Kultur

Julia Körner: "Freizeit habe ich seit den Oscars keine mehr"

Erst nach und nach realisiert Julia Körner, was seit der Oscarnacht passiert ist. Obwohl die Salzburgerin den Preis gar nicht gewonnen hat.

Julia Körner eilt derzeit von Termin zu Termin und jettet dazwischen um die Welt. Seit vergangenem Sonntag ist die Salzburgerin besonders gefragt. "Freizeit, was ist das?", sagt sie und lacht. Das Wochenende verbringt sie mit anderen Kreativen beim Worth Weekend in Valencia. "Mir haben auch hier schon so viele Menschen gratuliert. Ich freue mich extrem, realisiere aber erst langsam, was für Ausmaße alles annimmt. Ich muss immer wieder dazusagen, dass ich den Oscar ja gar nicht gewonnen habe."

Den Goldbuben in der Kategorie bestes Kostümdesign entgegennehmen durfte Ruth Carter, die für die gesamten Kostümdesigns im Film "Black Panther" verantwortlich ist. Carter hatte die gebürtige Stadt-Salzburgerin beauftragt, einen 3D-gedruckten Umhang und eine Krone für die Hauptdarstellerin Angela Bassett zu gestalten. Auch am Abend der Oscarverleihung trug Carter eine von Körner gefertigte Stola auf dem roten Teppich. "Das hat jeder gesehen, viele haben sich danach erkundigt. Einige haben meine Designsprache auch erkannt. Das ist die größte Auszeichnung", freut sich die 35-Jährige. 20 Tage habe sie für die Gestaltung der Stola gebraucht. "Es musste alles in kürzester Zeit umgesetzt werden."

Sie selbst habe die Oscarverleihung nicht besucht. "Ich war bis zum Schluss mehr als gut beschäftigt", erzählt die Salzburgerin. Gefeiert habe sie im privaten Kreis. Durch die Auszeichnungen - "Black Panther" wurde kurz vor den Oscars auch mit dem Costume Designers Guild Award gewürdigt - habe sie bereits weitere Kontakte nach Hollywood knüpfen können, sagt sie.

Nach der Matura am Musischen Gymnasium studierte Körner in Wien Architektur. "Wir hatten dort einen 3D-Drucker, mit dem ich gern experimentiert habe." Über Architektur und Produktdesign landete sie in der Modewelt. "Es gibt nur eine Handvoll Designer, die in diesem Bereich arbeiten. Ich möchte diese Art von Mode unbedingt tragbar machen." So mischt sie ihre aufwendigen, futuristisch anmutenden 3D-Drucke mit Materialien wie Leder oder Seide. Die Drucke selbst seien aus gummiartigem Material, das wie verwobenes Textil aussehe, erklärt Körner. Über den Online-Shop ihres Labels JK Design verkauft sie einzelne Stücke wie Handtaschen, Röcke oder Ketten.

Körner lebt in Los Angeles, wo sie an der Universität Kalifornien (UCLA) unterrichtet. Meist schafft sie es, ein Mal monatlich nach Salzburg zu kommen. In beiden Heimaten findet sie Inspirationen in den vielfältigen Formen der Natur. Als einen Lieblingsort nennt Körner den Joshua-Tree-Nationalpark. "Auch weil es dort kein Handynetz gibt, wie im Flieger", sagt sie lachend.

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