Kultur

Landestheater-Intendant Maldeghem bleibt doch in Salzburg

Carl Philip von Maldeghem bleibt doch Intendant des Salzburger Landestheaters und sagt in Köln wieder ab. Dies besprach er am Freitagnachmittag mit Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP), Kultur-Landesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) und Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP).

Carl Philip von Maldeghem. SN/apa (dpa)
Carl Philip von Maldeghem.

"Nur im Fasching ist Köln besser als Salzburg." Dieses launige Resümee über die Kehrtwendung das Salzburger Landestheaterintendanten Carl Philip von Maldeghem zog Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) am Freitagnachmittag. Noch in der Vorwoche hatte Schellhorn zu dem Karrieresprung "an eine große deutsche Bühne" gratuliert. Auch der für Kultur zuständige Vizebürgermeister Bernhard Auinger sprach von einer "Auszeichnung für Salzburg".

Seit Freitagnachmittag ist diese Art von Ruhm wieder verpufft. Maldeghem verschmäht Köln und bleibt in Salzburg; sein hiesiger Vertrag, der im Vorjahr bis 2024 verlängert worden ist, gilt also weiter.

Express-Sitzung beim Landeshauptmann

Dafür hatte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) am Freitag zu einer Express-Sitzung eingeladen und seinen für das Landestheater zuständigen Regierungskollegen Heinrich Schellhorn (Grüne) sowie Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) zu sich gerufen. Um Maldeghem zum Bleiben zu überreden, war nicht mehr als das gegenseitige Bekunden von Wohlwollen nötig. Teilnehmer der Sitzung bestätigen, es sei weder um Subventionserhöhungen oder andere "Zuckerl" geredet worden.

Haslauer: "Wir sind stolz auf dieses Haus"

"Ich bin sehr erfreut, dass es sich Carl Philip von Maldeghem noch einmal überlegt hat", sagte Wilfried Haslauer in einer ersten Reaktion. "Unter seiner Führung hat sich das Landestheater hervorragend entwickelt - wir sind stolz auf dieses Haus. Es ist ein integraler Bestandteil unserer kulturellen Identität und es ist ein gutes Gefühl, dieses Theater in guten Händen zu wissen."

"Aus meiner Sicht hat Carl Philip von Maldeghem hier sehr erfolgreich gearbeitet. Ich schätze die Zusammenarbeit mit dem Salzburger Landestheater unter seiner Führung und freue mich sehr, dass er die Absicht hat, sich nun auch für die nächsten Jahre an das Haus zu binden und weiterhin mit voller Kraft hier in Salzburg einzubringen", sagte Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn laut Landespressedienst.

Der in der Stadt für Kultur zuständige Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Auinger (SPÖ) sei von Bürgermeister Harald Preuner über die Neuerung informiert worden und habe sich "hoch erfreut" gezeigt, dass Maldeghem in Salzburg bleiben werde.

Kölner Kulturdezernentin ist konsterniert

Die Nachricht überraschte hingegen Kölns Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach während eines Interviews mit der "Kölnischen Rundschau", aus dem sie mit den Worten "es ist sehr dringend" herausgerufen wurde. "Ich bin sehr enttäuscht, aber wir müssen diese Entscheidung respektieren", sagte die konsternierte Kulturdezernentin.

Zuvor hatte sie in dem Gespräch mit der "Rundschau" noch bekräftigt, dass sie zu hundert Prozent überzeugt sei, dass Maldeghem sich nicht von der massiven Kritik aus der Kulturszene in den vergangenen Tagen abhalten lassen werde nach Köln zu kommen.

Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatten erst am Donnerstag der Vorwoche die Berufung Maldeghems für das Schauspielhaus ab 2021 in einer Pressekonferenz verkündet. Danach brach in Köln und der deutschen Theaterszene Verwunderung aus.

Navid Kermani: "Eine Demütigung für Köln"

"Hä?...Wer?", titelte der "Kölner Stadt-Anzeiger" mit einem Zitat von Karin Baier, seit 2013 Intendantin des Hamburger Deutschen Schauspielhauses und davor Schauspiel-Chefin in Köln. Die Zeitung zitierte zudem eine Botschaft Elfriede Jelineks ans Schauspiel Köln: "Ich verstehe das nicht, niemand versteht es offenbar."

Auf der Online-Plattform "nachtkritik.de" schrieb Andreas Wilink: "Die Ankündigung des Carl Philip von Maldeghem, personell etwa mit John von Düffel, der wie am Fließband Bühnenfassungen von Romanen produziert, mit Amélie Niermeyer und Alexandra Liedtke zusammenzuarbeiten, (...) klingt nicht eben nach Impuls, nach Idee, nach Konzept, nach Aufbruch." Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreib von einem "Kandidaten aus der dritten Reihe".

In den vorigen Tagen verstärkte sich die Ablehnung, die der "Kölner Stadt-Anzeiger" publik gemacht hat. Schriftsteller Navid Kermani schrieb von einer "Demütigung für Köln" und davon, dass sich in der bisherigen Arbeit Maldeghems nichts finde, "was aufregend und frisch für eine Großstadt sein könnte". Und der Schauspieler Martin Reinke, seit 1990 Kölner Ensemblemitglied, nannte Carl Philip von Maldeghem "Sprücheklopfer und Leichtgewicht".

Maldeghem: "Ich bin schockiert"

"Ich bin schockiert von dem Mangel an Offenheit und Respekt und von den Vorurteilen", die einige Pressevertreter über ihn und seine Arbeit in Salzburg in die Welt gesetzt hätten, teilte Maldeghem am Freitagabend mit. Zudem kritisierte er "die ahnungs-losen und neid-erfüllten Angriffe und Vorverurteilungen aus der Branche". Ein Intendant sei ein "Theater-Ermöglicher" und brauche dafür "gute Grundbedingungen". Diese finde er am Salzburger Landestheater vor. "Insbesondere das deutliche Bekenntnis des Landeshauptmanns, die Arbeit in Salzburg und deren internationale Perspektive in Zukunft weiter steigern zu können, haben mich überzeugt, in Salzburg zu bleiben."


Zur Premiere von Maldeghems Inszenierung "Geschichten aus dem Wienerwald", die am Samstag im Salzburger Landestheater stattfindet, haben sich bereits Journalisten von "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Kölnischer Rundschau" akkreditiert.



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