Kultur

Festspiel-Matinee: Pereira legt den Finger in die Wunde

Der Festspielintendant fordert Anhebung der Subventionen: "Auf Sponsorensuche bin ich eine ,lame duck‘".

Was ist eine "lame duck"? Man bezeichnet damit einen amerikanischen Präsidenten, der nicht mehr lang im Amt ist und sich auch keiner Wiederwahl mehr stellt. Er gilt in dieser Zeit vor allem innenpolitisch als nur noch begrenzt handlungsfähig. Am Sonntag bei der Festspielmatinee der "Salzburger Nachrichten" nennt sich Intendant Alexander Pereira eine solche "lame duck", begrenzt diese Selbsteinschätzung allerdings auf das Thema Sponsorensuche. Viele seiner Gesprächspartner meinten zu ihm: "Du liegst mir jedes Jahr in den Ohren. Und jetzt bist du ohnehin bald weg aus Salzburg. Also lass mich in Ruhe." "Habe Stein losgetreten" Das Finden von Geldgebern wird für die Festspielführung mit Pereira und Präsidentin Helga Rabl-Stadler schwieriger. "Der absurde Anfütterungsparagraf" tue das Seinige dazu. Der mit 1. September nach Mailand abziehende Intendant sieht neben künstlerischen Themen vor allem ein Vermächtnis in Salzburg: "Ich habe den Finger in die Wunde der öffentlichen Finanzierung gelegt. Vielleicht zu oft. Aber ich habe damit einen Stein losgetreten."

Helga Rabl-Stadler, die in den nächsten zwei Jahren die Salzburger Festspiele gemeinsam mit Sven-Eric Bechtolf leiten wird, findet es geradezu grotesk, dass seit 1998 die Subventionen für die Festspiele nicht mehr erhöht wurden. Die jetzt zugesagte Anpassung reiche nicht aus, um die Steigerung der Gehälter in zwei Jahren noch zu egalisieren. Investition statt Subvention Pereira wehrt sich gegen den Begriff Subvention. "Ich spreche lieber von Kredit. Oder Investition. Nicht Subvention." Der Staat gebe den Festspielen Geld (derzeit 13,5 Millionen Euro pro Jahr), das er innerhalb eines Geschäftsjahrs "mit Wucherzinsen" in Form von allerlei Steuern wieder hereinbekomme. Man dürfe daher "nicht die Kuh, die man melken will, nicht mehr füttern", sagt Pereira. Die Präsidentin assistiert: "In der Kunst geht es nicht ohne Geld, wenn man Qualität bieten möchte." Und Salzburg habe sich der Qualität verschrieben. Rabl-Stadler zitierte das Motto der Salzburger Festspiele nach ihrer Gründung: "Oper und Theater, von beiden das Höchste." Ohne weitere Erhöhungen "des Kredits" werde es in Zukunft nicht gehen. Auch wenn der bevorstehende Festspielsommer Gutes verheiße. Rabl-Stadler: "Der Kartenverkauf gibt zu den schönsten Hoffnungen Anlass."

Bereits erfüllt haben sich die Hoffnungen Alexander Pereiras auf eine Versöhnung mit Franz Welser-Möst. Der Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper war viele Jahre an der Oper Zürich Pereiras Lieblingsdirigent. In Salzburg kam es aber zum Krach. Der Maestro sagte das Dirigat des gesamten Da-Ponte-Zyklus ab. Katastrophale Organisation, zu dichte Terminwahl, weder für die Musiker noch für die Sängerinnen und Sänger zumutbar, so das Urteil von Welser-Möst. Welser-Möst dirigiert "Rosenkavalier" Heuer, ein Jahr später, scheint alles bestens. "Es war ein liebevoller Wink des Schicksals", der ihn und Welser-Möst wieder zusammenführe. Zubin Mehta habe das Dirigat des "Rosenkavalier" absagen müssen. Pereira ist traurig. "Ich war gegen 23 Uhr mit dem Auto vom Flughafen München nach Salzburg unterwegs. Da dachte ich an Franz Welser-Möst. Bei ihm liegt der ,Rosenkavalier‘ in besten Händen. Es ist sein Leib-und-Magen-Stück. Er hat es in Zürich oft dirigiert. Das habe ich in schönster Erinnerung." Es folgt ein Anruf, der Dirigent sagt überraschend zu: "Mit größter Freude." Für Alexander Pereira ein "wunderschöner Moment". Auch in den besten Partnerschaften gebe es ab und zu Probleme. "Da ist dann ein Stein oder gar ein Felsbrocken, den man wegräumen muss. Wenn es notwendig ist, muss man den Bagger holen und man muss Helfer haben." Aber hier habe das Schicksal gütig zugeschlagen.

Einer der Höhepunkte der am kommenden Wochenende startenden Salzburger Festspiele ist für Alexander Pereira der "Rosenkavalier" von Richard Strauss in der Inszenierung von Harry Kupfer. "Eine absolute Sensation." Vor allem der erst 38-jährige Günther Groissböck als Ochs auf Lerchenau werde einschlagen. Helga Rabl-Stadler weist ihrerseits auf die Liederabende mit Thomas Hampson und Diana Damrau sowie auf das Philharmoniker-Konzert mit Gustavo Dudamel als Dirigent hin. Auf dem Programm steht unter anderem "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss. Musikalischer Vorgeschmack Einen musikalischen Vorgeschmack auf die Salzburger Festspiele bekommen die Besucher der Festpielmatinee. Die Mezzosopranistin Anaïk Morel und der Tenor Fréderic Antoun (Klavier Alphonse Cemin) liefern erste Kostproben aus der Oper "Charlotte Salomon", die Marc-André Dalbavie im Auftrag der Salzburger Festspiele komponiert hat. Die 200 Besucher werden Zeugen einer kleinen Uraufführung noch vor der Uraufführung.

Ein Glanzpunkt im Schauspiel sollen "Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus werden, der einst spöttisch in Richtung Salzburger Festspiele gemeint hatte: "Ehre sei Gott in der Höhe der Preise." Dazu Pereira: "Heute hätte er nichts dagegen, in Salzburg gespielt zu werden."

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.10.2018 um 05:12 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/festspiel-matinee-pereira-legt-den-finger-in-die-wunde-3387037

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