Kultur

Hinterhäuser neuer Intendant, Festspiele werden kleiner

Mit Markus Hinterhäuser wird einer Intendant der Salzburger Festspiele, der mit weit offenem Blick in die Kunstwelt tief verwurzelt ist in der Stadt und im Festival.

Es hat den Favoriten erwischt: Markus Hinterhäuser wird ab 2017 neuer Intendant der Salzburger Festspiele. Dass aus fünfzehn Bewerbern er gewählt worden ist, liegt an seiner oft bewiesenen künstlerischen Kompetenz. Es liegt auch an seiner Verbundenheit mit Salzburg und den hiesigen Festspielen.

"Es ist eine große und wichtige Aufgabe für mich, weil ich die Salzburger Festspiele wirklich mag, weil ich an den Festspielen hänge. Vieles in meinem Leben ist durch meine Zeit bei den Festspielen beeinflusst und bestimmt", sagte der 54-Jährige am Mittwoch nach Bekanntgabe seiner Bestellung durch das Kuratorium.

Was wird er tun? Was wird er ändern? Noch bitte er "um ein bisschen Geduld", sagt Markus Hinterhäuser nach der Kuratoriumssitzung. Denn erstens sind es bis zum Sommer 2017 noch dreieinhalb Jahre, und bis dahin sind noch zwei andere Führungsteams am Werk: 2014 Alexander Pereira und dann 2015 wie 2016 Sven-Eric Bechtolf, beide gemeinsam mit Helga Rabl-Stadler. Und zweitens stellt Markus Hinterhäuser klar: "Ich bin nicht der chinesische Volkskongress." Er könne beim besten Willen keinen Fünfjahresplan vorlegen. Trotz dieser Zurückhaltung stellt er einiges in Aussicht. Der neue Intendant kündigte am Mittwoch an, er werde unter anderem das Angebot in seiner Menge etwas reduzieren bei weiterhin höchsten Qualitätsansprüchen. Da man in jüngster Vergangenheit ein Limit des Machbaren überschritten habe, wolle er das Kartenangebot redimensionieren.Weniger Angebot Das Programm der Salzburger Festspiele soll weniger dicht werden als in den Vorjahren. Ein Limit des Machbaren sei überschritten worden, sagte Hinterhäuser. Daher strebe er die "Redimensionierung des Kartenangebots" an. Allerdings: Jegliche Einschränkung betreffe nur die Quantität, nicht die Qualität. "Man sollte sehr klug mit diesem wunderbaren Phänomen Salzburger Festspiele umgehen."Wiederaufnahmen"Ich bin ein großer Anhänger von Wiederaufnahmen." Dieses Bekenntnis steht in krassem Gegensatz zu der Strategie Alexander Pereiras, bei den Salzburger Festspielen fast nur Neuinszenierungen zu bieten. Hinterhäuser sagte, Wiederaufnahmen von Opern seien nicht ökonomisch, sondern auch künstlerisch betrachtet sinnvoll, da jede Inszenierung in einer Überarbeitung reife.DramaturgieStärker als bisher sollte es im Festspielprogramm eine "dramaturgische Vernetzung" geben, eine Art "Erzählung", ohne allerdings dies in jedem Sommer mit einem Motto zu betiteln. Vor allem für das Schauspiel bedürfe es "einer genauen Identität" und "keiner Zufälligkeiten". Er habe bereits "ein paar interessante Namen" für mögliche Schauspielchefs im Kopf.Mozart, Strauss, Moderne Inhaltlich bleibt Hinterhäuser bei den drei Säulen: Die "profunde Auseinandersetzung mit Mozart" solle im Sinne einer dramaturgischen Vernetzung erfolgen. Ähnliches gilt für das Werk Richard Strauss'. Auch "die Moderne wird ihren selbstverständlichen Platz in der Programmierung haben". Ouverture spirituelle Diese Idee Alexander Pereiras gefalle ihm sehr gut. Sie biete "eine schöne Möglichkeit, in ein Festspiel einzuschwingen". Er überlege, diese geistliche Musik auf drei oder fünf Tage zu konzentrieren, um dann "immer mit einer Oper" einen "definitiven Beginn" der Salzburger Festspiele zu setzen.
Sektionschefin Andrea Ecker, die Vorsitzende des Kuratoriums, begründete die Entscheidung für Markus Hinterhäuser wie folgt: Neben bester Qualifikation sei "seine Verbundenheit mit Salzburg" entscheidend. Zudem gewährleiste er eine "längerfristige Perspektive". Weiters sei seine "doppelte Kompetenz" entscheidend, zum einen "als international renommierter Künstler", zum anderen als "erfahrener Kulturmanager mit hoher Innovationskraft". Zudem habe sein "überzeugendes künstlerisches Konzept" den Ausschlag gegeben.

Markus Hinterhäuser Salzburger Intendantenvertrag beginnt am 1. Oktober 2016. Wie die Vorbereitungszeit vertraglich geregelt wird, und ob er bis dahin ins Direktorium kooptiert wird, ist noch zu klären.

Bei den Salzburger Festspielen 2017 wird seine Handschrift bemerkbar. Diese werde sich nicht grundsätzlich von dem unterscheiden, was er für "Zeitfluss", als Konzertchef und als einjähriger Interimsintendant gemacht habe. "Ich bin kein Novize in Salzburg." Auch werde einfließen, was er in den 1990er-Jahren von Gerard Mortier und Hans Landesmann gelernt habe. "Es wird diese Handschrift beibehalten werden, ich kann gar nicht anders."

Bis 1. Juli 2016 läuft sein Vertrag als Leiter der Wiener Festwochen. Er werde den Wiener Vertrag erfüllen, "ich betreibe kein Job-Hopping". Zwar gebe es Überlappungen mit den Vorbereitungen für die Salzburger Intendanz aber diese seien "sehr überschaubar".

Hinterhäuser neuer Intendant, Festspiele werden kleiner SN/APA/NEUMAYR
Markus Hinterhäuser wurde aus 15 Bewerbern ausgewählt.
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Markus Hinterhäuser wurde aus 15 Bewerbern ausgewählt.
Hinterhäuser neuer Intendant, Festspiele werden kleiner SN/apa
Hinterhäuser neuer Intendant, Festspiele werden kleiner SN/APA/NEUMAYR/MMV
Markus Hinterhäuser wurde aus 15 Bewerbern ausgewählt.
Hinterhäuser neuer Intendant, Festspiele werden kleiner SN/prlic
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Die bisherigen Intendanten der Salzburger Festspiele.
Hinterhäuser neuer Intendant, Festspiele werden kleiner SN/APA/BARBARA GINDL
Markus Hinterhäuser.
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Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Markus Hinterhäuser.
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Hinterhäuser mit Luc Bondy, der ebenfalls als Anwärter auf die Intendantenstelle galt.
Hinterhäuser neuer Intendant, Festspiele werden kleiner SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Markus Hinterhäuser.

Aufgerufen am 19.02.2018 um 08:18 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/hinterhaeuser-neuer-intendant-festspiele-werden-kleiner-4435702

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