virtuose Aushilfslehrerin begeistert die "Ursulinen"

Wie halten Sie es mit YouTube, Frau Rinderle? Diese und andere Gretchenfragen hatte die deutsche Pianistin Julia Rinderle am Donnerstag von mehr als 100 Schülern in Salzburg-Aigen zu beantworten. Die 27-Jährige gab im Rahmen des "Rhapsody in School"-Projekts eine Musik-Doppelstunde mit Mehrwert.

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Julia Rinderle mit Schülern des Gymnasiums St. Ursula
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Julia Rinderle im Duett mit Ursulinen-Musiklehrer Oliver Kraft
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Die 27-Jährige zieht die Schüler in ihren Bann.
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Die deutsche Pianistin spielte unter anderem Werke von Schubert und Liszt.

Der Musiksaal ist brechend voll. Es ist aber auch nicht irgendwer, der sich für den Musikunterricht angesagt hat. Julia Rinderle, aufstrebende Pianistin von internationalem Renommee, hält eine Unterrichtsstunde im Gymnasium St. Ursula an der Stadtgrenze zu Salzburg.

Die Dame legt mächtig los: Scherzo und Finale aus Franz Schuberts "Wanderer-Fantasie" D 760. Der Schul-Flügel, wie so oft Marke "Kawai", hat wohl selten solche Anschlagsdynamik und Wucht in Klang zu übersetzen.

Die Schülerinnen? Gebannt. Hochkonzentriert. Hier sitzen Kennerinnen. Julia Rinderle stellt die Gretchenfrage "Weiß wer, was eine Fuge ist?" und erhält eine Antwort, die man so auch durchaus drucken könnte.

Keine Frage, "Rhapsody in School" ist hier bei den Ursulinen am richtigen Platz. Seit Pianist Lars Vogt dieses Projekt 2005 ins Leben gerufen hat, strömen namhafte Künstler in ausgewählte Schulen im ganzen deutschsprachigen Raum. 30.000 Schüler kamen in den Genuss dieses Promi-Musikunterrichts, die Ursulinen bereits zum dritten Mal. Musikprofessor Oliver Kraft hat seine Schüler jedenfalls perfekt auf den Gast eingestellt, die Fragerunde zu Beginn hat durchaus hohes Niveau. Wie lange sie denn pro Tag so übe? "Vier bis sechs Stunden." Aber auch, was sie denn von YouTube-Videos halte. Keine schlechte Frage, denn nicht nur Kinder informieren sich heutzutage über Künstler anhand von Konzertmitschnitten oder Promo-Videos. "YouTube-Videos sind heutzutage notwendig. Die Konzertveranstalter verlangen danach", sagt Julia Rinderle.

Natürlich dürfen die Schüler auch ihre pianistischen Höhenflüge per Smartphone mitfilmen, jedoch nicht hochladen. Die 27-Jährige will noch die Kontrolle über die Flut an viralen Dokumentationen ihres Spiels behalten. Das ist verständlich.

Andererseits gilt es ja auch Publikum von morgen zu begeistern. "Leider gehen immer mehr weniger Menschen in Konzerte", sagt Rinderle auf die Frage nach einem "Plan B" für Musiker. Dann beginnt sie selbst zu fragen. Wer denn ein Instrument spiele (viele Arme gehen hoch), wer denn ins Konzert gehe (deutlich weniger, aber doch einige). Für regelmäßige Konzertbesuche der "Ursulinen" sorgt denn auch Professor Oliver Kraft, ein Musikvermittler im besten Sinne. Er steigt denn auch an der Querflöte in ein Arrangement von César Francks A-Dur-Violinsonate ein. Die Schüler empfinden die Musik als "friedlich". Bei Franz Liszt hochvirtuoser Transkription des Schubert-Liedes "Auf dem Wasser zu singen" wird es manchen dann doch zu viel ob der geballten Noten. Julia Rinderle rezitiert den Original-Text, ein Gedicht von Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg. Die Schüler beginnen zu verstehen.

In der Pause zeigt sich Julia Rinderle begeistert: "Die Schüler sind so aufmerksam." Dem kann man nur beipflichten. Weder Handyklingeln noch Schwätzen stört diese Musikstunde. Zum Außergewöhnlichen dieser Musikstunde hat nicht zuletzt auch das Auditorium beigetragen.

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