Kultur

Literatur findet Land - eine Vorschau

Ein Höhepunkt zum Abschluss des Literaturfestivals Neukirchen: Charly Rabanser liest Franz Innerhofer. Der Oberpinzgauer Literat starb früh. Seine Werke haben nach wie vor Gültigkeit.

Charly Rabanser mit „Der Flickschuster“. Dahinter sein vom Mimen Rupert Henning gezeichneter Don Quijote. Bild:  SN/SW / Christa Nothdurfter
Charly Rabanser mit „Der Flickschuster“. Dahinter sein vom Mimen Rupert Henning gezeichneter Don Quijote. Bild:

"Franz Innerhofer beschrieb in ,Der Flickschuster' eine wahre Begebenheit, die sich in den 1970er-Jahren bei uns zugetragen hat. Und eigentlich hat sich seither grundlegend nicht viel geändert. In der Gastronomie werden zum Teil immer noch Menschen ausgenutzt. Und immer noch zeigen Leute, die selber Dreck am Stecken haben, mit ausgestrecktem Zeigefinger auf andere", sagt Charly Rabanser.

Der Theatermacher, Kulturvereinsobmann, Autor und Filmschauspieler aus Neukirchen entwarf für sich ein plastisches Bild von derartigen Zeitgenossen: "Unter den eigenen Teppich gekehrter Schmutz lässt diesen eine stetig höher werdende Mulde bilden. Auf dieser Erhöhung stehend, lassen sich andere noch besser beobachten und beurteilen."

Freilich sei niemand - und dabei nimmt er sich selber keineswegs aus - gänzlich vor (Vor-)Verurteilungen gefeit.
Rabanser entwarf daher seine DDR. Leicht zu merken. Die Buchstaben stehen für Dankbarkeit, Demut und Respekt. Danach zu leben oder es zumindest immer wieder zu versuchen - ein lohnendes Ziel. Für sich selbst. Im Kleinen, aber auch im Großen. In der Politik zum Beispiel. Oder im Journalismus. "Dem Franz Innerhofer ist wenig Respekt entgegengebracht worden. Nach seinem ersten Roman ,Schöne Tage' hochgelobt, musste er später viel ungerechtfertigte, nicht hinterfragende Kritik einstecken. Mit seiner Lebensgeschichte konnte er daraus nicht unbeschadet herausgehen."

Zur Erinnerung: Franz Innerhofer, 1944 in Krimml geboren und später in Uttendorf aufgewachsen, hat sein so trauriges Leben als lediges Kind mit Schreiben zu verarbeiten versucht. 2002 hat sich der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller in Graz das Leben genommen.
Nun kehrt Innerhofer sozusagen in den Oberpinzgau zurück. Diesmal nach Neukirchen, wo er 1993 in Rabansers "Cinétheatro" gelesen hat.

Jetzt war es Florian Gantner, der Franz Innerhofer "geholt" hat. Der 49-jährige Neukirchner ist selber mehrfach preisgekrönter Schriftsteller und künstlerischer Leiter des Literaturfestivals 2020.

"Literatur findet Land" heißt die vom Kulturverein Tauriska heuer zum zweiten Mal organisierte Veranstaltung. Geplant gewesen wäre das Festival bereits für den Juni, doch zu diesem Zeitpunkt haben die Covid-19-Bestimmungen die Pläne der führenden Protagonisten - neben Gantner die Tauriska-Obleute Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter - durchkreuzt.



Umso größer ist nun die Freude darüber, dass das breit gefächerte Programm inklusive Freiluftlesung, literarisch-musikalischem "Pingpong" (Erwin Einzinger & Hirsch Fisch) oder mit der Einbindung von hiesigen Gymnasiasten beibehalten werden kann. Auch eine Premiere steht auf dem Festival-Programm. Die abschließende Lesung aus Innerhofers "Flickschuster" wird ergänzt mit einer Vorführung von noch nie gezeigtem Videomaterial. Margit Gantner, die Mutter von Florian Gantner, interviewte Innerhofer einst und zeichnete das Gespräch auf.



Auf einen Blick - Literaturfestival, 1. bis 4. Oktober 2020

Donnerstag, 1. Oktober
19 Uhr Eröffnung. Grußworte von Bürgermeister Andreas Schweinberger, Einführung Martin Müller (Österreichische Gesellschaft für Literatur), Kurzlesung Philipp Gabriel.

Freitag, 2. Oktober
9 Uhr Lesungen Elisabeth Steinkellner und Michael Rohrer.
18 Uhr Petra Piuk, Pavillon.
19.30 Uhr Lesung Christoph Braendle,

20.30 Uhr Lesung Nadine Kegele.

Samstag, 3. Oktober
10 Uhr Lesung Jakob Pretterhofer,

11 Uhr Susanne Gregor (beide im Wildkogel-Bergrestaurant).
19.30 Uhr Magda Woitzuck.
20.30 Uhr Erwin Einzinger mit Hirsch Fisch.

Sonntag, 4. Oktober
10.30 Uhr Charly Rabanser liest Franz Innerhofer, Videointerviews mit Franz Innerhofer.

Zuvor Grußworte von LH-Stv. Heinrich Schellhorn, danach Kaffee und Kuchen.

Ort: Kammerlanderstall
Einzellesung 10 Euro
Festivalpass 15 Euro

Alle Infos: www.tauriska.at

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