Kultur

Handyspiel "Stranger Home": Gefragt sind Salzburger mit Durchblick

Wie gut kennen Sie die Stadt wirklich? Mit einer Spiele-App führt das Kollektiv gold extra durch ein fremdes Salzburg.

Wer den Ort erraten will, muss sich ganz genau umsehen. Aber viel Zeit ist dafür nicht. Nach 30 Sekunden verschwinden die Bilder wieder. Dann müssen die Spieler einen Tipp abgeben, an welchem verborgenen Flecken Salzburgs sie sich soeben befinden. Mit dem Projekt "Stranger Home" hat die Künstlergruppe gold extra schon viele Salzburger überrascht, die glaubten, ihre Stadt zu kennen. Bei der Sommerszene organisierte sie eine ironische Touristenfahrt zu Salzburgs versteckten Seiten. Auch am Computer ließ sich die Erkundungstour mit Virtual-Reality-Brille durchspielen. Nun veröffentlicht gold extra "Stranger Home" auch als App für Android-Handys. Sie beinhaltet nicht nur 360-Grad-Bilder der Plätze, die es zu erraten gilt sowie Quizfragen zu Salzburg. "Man kann mit dem Smartphone in der Hand auch die gefragten Orte aufsuchen, und Extrapunkte sammeln", sagt Tobias Hammerle. Die Idee, spielerisch das Fremde in einer vertraut geglaubten Heimat zu entdecken, habe unverhofft viel Anklang gefunden, sagen Charlie Zechenter und Sonja Prlić. In Santiago de Chile gibt es bereits ein Nachfolgeprojekt, aus Hamburg gebe es Anfragen. Die Salzburger App-Version stellt gold extra indes in Hallein vor: Dort ist noch bis Samstag die Ausstellung zum 20-jährigen Bestehen des Kunstkollektivs zu sehen. An das Jubiläum ist die Gruppe mit dem gleichen Humor herangegangen, der in vielen ihrer Arbeiten eine Rolle spielt. Beispiele aus ihren Projekten, die oft an den Schnittstellen zwischen Mensch und Technologie ansetzen, sind so ausgestellt, als wären sie nach 200 Jahren von Medienarchäologen ausgegraben worden: Die Jubiläumsschau wurde ironisch im Jahr 2219 angesiedelt.

So weit in die Zukunft blickt gold extra in der Realität zwar nicht. Bei der Finissage am Samstag stehen aber weitere neue Projekte wie das PC-Spiel "Killing Fields" im Mittelpunkt.

Immer wieder nutzt die Künstlergruppe die Mechanismen und die Ästhetik digitaler Games, um damit ernste Themen greifbar zu machen. In "Frontiers" etwa versetzten sich die Spieler in die Rolle von Flüchtlingen. In "Killing Fields" gehe es um das Massaker von My Lai im Vietnamkrieg, um den Verlust von Empathie und Menschlichkeit, erläutern die gold-extra-Mitglieder: Anders als in kriegerischen PC-Spielen üblich stehen die Opfer und ihre Geschichten im Mittelpunkt.

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