Kultur

Mozarteum plant Neubau mit Multimedia-Lab

Das Mozarteum darf trotz Lockdown weiter Einzelunterricht abhalten. Der Modus der Uni-Finanzierung ist für Rektorin Gutjahr aber problematisch.

Elisabeth Gutjahr (59) ist seit April 2018 Rektorin des Mozarteum. SN/mozarteum
Elisabeth Gutjahr (59) ist seit April 2018 Rektorin des Mozarteum.

Welche Folgen wird der neuerliche Lockdown für das Mozarteum haben? Elisabeth Gutjahr: Mit Oktober wurde der Gruppenunterricht bereits von Präsenz- auf Onlinelehre umgestellt. Am Wochenende haben wir aber mit dem Ministerium gesprochen: Dort, wo eine Präsenzlehre unabdingbar ist, also vor allem in der künstlerischen Praxis in den Werkstätten, im Schauspiel und im Instrumental- und Gesangsunterricht, darf die Präsenzlehre trotz Lockdown im Einzelunterricht und in Kleinstgruppen weiterlaufen, aber mit strengsten Sicherheitsauflagen.

Wie hat sich Corona seit dem Frühjahr auf den Studienbetrieb ausgewirkt? Viele Lehrveranstaltungen haben sich zeitlich verschoben. Die ersten Sichtungen für die Zulassungsprüfungen bei Gesang, Klavier und Geige fanden über Video statt. Denn zum Teil haben wir bis zu 200 Bewerber für einen Platz. Viele reisen aus der ganzen Welt an. Nicht selten zeigt sich aber schon nach zehn Minuten Vorspiel, dass es zur Zulassung nicht reichen wird. Daher haben wir zwei Runden eingerichtet. Nur die, die in ihrer künstlerischen Entwicklung weit genug für einen Studienplatz sind, wurden zum Vorspielen geladen.

Haben Sie nun weniger Nachfrage nach Studienplätzen? Und wie verändert Corona das Studierverhalten? Nein, die Interessentenzahlen sind trotz Corona konstant. Aber durch die Reiseauflagen sind die Möglichkeiten teils eingeschränkt. Was aber unabhängig von Corona auffällt: Der politische Druck auf die Unis verlangt zunehmend, möglichst viele Studierende möglichst regelkonform und möglichst schnell zum Examen und damit in den Beruf zu bringen. Das, was Universität sein sollte, ein Ort der Reflexion und des Diskurses, des Nachdenkens und des Experimentierens, bleibt oft auf der Strecke. Diese Arbeitsmarktorientierung bedeutet aber einen Verlust an Diversität und Kreativität, das wird sich langfristig rächen.

Wie finden Sie, dass die Uni-Finanzierung großteils auf Studienplatzfinanzierung beruht - und es künftig für Studierende ein Mindestpensum geben soll? Das bedeutet, dass die Forschung und die Erschließung der Künste chronisch unterfinanziert sind, obwohl sie laut Gesetz eine Kernaufgabe darstellen. Schulen funktionieren nicht deswegen besser, wenn man Maturanten in ein verschultes Studium steckt und später wieder als Lehrkräfte in eine Schule. Man muss auch außerschulische Erfahrungen sammeln. Junge Menschen sind mit all ihren Talenten, Ideen und kritischen Fragen das Zukunftspotenzial der Gesellschaft. Sie brauchen Zeit und Freiräume, um in individuellen Entwicklungsgeschwindigkeiten eigene Wege ausloten zu können. Wenn man weiß, wie besonders eigenartig, im positiven Sinn, sich künstlerische Talente entwickeln, dann werden die Widersprüche umso deutlicher. Unsere Gesellschaft tut sich schwer mit der Freiheit von Lehre und Forschung, mit Freiräumen und dem positiven Potenzial des Scheiterns. Man will lieber vorher wissen, was nachher rauskommt.

Weil die Uni Salzburg zu wenige prüfungsaktive Studenten hat, drohen ihr zwei Mill. Euro Rückzahlung. Dem Mozarteum auch? Nein. Bei den prüfungsaktiven Studierenden konnten wir bereits im Vorjahr mit Übererfüllung punkten. Denn Musik- und Kunststudierende studieren von Anbeginn leistungsorientiert und mit hoher Produktivität. Wir müssten hier eher noch gegensteuern. Es bleibt die Gefahr, dass Unis durch die Studienplatzfinanzierung mehr und mehr zu Ausbildungsstätten mutieren. Kunstunis sollten aber so agieren, dass sie als Impulsgeber für die Kultur und Identität der Gesellschaft, auch für Menschlichkeit und Verantwortung Wesentliches beitragen. Wir müssen wachsam sein, dass Studienplatzfinanzierung und Bologna-System die Idee von Universität nicht langfristig entsorgen. Eine zu starke Fokussierung auf Effektivität, Rentabilität oder Kennzahlenorientierung dezimiert sukzessive die Demokratiekompetenz in einer Gesellschaft.

Ein anderes Thema: Sie hoffen auf einen baldigen Neubau in der Schwarzstraße. Wie ist der Stand des Projekts? Wir haben sowohl unseren dringendsten räumlichen Bedarf als auch unsere innovativen Vorhaben ausgearbeitet. Die Pläne des Architekturbüros Berger+Parkkinen für die Außenhülle waren die Vorgabe. Ein Teil der Gesangsabteilung muss ab Februar 2021 aus dem Alten Mozarteum raus. Es fallen dort für uns auch langfristig Räume weg - etwa wegen des Lifteinbaus. Im Hannibaltrakt nutzen wir ebenfalls Räume, die wir mittelfristig aufgeben müssen, da sie nicht barrierefrei sind. In unserer Bedrängnis mieten wir interimistisch seit Oktober die alten Uni-Plattenbauten in Nonntal an, die zuvor die Pädagogische Hochschule genutzt hat.

Was soll im Neubau inhaltlich passieren? Hier wird ein Teil von Gesang und Gesangspädagogik unterkommen; in der anderen Gebäudehälfte Forschungsmanagement, Artistic Research und Digitalisierung. Zentraler Teil wird das Multimedia- und Digitalisierungs-Lab, das analoge künstlerische Produktion mit digitaler Produktion verbinden soll.

Wie funktioniert das? Mit guter Mikrofonierung kann man etwa dem Cellisten im Raum suggerieren, dass er in der Basilika San Marco in Venedig spielt. Man kann den Sound abnehmen, subtil verändern und per Lautsprecher fast in Echtzeit wiedergeben. Im Lab kann man künstlerisch forschen, entwickeln und experimentieren und die Akustik mit visuellen Möglichkeiten von Augmented, Virtual und Cross Reality kombinieren. Es soll als Stufe 1 auch für Publikum Platz bieten und von der Uni, der PMU und anderen Partnern mitgenutzt werden können. Stufe 2 wäre, in vielleicht zehn Jahren, einen größeren, weltweit einzigartigen Performance-Raum in Salzburg zu realisieren, der auch mit Playern wie den Festspielen bespielt werden kann.

Mozarteum-Neubau neben Paracelsusbad:

Im Frühjahr 2022 könnte Spatenstich in der Schwarzstraße sein

UMAK - Universität Mozarteum am Kurgarten - lautet der Arbeitstitel des Neubaus. Kosten soll er laut Rektorin geschätzt 20 Millionen Euro: "Wir würden gern den Spatenstich im Frühjahr 2022 machen. Das Raum- und Funktionsprogramm ist fix, es liegt dem Land und dem Ministerium vor. Ich hoffe, dass es bis Jahresende finanzielle Klarheit vom Bund gibt. Wir rechnen mit einer Bauzeit von zwei Jahren; idealerweise könnten wir im Herbst 2023 eröffnen." Laut Bgm. Harald Preuner (ÖVP) soll die Finanzierung so aussehen: "Die Uni Mozarteum will selbst bauen und wird dafür auch Geld vom Land erhalten. Die Stadt wird ein günstiges Baurecht für die Fläche vergeben. Den Hauptteil muss aber die Uni stemmen, hinter der der Bund steht." Fix ist, dass sich der Bachchor im Neubau für 20 Jahre einmieten wird. Die Pläne für die zwei Baukörper stammen vom Büro Berger+Parkkinen. Von der Sachverständigenkommission für die Altstadterhaltung wurden 2016 zwei Gebäude mit einer Maximalhöhe von 17,5 Metern (fünf Geschoße) bzw. 11,5 Meter (drei Geschoße) genehmigt. Mozarteum-Neubau neben Paracelsusbad

Im Frühjahr 2022 könnte Spatenstich in der Schwarzstraße sein

Mozarteum-Neubau neben Paracelsusbad

Im Frühjahr 2022 könnte Spatenstich in der Schwarzstraße sein

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