Kultur

Jazzfestival Saalfelden: Premiere für einen Hiesigen

Kann Jazz Brauchtum werden? Offenbar. Denn in Saalfelden wird schon zum 37. Mal gejazzt. Wobei: Es gibt auch eine Premiere. Erstmals mischt ein Saalfeldner Schlagzeuger mit.

Jazzfestival Saalfelden: Premiere für einen Hiesigen SN/heinz bayer
Alexander Zechbauer.

Nach Metern bemessen ist der Weg nicht weit. Denn Alexander Zechbauer (53) wuchs keine 500 Meter von dort entfernt auf, wo er Donnerstagabend die Bühne betrat. Mit der Salzburger Ostbeatband eröffnete der Schlagzeuger das heurige Jazzfestival Saalfelden.

Nach Jahren bemessen ist es freilich ein nicht zu verachtender Zeitraum. Das Festival erlebte seit 1978 vielen Höhen und manchen Tiefen. Heuer ist die 37. Auflage angesagt.

Zechbauer, das ist in Saalfelden noch immer ein klingender Name. Es handelt sich, der Wahrnehmung nach irgendwie um "Ur-Einwohner" - die freilich aus Bozen zugewandert sind. Das Handelsunternehmen der Vorfahren war über die Grenzen der Region hinaus bekannt. "Zechbauer" stand zugleich für unternehmerisches Geschick. Nicht zuletzt aber auch für sportliche Ausnahmeleistungen im Tennis.

Alle - Vater, Söhne, Schwiegersohn und Enkel - waren überdurchschnittlich begabt und einige in den 1980er Jahren ein Team in der Tennis-Landesliga.

Alexander Zechbauer, den seine Freunde Aco nennen ( Alexander auf serbisch) hatte mit Handel und kaufmännischem Leben aber nichts am Hut. "Die künstlerische Ader habe ich von meinem Vater geerbt. Wir hatten ein Klavier zuhause. Ich kann mich gut daran erinnern, wie er das Ave Maria von Bach, die Rhapsody in Blue von Gershwin oder Prokofjews Peter und der Wolf für uns gespielt hat. Das sind sehr schöne Erinnerungen." Für Rock, Jazz und Weltmusik hatte ihn dann sein leider schon verstorbener Bruder Franz begeistert. "Er war ein Grenzgänger. Ein echt wilder Hund und zugleich mein Mentor."

Tischler im Brotberuf

Der HTL (Maschinenbau) und drei Jahren Architekturstudium folgte eine Kehrtwendung. Alexander Zechbauer wurde Tischler. Das ist er noch heute. Er betreibt eine Ein-Mann-Werkstatt in der Stadt Salzburg.

Musik war immer ein Thema. Freiheit auch. Sechs Jahre lebte "Aco" Zechbauer in einem Wohnwagen in Rif. 2011 reiste er mit einem Freund zum größten Blasmusikfestival Europas, nach Serbien. Es war eine Art Initialzündung. Ein Jahr später wurde die Ostbeatband gegründet. Sie besteht aus Alex Zechbauer (Schlagzeug. Perkussion), Michi Brandl (Gitarre), Slavoljub Jeremic (Akkordeon, Gesang) und Roland Oberndorfer-Wagner (Keyboard).

"Unser Spektrum ist weit gefächert: Gypsymusik aus Serbien und Rumänien, ein altes bosnisches Lied aus Mostar, Musik eines hierzulande unbekannten ukrainischen Künstlers, mazedonische Lieder, Eigenkompositionen und serbische Standards sind Teil des Programms. Vor allem die Rhythmik der Musik des Balkans ist genau unser Ding," so Zechbauer.



Weitere Gratis-Konzerte auf dem Rathausplatz ("City Stage"):
Frei, 15.30 Uhr: Dawanggang (China); Douba Foli (Mali, It, D, Ö), 17 Uhr); Sa: Salah Ammo, Orwa Saleh & Friends; "Syrian Links", 9:30 Uhr; Mostar Sevdah Reunion; Bosnia Herzegovina; 11 Uhr.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 06:05 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/jazzfestival-saalfelden-premiere-fuer-einen-hiesigen-1127731

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