Kultur

Mozarteum: Neo-Rektor Mauser will Hürde vor Master

Am Donnerstag wird Siegfried Mauser als neuer Rektor des Salzburger Mozarteum inauguriert. Der Münchner hat nun deutlich gemacht, wohin die Reise gehen soll: Richtung Bologna.

Mozarteum: Neo-Rektor Mauser will Hürde vor Master SN/apa (thorsten mischke)
Am Donnerstag wird Siegfried Mauser als neuer Rektor des Salzburger Mozarteum inauguriert.

Die "globale Vereinheitlichung der Studienbedingungen" sei begrifflich zwar angekommen, praktisch hierzulande aber noch kaum umgesetzt. Zwei Dinge hält der 60-jährige Pianist, Musiktheoretiker und Kunstmanager für "besonders problematisch" an den österreichischen Kunst-Unis: "Zu viele Studenten beginnen nach dem Bachelor automatisch mit einem Master-Studium. Das halte ich im Sinne der Bologna-Anpassung sogar für rechtswidrig. Denn da ist der Bachelor ausdrücklich als Berufsqualifikation definiert und das Masterstudium als vertiefende Weiterbildung. Unbedingt nötig ist daher das Einbauen von ernsten Hürden. Nur sehr gute Studenten sollten zum Masterstudium zugelassen werden. Dies würde die dringend nötigen Ressourcen freimachen, die man braucht, um Lehrpläne zu individualisieren und ein möglichst breites Lehrangebot bereitstellen zu können."

Ein zweiter Dorn im Auge des neuen Rektors ist die künstlerische Habilitation. "Was Gehrer (Elisabeth Gehrer (V), Unterrichts- bzw. Bildungsministerin von 1995-2007, Anm.) da eingeführt hat, war gut gemeint: Aber jetzt haben wir eine sehr hohe Zahl an allzu leicht Habilitierten im Haus mit den gleichen Rechten wie berufene Professoren. Das macht die Professorenschaft extrem unbeweglich und blockiert das Berufen international renommierter Künstler nach Salzburg. So etwas gibt es nur in Österreich. Um das abzuschaffen, müsste man das Gesetz ändern. Ich weiß, das wird schwer, aber ich werde es versuchen", so Mauser einen Tag vor seiner Inauguration.Mauser: Ausbildung in Österreich nicht marktkonform Insgesamt sei die Ausbildung von Künstlern in Österreich alles andere als marktkonform. "Ja, das ist eines der größten Probleme. Wir bilden definitiv zu viele Menschen aus und zwar in so gut wie allen Fächern. In den Kernbereichen wird es immer enger. Die Konkurrenz für Stellen in einem Orchester ist extrem, da sieht es für viele junge Menschen nach der Ausbildung düster aus. Davor muss man warnen", so Mauser, der die Zusatzausbildung im Selbstmanagement für besonders wichtig hält. "Wer flexibel ist, kann seinen Weg finden. Immer öfter ist zu beobachten, dass sich junge Musiker einen Mix aus Unterricht, Kammermusik und freiem Orchesterspiel zurechtlegen. Da gibt es schon noch Chancen und Möglichkeiten", erläuterte Mauser, der ein Aussperren von einer künstlerischen Ausbildung trotz aller realen Berufsprobleme als "gesellschaftspolitisch inakzeptabel" bezeichnete.

Was viele deutsche Unis und mit Graz auch eine österreichische bereits haben, soll es demnächst auch in Salzburg geben: Einen dritten Ausbildungszyklus nach dem Bachelor und dem Master. "Einen 'Doktor der Künste' halte ich für nicht sinnvoll, der wäre nicht Fisch nicht Fleisch. Aber was wir brauchen, ist ein vertiefendes Angebot für ausgesuchte Begabungen. Das ist natürlich extrem elitär. Wie genau diese Sonderausbildung gestaltet sein soll, darüber wird in Deutschland heftig und uneinig diskutiert. In Salzburg wird es noch im laufenden Studienjahr ein Symposium geben, bei dem die Details besprochen werden sollen.""Ich will Zusammenarbeit und Wettbewerb" Vergleichsweise einfach umsetzbar wirkt da ein künstlerischer Wettbewerb aller österreichischen Kunst-Unis gegeneinander. "Ich will Zusammenarbeit und Wettbewerb. Die Streicher aller Unis könnten einander vergleichen, auch für Pianisten und Sänger sollen regelmäßige Wettbewerbe ausgetragen werden. Auch alle anderen Fächer möchte ich in etwas größeren Abständen einbinden", sagte Mauser.

Last not least will der neue Rektor des Mozarteums in den kommenden vier Jahren (er ist bestellt bis 2018) den Anteil heimischer Studenten in einigen Fächern erhöhen. Zwar ist der Anteil mit circa 50 Prozent Österreichern, 65 Prozent deutschsprachigen und 80 Prozent EU-Studenten insgesamt "nicht das Problem". Aber in einigen Fächern, etwa Klavier, dominieren die asiatischen Studenten laut Mauser schon über die Maßen. "Da muss etwas geschehen, etwa durch besondere Jugendförderung und Zusammenarbeit etwa mit lokalen Musikschulen. Das will ich mir schon auf die Fahnen heften für meine Arbeit als Rektor in Salzburg."

Quelle: SN, Apa

Aufgerufen am 11.12.2018 um 02:12 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/mozarteum-neo-rektor-mauser-will-huerde-vor-master-3095515

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