Kultur

Land rettet Halleiner Sudhaus

Die Fixkosten für den Kulturverein waren nicht mehr gedeckt. Der Vorstand wirft der Stadt vor, Zusagen nicht einzuhalten.

Simone Seymer (Sudhaus), Kuratorin Nikola Schellmann, Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) und Kulturstadträtin Rosa Bock (SPÖ) beim Halleiner Leerstandsfestival im September 2019 SN/lmz/franz neumayr
Simone Seymer (Sudhaus), Kuratorin Nikola Schellmann, Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) und Kulturstadträtin Rosa Bock (SPÖ) beim Halleiner Leerstandsfestival im September 2019

Als "zentrale Drehscheibe für Kunst und Kultur in der Region" wird das Sudhaus im Kulturentwicklungsplan des Landes bezeichnet. Im November 2016 als Nachfolger des Kulturforums Hallein gegründet, finden sich insgesamt 40 Kulturschaffende der Stadt unter dem Dach des Vereins. Das Land hat den Kulturverein nun vor dem Aus gerettet, indem eine Teilzahlung der Jahressubvention von 37.000 Euro bereits vorab geleistet wurde. "Wir waren kurz vor der Zahlungsunfähigkeit", sagt die stellvertretende Obfrau Katrin Petter.

Grund für die finanziellen Engpässe seien nicht geleistete Subventionen der Stadt, heißt es aus dem Sudhaus-Vorstand. Von 63.000 Euro an Jahresförderung habe die Stadt im ersten Quartal nur 4000 Euro zugesichert. "Wir haben mit der vollen Summe gerechnet. So können wir unser Tagesgeschäft als Serviceleister nicht erfüllen", kritisiert Petter.

Allein der Folder mit dem Kulturprogramm der Sudhaus-Mitglieder koste 2700 Euro, rechnet Petter vor. Weil die städtischen Zuschüsse fehlten, konnte der Posten des Geschäftsführers nicht ausgeschrieben werden. Die Stelle ist vakant, seit die bisherige Geschäftsführerin Simone Seymer Ende des Vorjahres zurückgetreten ist.

Mit Jahresbeginn hat sich ein neuer Vorstand konstituiert. Doch der sah sich mit neuen Problemen konfrontiert. Am Mittwoch wandte sich der Vorstand in einem offenen Brief an Kulturstadträtin Rosa Bock (SPÖ): "Die infrastrukturellen Fixkosten des ersten Quartals sind nicht gedeckt. Mündlich zugesagte Verbindlichkeiten wurden ohne Begründung und Vorwarnung nicht eingehalten", heißt es darin.

Sie verstehe die Vorwürfe nicht, sagt Rosa Bock gegenüber den SN: "Das Geld ist reserviert, alle Fraktionen haben zugestimmt. Wir verlangen jedoch einen sauberen Antrag, wie für alle Förderungen." Bock spricht von Unregelmäßigkeiten und "chaotischen Zuständen", zudem habe es Kritik einzelner Kulturschaffender an der Arbeit des Vereins gegeben. Sie hoffe nach ersten Gesprächen mit neuen Vorstandsmitgliedern auf ein neues Konzept für den Verein. "Wenn das passt, dann können wir bei der nächsten Gemeindevertretungssitzung am 4. März die Subvention beschließen."

Das Sudhaus selbst kündigt im offenen Brief an, sich unter neuem Namen auf neue Beine zu stellen. Am Ziel eines offenen, urbanen Kulturbegriffs, der sich im Vorjahr im neuen Festival "FreiStadt" manifestierte, will man festhalten. Dazu zähle auch niederschwelliger Zugang zu Veranstaltungen, mehr Partizipation und Interaktion, sagt Katrin Petter: "Hallein hat eine wahnsinnige Vielfalt, das wollen wir aufspüren."

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