Kultur

Neun Museen und ihre Projekte zu Salzburg 20.16

Von Altenmarkt bis Werfen, vom nördlichen Flachgau bis in den Lungau haben sich Regionalmuseen in allen Bezirken Gedanken gemacht über die Bedeutung von "Salzburg 20.16" für ihre jeweilige Region.

Neun Museen und ihre Projekte zu Salzburg 20.16 SN/heinz bayer
Das Team des Bergbaumuseums Leogang. Kustos Hermann Mayrhofer und seine Assistentin Magdalena Schmuck.

Welche Bezüge können hergestellt werden? Wie erzählt man lebendig und anschaulich die eigene Geschichte? Die Vielfalt der Themen bringt auch überraschende Blickwinkel und lässt die Menschen, die hinter der Geschichte und Kultur des Landes stehen, lebendig werden. Ein Ausstellungsführer gibt einen praktischen Überblick über die 20.16-Sonderausstellungen. Er kann unter www.salzburg2016.at heruntergeladen werden. Das handliche Büchlein präsentiert anschaulich die Vielfalt an Sonderausstellungen im gesamten Bundesland, die sich in ganz unterschiedlichster Weise mit dem Gedenkjahr Salzburg 20.16 auseinandersetzen.

Ein Blick auf die Landkarte zeigt die regionale Verteilung der 20.16-Sonderausstellungen: Neun Museen sind es im Flachgau (Bürmoos, Elsbethen, Grödig-Fürstenbrunn, Großgmain, Mattsee, Neumarkt am Wallersee, Oberndorf, Obertrum, Thalgau), zwei (Golling, Hallein/Keltenmuseum) und der kunstraum pro arte (Hallein) im Tennengau, sechs im Pongau (Altenmarkt, Bad Gastein, Goldegg, Radstadt, Wagrain, Werfen), fünf (Fusch an der Glocknerstraße, Kaprun, Leogang, Saalfelden, Unken) und die Großglockner Hochalpenstraße im Pinzgau sowie eines im Lungau (Tamsweg).

In Leogang etwa zeigt das Bergbau- und Gotikmuseum kostbare Kunst unter dem Titel "Für Salzburg bewahrt." Die SN schrieben darüber anlässlich der Ausstellungseröffnung im Mai:

"Umsonst ist es, all dieses Kämpfen und Sterben. Der erbitterte Widerstand der Salzburger Schützen kann die Eroberung des Landes nicht verhindern. Freilich: Die seit Generationen existierende politische Beständigkeit, gesichert durch List und Diplomatie der Erzbischöfe, beginnt ab 1803 zu bröckeln. Und dann kommt das Jahr 1805. Am 14. Oktober gehen die Österreicher im Zuge mehrerer Schlachten in Süddeutschland und Oberitalien unter. Auch das Gemetzel bei Ulm endet zugunsten Napoleons. Die Franzosen rücken schließlich mit ihren bayerischen Verbündeten in Richtung Tirol vor. Ihr Plan: Vorstoß nach Innsbruck. Salzburg soll ebenfalls erobert werden. Und in weiterer Folge Bad Reichenhall. Napoleons Truppen sind nicht zu stoppen. Alles ist verloren.

Nach dem Scheitern dieses ersten Freiheitskampfes presst die französische Verwaltung unter Marschall Lefebvre das Land förmlich aus. Ein verarmtes Salzburg muss jetzt auch noch enorm hohe Kriegssteuern bezahlen.

Da kommt nun ein Kunstwerk ins Spiel, das bereits um 1520 entstanden ist. Es handelt sich um den Berthold-Pürstinger-Kelch. Dieser gotische Messkelch stammt aus der Pfarrkirche Weißbach bei Lofer. Er befand sich einst im Besitz Berthold Pürstingers. Der war Bischof im Bistum Chiemsee, das er für Salzburgs Erzbischöfe verwaltete. 1528 hatte sich Pürstinger nach Saalfelden zurückgezogen. Er ließ ein Priesterspital bauen, eine Art Altersheim für katholische Geistliche. Auch er selbst wohnte dort. Chronist Alois Eder geht davon aus, "dass Pürstinger hier, am Alterssitz, diesen gotischen Messkelch verwendete".

1811 fällt das Priesterspital einem Marktbrand zum Opfer. Eder: "In dieser Zeit des Umbruchs dürfte der Kelch in die 1791 neu errichtete Vikariatskirche in Weißbach gelangt sein." Und er landet schließlich ebenfalls auf der Liste der Kriegssteuer. Für die Bauern und Bürger der kleinen Gemeinde Weißbach (bei Lofer) hat der Kelch nicht nur materiellen Wert. Sie legen deshalb alles Geld zusammen, das sie erübrigen können. Denn "ihr" Kelch muss ausgelöst werden. Eder: "Als ,Zahlungsbestätigung' finden sich zwei Repunzierungsmarken auf dem Objekt."

Der besagte Kelch ist ab morgen, Samstag, Teil einer Sonderausstellung im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang. Sie trägt den Titel "Für Salzburg bewahrt" und steht im Zeichen des Jubiläumsjahres 200 Jahre Salzburg bei Österreich. Kustos Hermann Mayrhofer: "Als Salzburg endgültig zu Österreich kam, wurde ihm auch seine Machtstellung innerhalb Europas entzogen. Eine der Folgen war, dass viele wertvolle Kulturgüter verloren gingen, darunter auch bedeutende gotische Kunst."

Der Salzburger Kunstliebhaber Carl von Frey (1826-1896) setzte damals entscheidende Impulse. Er baute seine "Sammlung Prof. Dr. von Frey" auf. 2008 sollte sie bei Sotheby's versteigert werden. Barbara Neubauer, Präsidentin des Bundesdenkmalamts, stellt fest: "Dem Bergbau- und Gotikmuseum Leogang gelang es, seit 2008 eine ganze Reihe sehr bedeutender Objekte aus der Frey-Sammlung zu erwerben" - unter anderem einen doppelgeschoßigen gotischen Schrank, einen Flügelaltar, aber auch ein Predella-Relief. Neubauer schreibt im aufwendig gestalteten Katalog zur Ausstellung: "So konnten die wichtigsten Exponate einer der bedeutendsten privaten Mittelalter-Sammlungen Salzburgs in Österreich erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden." In Leogang sind derzeit 25 Objekte aus der Sammlung Frey zu sehen.

Die Arbeit, die Leogang und Hermann Mayrhofer leisten, trägt vor allem auch Früchte, was Leihgaben betrifft. Diplomatisch versteht es der Kustos, Vertrauen aufzubauen.

So stellte etwa das Benediktinerstift Nonnberg ein Marienbild und ein Relief ("Marientod", Salzburg, frühe 1480er-Jahre) zur Verfügung. Das gilt in Kunstkreisen als rare Gunst. Ein weiteres zentrales Werk aus privatem Besitz ist der "Nautiluspokal" (etwa 1610). Er besteht aus Perlmutt, vergoldetem Silber mit feinen Ziselierungen und trägt das Meisterzeichen Michael Feuchtmayrs. Es handelt sich um einen aufwendig gestalteten Jagdpokal.

Mehreren der Leoganger Exponate wurde von Hans Westhoff, ehemals Restaurator des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart, neuer Glanz verliehen. Er kommt ins Schwärmen, wenn er vom Museum in Leogang und dessen Qualität spricht. Und er wird traurig, wenn er an aktuelle Vorgänge auf dem Kunstmarkt denkt: "Deutsche Museen schätzen die gotische Kunst kaum. Viele Werke werden verkauft. Nach Holland, Belgien, in die USA." Dazu komme auch der aktuell niedrige Zinssatz. Hochwertige Kunst werde zur Geldanlage. So verschwinde Bedeutendes in privaten Besitz und gehe der Öffentlichkeit dauerhaft verloren.

Ausstellung: Für Salzburg bewahrt, Bergbau- und Gotikmuseum Leogang, bis 30. Oktober.
Eröffnung: Samstag, 21. Mai, 15 Uhr, Alois Eder (Chronist) referiert über die Rettung des "Pürstinger-Kelches" für Weißbach bei Lofer. Friederike Zaisberger spricht über den Ausverkauf Salzburger Kulturgutes und dessen Rückgewinnung.

Quelle: SN

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