Kultur

Festspiele: Irina Brook macht Peer Gynt zum Rockstar

Irina Brook, Tochter des Theaterregisseurs Peter Brook, inszeniert mit einem internationalen Ensemble Ibsen auf Englisch. Die Premiere des Stücks, für das Iggy Pop einen Song geschrieben hat, findet am 20. Juli in Hallein statt.

Festspiele: Irina Brook macht Peer Gynt zum Rockstar SN/EPA
Iggy Pop schrieb ein Lied für „Peer Gynt“, das am 30. Juli in Hallein Premiere feiert.

Ein herrlicher Sommertag in Hallein. In den ehemaligen Salinenhallen auf der Perner Insel wird "Peer Gynt" geprobt. Die Mittagspause findet eine dreiviertel Stunde später als vorgesehen statt. "Es ist ein wunderbares Ensemble", schwärmt Irina Brook. "Niemand schaut auf die Uhr." Von Salzburger Festspielhektik ist hier nichts zu spüren. "Ich will hier überhaupt nicht mehr weg", erklärt die Regisseurin lächelnd. "Wir haben totale Unterstützung und gleichzeitig totale Freiheit. Niemand will etwas von uns, wir können tun, was wir wollen. Hier ist es 100 Prozent perfekt - das reine Paradies." Die Stunde der Wahrheit schlägt erst bei der Premiere am 30. Juli.

Bei den Salzburger Festspielen war die 48-Jährige noch nie. "Aber ich habe im Internet gesehen, was alles geboten wird. Wow! Am liebsten würde ich mir ja alles ansehen." Vorläufig ist sie aber damit beschäftigt, "nicht in die Falle zu gehen und mir zu denken: Ich brauche eine große Salzburg-Show, große Oper!" Dafür wäre sie nicht die Richtige: "Was ist die Raison d'etre des Theaters? Aus nichts etwas zu machen! Wir müssen nur schauen, wie wir dieses Nichts ästhetisch ansprechend und reizvoll machen können. Alles ist Vorstellung und Einbildungskraft. Dafür ist ja 'Peer Gynt' das ideale Stück: Er lebt ja total in seiner Vorstellungswelt. Nichts ist real."

Zwei Jahre arbeitet die in Paris geborene Tochter des großen Regisseurs und Theatertheoretikers Peter Brook und der Schauspielerin Natasha Parry schon an der Produktion, "länger als ich je an einem Projekt gearbeitet habe". Nach einem Workshop in Paris ist sie seit Anfang Juni hier. Ihr bunt zusammengewürfeltes, internationales Ensemble sei äußerst diszipliniert, erzählt sie im APA-Interview, "niemand versucht, eine andere Richtung einzuschlagen". Ob sie schon weiß, wo sie ankommen wird? "Nein. Es ist wichtig, das nicht zu wissen. Wenn ich das jetzt schon wüsste, müsste ich nicht mehr probieren. Alles ist eine Entdeckung, und selbst, wenn ich einen falschen Weg einschlage, bringt mich das weiter. Aber wir haben einen starken Rahmen, eine starke Form, die uns hält."

Die liefert etwa Sam Shepard. Der prominente US-Dramatiker hat für Irina Brook zwölf Monologe ins Englische übersetzt. Den Rest des Textes hat sie selbst geschrieben, "eine interessante Erfahrung, die mich mehr auf Augenhöhe mit dem Rest des Teams bringt". Schließlich scheue sie sich nicht, eine Szene, an der sie Wochen geschrieben habe, nach dem Ausprobieren wieder zu verwerfen. "Es ist eine ziemliche Freestyle-Arbeit, aber das Stück ist auch ziemlich Freestyle. Ibsen gibt einem dabei genauso viel Freiheit wie Shakespeare."

Doch mindestens genauso wichtig wie der Text ist diesmal die Musik. "Es ist eine sehr musikalische Gruppe. Erstmals habe ich darauf Wert gelegt, dass es nicht Schauspieler sind, die auch ein paar Instrumente beherrschen, sondern fast eher Musiker, die auch spielen können." Zu hören wird es "die ganze musikalische Bandbreite" geben, von Country und Folk, bis hin zu Jazz- und Klassik-Anklängen. Im Zentrum steht jedoch ein Rocksong, den niemand Geringerer als Iggy Pop für sie geschrieben hat. "Als ich 'Peer Gynt' zu lesen begonnen habe, habe ich bald an einen Rock-Superstar gedacht, der ganz egoistisch nur an sich selbst denkt. Da sind die 1980er vor mir aufgetaucht, als ich 18, 20 war und in New York gelebt habe."

Allmählich offenbart die sanftmütige Regisseurin ein wilderes Vorleben, als man ihr zunächst zugetraut hätte. "Nein, nein, ich war ganz und gar kein Rock-Groupie, sondern ein schüchternes, englisches Mädchen, das gerne Männerkleider in Übergröße trug. Aber ich war tatsächlich für ein paar Monate Teil der Rockszene. Und so habe ich damals zufällig Iggy Pop kennengelernt", erinnert sie sich. Selbst gesungen habe sie allerdings nie. "Ich war zu schüchtern, um auf der Bühne auch nur einen Ton rauszulassen. Heute bedauere ich das ein wenig", sagt sie und lächelt. "Iggy Pop wäre sicher ein toller Peer." Im Isländer Ingvar E. Sigurdsson habe sie allerdings vollwertigen Ersatz gefunden: "Er ist eine hochmusikalische Person mit einer Super Rock 'n' Roll-Stimme. Er kann singen wie Leonard Cohen, wenn man es von ihm verlangt, und rappen wie Eminem. Was will man mehr?"

Quelle: SN, Apa

Aufgerufen am 20.07.2018 um 05:01 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/festspiele-irina-brook-macht-peer-gynt-zum-rockstar-5959309

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