Kultur

Kunst statt Stau in der Altstadt

Salzburger Studenten stellten am Dienstag ihre textilen und technischen Fähigkeiten am Makartplatz und am Makartsteg unter Beweis. Sieben Kunstwerke eroberten die von Auto- und Menschenmassen traditionell verstopften Orte einen Tag lang zurück.

Die Vielfalt der Werkstoffe ist verblüffend. Kunststoff, Schaumstoff oder einfach Stoff. Sperrholzplatten oder Karton. Damit haben sieben Studenten der Universität Mozarteum eine ganze Meile an Kunstobjekten geschaffen, die vom Makartplatz bis zum Makartsteg Aufmerksamkeit erregt.

Denn die Kunstwerke verstellen Wege. Radfahrer müssen sich auf dem vielbefahrenen Weg von der Salzach auf Höhe Hotel Sacher in Richtung Makartplatz mit einem wörtlich vielschichtigen Labyrinth-Objekt auseinandersetzen. "Die Kreuzung soll entschleunigt werden", sagt Stefan Berger. Als Material für seine "Begegnungszone" wählte er transparenten Kunststoff, wie er etwa für Gewächshäuser verwendet wird.

Wenige Meter weiter erregt Bettina Aichingers knallrote Schnecke aus weichem Schaumstoff neugierige Blicke. Für jene, die das Objekt betreten, wird der Raum immer enger. "Am Makartsteg engen die Menschenmassen ja auch den Raum ein", sagt die Studentin. Dass gerade am beliebten Aussichtspunkt der Ausblick geradezu verhindert wird, ist eine gelungene Pointe.

Unterhalb des Makartstegs hat sich Paulina Krasser ein Reich aus Stoffbahnen geschaffen. Diese dienen als Hängematte oder Hängesessel. "Während das Salzachufer an sonnigen Tagen gestürmt wird, meiden die meisten diesen Platz unter dem Makartsteg. Die Stoffe sollen einen Raum schaffen, der als Oase dienen kann", erläutert Krasser.

Zentraler Punkt der Installation ist der Makartplatz. "Der Verkehr ist hier das große Problem", erläutert der Architekt und Projektleiter Thomas Forsthuber. "Der Mensch hat keinen Platz mehr." Die Kunstwerke erobern dem Menschen den Platz zurück. Ungewohnte Perspektiven gewinnt Tobias Klettner aus seiner knapp drei Meter hohen Installation aus Sperrholzplatten. Wer sein "Wahrnehmungsinstrument" erklimmt, kann den Makartplatz aus der Höhe wunderbar überblicken. Im Schatten des Turms hat Theresa Kastlunger einen aus Fahrradschläuchen geknüpften "Stadtmantel" ausgebreitet. Darunter kann man sich vor den Massen an Touristen und Autos verstecken. Constantin Feichtinger stellt die Stadt mit einer Reihe von selbstgebastelten "Camera Obscura"-Modellen auf den Kopf. Wer sich nach diesem Kunstgenuss noch selbst künstlerisch betätigen will, hat auf der bewusst partizipativ angelegten Riesen-Leinwand von Margit Köhnlein Gelegenheit dazu.

Die Werkschau ist zeitlich begrenzt. Dienstag Früh, Punkt 5 Uhr, begann der Aufbau. Am Abend war die Installation bereits wieder Geschichte. Die temporäre Kunstraum-Installation "Körper-Raum-Hülle" dient als erste größere Präsentation der neuen Studienrichtung "Gestalten: Technik.Textil" an der Universität Mozarteum. "Wir wollen zeigen, dass Werken mehr als nur Laubsägearbeiten und Stricken bedeutet. Die Studenten der neuen Studienrichtung sollen sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen", sagt Professorin Frauke von Jaruntowski.

Bis Freitag, 20. April, sind die Kunstwerke von 10 bis 19 Uhr in der Alpenstraße 75 zu sehen. Im Rahmen der Vernissage der Jahresausstellung des Departments für Bildende Künste an der Universität Mozarteum gestaltet die preisgekrönte Salzburger Designerin Julia Körner am Mittwoch, 18. April, um 18.30 Uhr einen Vortrag.

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