Kultur

Kleines Theater: Wenn Nazis ministrieren

Texte wie er bringt kaum jemand zu Stande: Felix Mitterers "Besuchszeit" bleibt eine Konstante.

Es ist eines seine frühen Dramen. Uraufgeführt 1985 in Wien - doch der Stoff blieb hoch aktuell. Zu sehen ist "Besuchszeit" im Kleinen Theater. Drei Szenen sind es, die Alter, Würde und Einsamkeit zum Inhalt haben. Es ist eine düstere Welt die sich auftut. Sie ist jedoch mit Einsprengseln von subtilem Widerstande versehen.

In "Abstellgleis" etwa besucht die Schwiegertochter ihre "abgeschobene" Schwiegermutter" im Altersheim. Erster Satz der jungen Frau: "Ich hab' nicht viel Zeit." Entmündigung, Leerlauf, das Eingesperrtsein im geriatrischen Ghetto machen sie mürb. Doch Mitterer versteht sich auch auf schwarzen Humor. Deshalb streut er die Geschichte ein, dass im Heim ein Alt- Nazi wohnt, der bei Messen ministriert, weil ihn Schuldgefühle plagen und Angst ihn quält, zum Euthanasie-Opfer zu werden. Der Gedanke lässt den völkischen Messdiener zittern. Denn, jetzt, als Alter, könnte es ja ihn selbst treffen . . .

In "Verbrecherin" bekommt eine Frau vom Gatten Besuch im Gefängnis. Sie wollte ihn töten. Wurde verurteilt. Zuvor aber Jahre von ihm gequält. Sie schritt im Streit zur Tat - und fühlt sich jetzt im Gefängnis endlich frei.

"Weizen auf der Autobahn" wieder ist die Geschichte eines Bauern, der im Irrenhaus landet, weil ihn die Gier der Kinder und letztlich der Verkauf des Hofes in den Wahnsinn trieben.

Anita Köchl spielt die Hauptrollen - und ist in Höchstform: Wandlungsfähig, klar, überzeugend. Chapeau! Doris Kirschhofer sorgt mit ihrer ganz eigenen Musik, Ober- und Untertongesang, für schräge Akzente und verpasst dem düsteren Stoff den rettenden Schuss Witz. Regisseur Hanspeter Horner wiederum beweist gutes Gefühl für den Raum. Sein Spiel mit Licht und Schatten, entfaltet höchste Wirkung.

Termine:www.kleinestheater.at

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