Kultur

"Feinsinnige Dame und g'scheite Frau"

Nora Watteck war eine begnadete Erzählerin. Ihre "Wunderkammer" ist seit 2021 in Leogang.

Nora Watteck zu ihrem 90. Geburtstag im Jahr 1991.  SN/regiowiki.at/marina c. watteck/
Nora Watteck zu ihrem 90. Geburtstag im Jahr 1991.

Fragt man Fritz Schwärz nach Nora Watteck, quillt aus ihm ungetrübte Begeisterung. Der Moderator vieler Sendungen von ORF Salzburg sowie Volkskultur-Veranstaltungen hat die Heimatforscherin und Volkskundlerin oft auf dem Mönchsberg besucht. Für die ORF-Sendung "Salzburger erzählen aus der Geschichte" sei er bei Nora Watteck "besonders fündig geworden", erzählt Fritz Schwärz. "Sie war ein reger Geist." Viele Beiträge habe er bei ihr zu Hause aufgenommen, einige Male sei sie dafür ins Funkhaus gekommen.

"Sie war eine große Erzählerin mit unglaublichem Wissen", versichert Fritz Schwärz. "Sie hat einen leisen, hintergründigen Humor gehabt, sie war bezaubernd!"

Vor allem zwei Erzählungen sind ihm in Erinnerung: "Wie sie 1932 oben auf dem Dürrnberg die Schnabelkanne ausgegraben hat, das war eine Sternstunde für sie." Nora Watteck war da Mitarbeiterin von Olivier Klose, Archäologe und Kurator der Antikenabteilung im Museum Carolino Augusteum (heute Salzburg Museum). Sie habe die keltische Kanne mit eigenen Händen aus der Erde geholt, berichtet Fritz Schwärz.

Die zweite ihm unvergessliche Schilderung ist jene vom Spumberg am Schlenken. Der Historikerin Friederike Zaisberger zufolge wurde Nora Wattecks Ehemann, der Jurist Wilfried von Watteck, seit 1913 Beamter beim Land Salzburg und zeitweise Bezirksobmann im Tennengau, 1942 wegen NS-kritischer Äußerungen seiner Frau aus dem Landesdienst entlassen.

Danach habe das Ehepaar mit den Kindern Erentrudis und Arno das Bauerngut Zillreith am Schlenken übernommen, erzählt Fritz Schwärz. Nach dem Tod ihres Mannes 1946 habe Nora Watteck allein mit den zwei Kindern die Landwirtschaft geführt. "In mehreren Sendungen hat sie von der harten Arbeit am Spumberg erzählt: Alles wurde händisch gemacht, mit nur einem Ochsen haben sie alles bearbeitet, Erdäpfel angebaut und allein von dem gelebt, was sie aus dem Boden heraus- und von den Bäumen heruntergeholt haben."

Danach sei Nora Watteck in ein Bauernhaus auf dem Mönchsberg "in der Nähe vom Café Winkler" (heute Museum der Moderne) gezogen, erzählt Fritz Schwärz. "Es war ohne Wasser- und Stromleitungen." Im Haus habe es nur Kerzen und Petroleumlampen gegeben, das Wasser habe sie vom Leierbrunnen vor dem Haus geholt. Und doch: "Es war spartanisch, aber wunderschön."

"Da sind wir gesessen, und sie hat erzählt und erzählt." Kredenzt habe sie selbst gemachten Kräutertee oder ein Glas Wein. "Sie hat auch Brot gebacken." Bis ins hohe Alter habe sie im Haus "alles selber gemacht", sagt Fritz Schwärz. "Sie war handwerklich geschickt und arbeitsam bis zum Gehtnichtmehr - ein unbändiger Wille, Fleiß und so eine g'scheite Frau!" Zudem habe ihn beeindruckt, dass Nora Watteck "ihre Meinung immer offen kundgetan hat". Sie sei "eine feinsinnige, noble Dame gewesen, immer gepflegt, einfach schön. Du hast automatisch den Hut 'zogen, wenn'st sie g'sehen hast - eine so liebenswerte Persönlichkeit!"

Die Liebe zu Kunsthandwerk und Volkskunst habe Nora Watteck unter anderem über ihren Salzburger Großvater mitbekommen, den Antiquitätenhändler Wenzel Swatek, den übrigens dessen Bekannter Arthur Schnitzler in "Das weite Land" erwähnt. Wenzel Swatek hatte nach Vorbild der fürstlichen Kunst- und Wunderkammern der Renaissance zu sammeln begonnen.

Erst übernahm und ergänzte Nora Watteck die Wunderkammer aus der großelterlichen Wohnung in der Brodgasse, dann hegte diese ihr Sohn Arno Watteck. Dieser hat als Freund Hermann Mayrhofers dieses Kleinod der Volkskultur 2021 dem Bergbau- und Gotikmuseum Leogang überlassen, wo es gegen Voranmeldung zu besichtigen ist.

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