Kultur

"Invisible Violence": 20 Künstler zu unsichtbarer Gewalt

"Invisible Violence" heißt eine am Freitag eröffnete Ausstellung im Salzburger Kunstverein.

Schönheit, Gewalt und Sex im Salzburger Kunstverein SN/kunstverein
Ein Objekt aus der Ausstellung „Invisible Violence“.

In der bis 10. April laufenden Schau geht es um medial und öffentlich meist unsichtbare, häusliche bis globale Gewalt, die mit den Mitteln von Video, Foto, Skulptur, Zeichnung und Installation sichtbar gemacht werden soll.

Mehr als 20 Künstler aus halb Europa sind an der ser ungewöhnlich aufwendigen und umfangreichen Ausstellung im Künstlerhaus beteiligt. Auch das Kabinett, die Vorräume, die Ringgalerie und sogar ein Keller-Abteil sind Teil von "Invisible Violence". "Seit zwei Jahren laufen die Vorbereitungen und Planungen zu dieser Schau", sagte Seamus Kealy, Leiter des Salzburger Kunstvereins, am Freitag bei der Pressevorbesichtigung.

Formal sei dabei im Vorfeld einiges schief gegangen. Das Kunstmuseum in der nordirischen Stadt Sligo hat eine Einreichfrist zu diesem länderübergreifenden EU-Projekt versäumt und schied daher aus. Dadurch haben sich die EU-Gelder von 300.000 auf 140.000 Euro reduziert, sagte Kealy. Von Schmalspur-Ausstellung ist dennoch keine Rede, immerhin haben sich neben dem Kunstverein in Salzburg auch die Museen für zeitgenössische Kunst der baskischen Stadt Vitoria-Gasteiz sowie in Belgrad am Projekt beteiligt.

Inhaltlich ging es den Kuratoren keinesfalls um spektakuläre Grausamkeiten. Im Gegenteil, kaum wahrnehmbare, administrative Zwänge, bürokratische Dummheiten, das weitverbreitete Wegschauen und die rücksichtslose Ignoranz im täglichen Leben haben die ursprünglich 30, zuletzt 20 beteiligten Künstler inspiriert.

So zeigt etwa die Spanierin Maria Ruido nicht mehr und nicht weniger als ein 45-minütiges Video eines stürmischen Meeres, wie es aus der Sicht eines Bootsflüchtlings wirken muss, während die Salzburgerin Eva Grubinger die Museumsbesucher durch hier gänzlich überflüssige Absperrungen zwingt, wie man sie von Flughäfen kennt. Neben einer Videoarbeit über die Willkür von Einwanderungsgesetzen von Harun Farocki präsentiert Dejan Kaludjerovic die Erzählungen von Familienmitgliedern über einen 20 Jahre zurückliegenden Zwischenfall, wobei Bild und Ton voneinander getrennt sind. Dadurch wird deutlich, wie radikal anders die Erinnerungen an ein und die selbe Tat sein können.

Viele der Videos, Text-Exponate und Erläuterungen dieser Ausstellung sind in englischer Sprache, was die Verständlichkeit der Werke im Einzelnen durchaus erschwert. Der Kunstverein bietet aber unentgeltliche Führungen durch die Ausstellung sowie Erläuterungen der Arbeiten an.

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