Kultur

Integration in Salzburg: "Wenn sie lächeln, funktioniert es"

"Wandel" heißt ein Projekt, das Muslime und Christen einander näher bringen soll. Es wird im Pongau umgesetzt.

Onur Bakis lässt nicht locker. Geboren in der Türkei, wuchs er in Bürmoos auf. Seit vielen Jahren arbeitet er mit Jugendlichen. Vor allem mit türkischstämmigen. Die einen will er vom Rand in die Mitte der Gesellschaft holen. Die anderen selbstsicher machen. Das tut er mit westlicher Kultur. Seine Break-Dance-Workshops sind legendär. Jetzt setzt er im Zuge von "Wahre Landschaft" ein Projekt im Pongau um. Es wird vom Land gefördert. Er nimmt sich mit seinem Verein Doyobe (Do your best) der kulturellen Wandlung einer Region an. Bakis kooperiert mit der Katholischen Jugend Pongau und der ATIB Moschee.

SN: Welchen Wandel stellen sie als Muslim, der in Salzburg aufwuchs, fest?
Onur Bakis: Ich bin ein Muslim aber leider bete ich nicht fünf Mal am Tag. Obwohl: Weil ich dunkelhäutig bin grüßen mich jetzt öfter Leute mit ,Salem Aleikum ." Was ich sehe ist, dass die Kinder in der Schule in Richtung arabische Welt gerutscht sind.

Die Migranten dritter Generation mit türkischer Herkunft studieren und haben sich integriert. Jetzt kam eine Welle von Menschen nach dem arabischen Frühling in Salzburg an. Ich will da einfach nicht nur zusehen und untätig bleiben.

SN: Das heißt?
Wir erfolgreichen Vertreter der türkischstämmigen dritten Generation, die mitten in der Gesellschaft leben, versuchen auf diese Menschen aus der arabischen Welt zuzugehen. Es sind Erziehung und Bildung, die die Gesellschaft in Salzburg ausmachen. Ich war früher Koch, wusste nicht, was eine Word-Datei ist oder wie ein Computer funktioniert. Das habe ich gelernt. Hier gibt es Chancen für jeden.

SN: Spüren Sie gesellschaftliche Spannungen?
Es gibt keine Spannung. Es gibt viele neue Chancen. Es ist schon auch eine Sache der Betrachtung.
SN: Was passiert beim Projekt?
Wir wollen Künstler mit Migrationshintergrund durch Ausstellungen und im Rahmen von Veranstaltungen ,sichtbar' machen. Ganz speziell im Pongau. Das Projekt läuft über acht Monate. Es hat im Mai begonnen Am Land wird der Wandel ja nicht so ohne weiteres akzeptiert. Es kostet sehr viel Zeit diese parallelen Gesellschaften ineinander und miteinander zu verknüpfen. Uns geht es vor allem auch um die Teilnahme von Frauen.

SN: Wie groß ist die türkische Gemeinde im Pongau?
Türken aus der Region des Schwarzen Meeres sind stark vertreten. Viele haben sich angepasst, sind integriert. Viele können aber noch immer nicht Deutsch. Tatsache ist: Die Zukunft liegt in den Händen der Jungen. Wir alle müssen aufeinander zugehen. Wenn wir lächeln funktioniert es. Wenn wir verbissen sind, machen wir es uns gegenseitig schwer.

SN: Was können die Kirchen im positiven Sinn tun?
Sich öffnen. Das tun sie ja. Ich habe eine wunderbare Unterstützung durch die Erzdiözese. Mein Ehrgeiz ist es, dass sich der Vertreter der Muslime in Salzburg, Ahmet Yilmaz und Erzbischof Franz Lackner treffen. Das wird im Oktober passieren. Da geht es nicht um Fragen wie Burka oder nicht, sondern um die Begegnung von zwei Menschen. Die zueinander sagen.: ,Hey, wie geht es dir?" und die über ganz normale Dinge des Lebens reden.

SN: Gibt ein ein konkretes Ziel des Projektes?
Menschen sollen sich auf sympathischer Weise auf der Ebene von Kunst und Kultur begegnen. Wie gesagt: Wenn sie, wenn wir lächeln, wird es funktionieren.

Das Projekt:

Die Kulturelle Wandlung einer Region

In einem 8-monatigen Kunst Projekt will der Verein Doyobe im Pongau, den Zugang zur Kunst für alle Gesellschaftsschichten realisieren, unabhängig von Religion, Herkunft, Hautfarbe und Sprache. In der Beschreibung des Projektes heißt es:

"Der Wandel, wir sehen ein Wandel der Identitäten in Salzburg, eine multikulturelle Gesellschaft, die viele Chance und Risiken mit sich bringt. Durch verschiedene Kunst, Kultur und Dialogworkshops wird eine innovative Kunstvermittlung und ein Netzwerk geschaffen. Seit Mai 2016 läuft das von Wahre Landschaft gefördertes Projekt bereits. Die starke feminine Partizipation wird ein Schwerpunkt des Projekts. Es wurden beispielhafte Modell Aktivitäten mit der Partizipation und Einflussnahme von Kommunen, Bürgern und Flüchtlingen entworfen und realisiert. In einer engen Zusammenarbeit mit der katholischen Jugend Bischofshofen.

Kooperation Das Projekt ,Wandel'kooperiert mit der Katholischen Jugend Pongau und der ATIB Moschee.

Es fand bereits ein Kultur & Kulinarischer Austausch am Kreuzberg in Bischofshofen.

Mit einem orientalischen Buffet, die Fotografin mit Kopfbedeckung Fadime Celik hat das ganze festgehalten. "Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben" besonders im Raum Pongau so Projektleiter Onur Bakis. Durch die Kooperation soll eine enge Verbindung und Vernetzung im Raum Pongau entstehen. Wir erwarten die Kooperationsbereitschaft der Gemeinden im Pongau. Das Land Salzburg unterstützt mit dem Programm "Wahre Landschaft" zeitgenössische Kunst und Kunstprojekte und die Bildung spezifischer regionaler kulturelle Profile außerhalb der Landeshauptstadt, so auch das Projekt ,Wandel' vom Verein Doyobe.

Aufgerufen am 20.11.2018 um 03:14 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/integration-in-salzburg-wenn-sie-laecheln-funktioniert-es-1090840

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