Kultur

Er spielt Cello wie Roger Federer Tennis

Das Konzert der Brüsseler Philharmoniker am Mittwoch im Großen Festspielhaus prägten zwei außergewöhnliche Künstler: der souveräne Solist Gautier Capucon und der äußerst energische Dirigent Stéphane Denève.

Gautier Capucon (hier im Archivbild) begeisterte im Großen Festspielhaus. SN/klaus rudolph
Gautier Capucon (hier im Archivbild) begeisterte im Großen Festspielhaus.

Eigentlich ist das Konzert schon vorbei. Doch Dirigent Stéphane Denève ist noch so elektrisiert, dass er beim Verlassen der Bühne die Besucher in den ersten Reihen animiert. Die Erweckung des Enthusiasmus im Kulturvereinigungs-Publikum fügt sich wunderbar in jene der Orchestermusiker aus Belgien zuvor.
Die Brüsseler Philharmoniker gastieren bis Freitag drei Abende lang im Großen Festspielhaus. Am Mittwoch legte sich das Orchester die Latte hoch: Keine der großen Symphonien, sondern Bravour-Stücke aus Hoch- und Spätromantik stand auf dem Programm. In dieser Tradition befindet sich das effektvolle Startstück "Maslenitza" von Guillaume Connesson, der - als Jahrgang 1970! - komponiert, als habe er neben Dmitri Schostakowitsch die Schulbank gedrückt. Trotz aller metrischen Verschiebungen, rhythmischer Effekte und herben Spitzen bleibt das Werk seltsam rückwärtsgewandt.
Gleich zwei Ballettsuiten en suite erlebt man im Konzertsaal nur selten. Hier machen sie Sinn, als abwechslungsreiche symphonische Szenenfolge. Zunächst die "Cinderella"-Suite von Sergej Prokowjew, der man die naiv-volksnahe Färbung aus der dunklen Zeit des Stalinismus anhört. Vor allem aber ist Prokowjew ein linear-vorwärtsdrängendes Werk gelungen, das die Geschichte vom "Aschenputtel" bis zum Showdown zu Mitternacht steigert. Die Interpretation gewinnt mit Fortdauer des Werks an Kontur, mit viel Sinn für Dynamik und Klangfarbenmischungen leitet Denève sein Orchester durch die Komposition, deren Stimmungen im Minutentakt wechseln.
Vor allem der klangsinnliche Aspekt gewinnt in Igor Strawinskys "Feuervogel"-Suite Nr. 2 noch an Bedeutung. Der französische Dirigent und sein belgisches Orchester hüllen den Klassiker in duftendes Parfum, zeichnen vor allem die spätromantische Klangsüße aus diesem Klassiker der Frühmoderne heraus. Hier ergibt sich das Bild eines Klangkörpers, das - ohne die äußerste Präzision und Brillanz der Top-Orchester zu erreichen - eine hohe Ausgewogenheit durch alle Instrumentengruppen besitzt. Und einen Dirigenten, der hörbar an Details und Schattierungen feilt.
Zum Ereignis gerät im ersten Konzertteil die Wiedergabe des Cellokonzerts von Édouard Lalo. Weniger des Orchesters wegen, das hier kein gleichwertiger Partner sein kann. Es ist Gautier Capucon, der die Kunst des Cellospiels zur Vollendung bringt. Mit der Mühelosigkeit eines Roger Federer bringt er das hochvirtuose Stück zu Gehör, sein Ton besitzt Brillanz und Kantabilität. Wie er im Kopfsatz die Melodielinie mit feinen Abtönungen immer wieder neu formt, wie er im Intermezzo seine ungewöhnliche Phrasierung an der Stegkante umsetzt: exemplarisch.
Als Zugabe wählt Capucon kein reines Solo-Stück, sondern den "Schwan" aus Camille Saint-Säens "Karneval der Tiere": Ein hauchzarter Dialog mit Harfe und Teilen des Orchesters. Auch Denève entscheidet sich nach Ende des zweiten Konzertteils für ein Stück aus seiner Heimat: Die "Farandole" aus Georges Bizets "L'Arlesienne"-Suite beendete den Konzertabend stimmig in gewissermaßen frankophonem Tonfall.

Am Donnerstag und Freitag sind die Brüsseler Philharmoniker mit einem weiteren phänomenalen Solisten zu erleben: Lars Vogt interpretiert Edvard Griegs Klavierkonzert.

Quelle: SN

Aufgerufen am 23.09.2018 um 10:29 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/er-spielt-cello-wie-roger-federer-tennis-20567158

Karusell

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Lange Wartezeiten erlauben auch das wunderschöne Karusell im Abendlicht bewundernd, anzusehen bevor man abhebt. Danke, dass es jedes Jahr noch so jung dasteht wie vor 35 Jahren????????

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Tobias Marie und Simon hatten sichtlich großen Spaß bei den Seifenblasen

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