Kultur

Mutter und Tochter erzählen ein bewegendes Frauenschicksal

Das Stück "Nebenbei" von Barbara Derkow Disselbeck feierte am Donnerstagabend Uraufführung im Schauspielhaus Salzburg.

Larissa und Daniela Enzi. SN/schauspielhaus salzburg/jan friese
Larissa und Daniela Enzi.

"Ich hab mein Tempo, ich hab meinen Stil", singt Mimi. Die junge Dame genießt das Leben im Berlin der ausklingenden Weimarer Republik in vollen Zügen. Als Nachtclubsängerin im offenherzigen Paillettenkleid bricht sie die Herzen der stolzesten Männer, einer davon - der Mann namens Konny ist eigentlich verheiratet - wird ihr langjähriger Liebhaber. Doch weil wir nicht in der TV-Serie "Babylon Berlin", sondern im Theater sind, wendet sich das Blatt. Als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen, verwandelt sich die Spree-Metropole in ein Minenfeld - vor allem für Frauen wie Mimi: "Was bin ich denn? Ich bin Jüdin."

Was wie ein launiger Revueabend anhebt, verwandelt sich im Schauspielhaus Salzburg bald in ein existenzielles Drama. Konny versteckt Mimi im Keller, während Freunde nach Palästina flüchten oder von der Gestapo abgeholt werden: "Es waren zu viel Abschiede."

Barbara Derkow Disselbeck erzählt dieses Frauenschicksal in ihrem Stück "Nebenbei" mit einem erstaunlich unpathetischen, lakonischen Ton. Daniela und Larissa Enzi verleihen der Protagonistin vielschichtige Gestalt. Harald Fröhlich und Robert Pienz setzen das Mutter-Tochter-Gespann geschickt als sich gegenseitig spiegelndes Tandem ein. Ausstatterin Franziska Lang stellt ihnen einen zweigeschoßigen Guckkasten auf die Studio-Bühne, auf der sich die Rückblicke in zwei Zeitebenen darstellen lassen. Pianist Fabio Buccafusco begleitet nicht nur die frivolen Varieté-Schlager, er schlägt in dunkler Zeit auch herbere Töne an.

Über rund eineinhalb Stunden entfaltet sich dieser kleine, feine Abend. Zuletzt bleibt die Erkenntnis, dass auf das (Kriegs-)Ende nicht immer ein Aufbruch folgt.

Theater: "Nebenbei", Schauspielhaus Salzburg. Bis 12. Jänner 2019.

Aufgerufen am 19.12.2018 um 10:39 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/mutter-und-tochter-erzaehlen-ein-bewegendes-frauenschicksal-61353835

Kommentare

Schlagzeilen