Kultur

Pereira verabschiedet sich aus Zürich

Der Antritt von Alexander Pereira als Intendant der Salzburger Festspiele bedeutet auch das Ende einer langen Ära: 21 Jahre war der Österreicher Intendant des Zürcher Opernhauses, von wo er sich nun verabschiedet.

Pereira verabschiedet sich aus Zürich SN
Der neue Intendant der Salzburger Festspiele: Alexander Pereira. 

Kunst, Geld und Glamour - so die drei Prinzipien der beiden Jahrzehnte. Der gebürtige Wiener beherrschte alle drei Klaviaturen perfekt - und das selbst im zwinglianischen Zürich, das er nun "mit viel Wehmut" verlässt, wie er am letzten Zürcher Opernball - auch eine seiner glanzvollen Plattformen - verriet.

Glamourös ist auch die Liste der in der Ära Pereira in Zürich auftretenden Stars von Renee Fleming über Cecilia Bartoli bis Anna Netrebko, von Jonas Kaufmann über Rolando Villazon bis Thomas Hampson. Pereira hat sie alle mit Schmäh und dem obligaten Kniefall nach Zürich gebracht. Dem Vernehmen nach nicht nur wegen horrenden Gagen, sondern weil sie sich in der Schweizer Metropole wunderbar umsorgt und sozusagen "en famille" fühlten.

Mit derart klingenden Namen brachte der verhinderte Opernsänger und begnadete Schnorrer - das Verkaufen hatte er bei Olivetti, das Kulturmanagement später bei den Frankfurter Bach-Konzerten und dem Wiener Konzerthaus trainiert - die Sponsoren dazu, ihre Börsen zu öffnen. Dazu gehörte auch die weltweit höchste Premierenzahl pro Spielzeit, was die Werkstätten an die Grenzen der Belastbarkeit führte.

Doch nur so könne er auch die nötigen Sponsorengelder in der Größenordnung von 10 Mio. Franken (8,33 Mio. Euro) und mehr pro Saison generieren, so die Pereira-Devise. Sie ging auf, offenbar auch auf Seite des Publikums: Mit 40 Prozent Eigenwirtschaftlichkeit stand das Haus einzigartig da. Einmalig waren auch die 65 festen Sängerverträge auf jeweils 5 Jahre; ein Luxus, der dem Haus nicht nur ein hervorragendes Ensemble beschert, sondern es erlaubte, die Entwicklung einzelner Sänger zu verfolgen.

Und wo hätte man ein vergleichbar homogenes Team erleben können. Mozart, Verdi, Wagner, Puccini, Strauss bestimmten denn auch das Kernprogramm. Dazwischen gab es immer wieder Raritäten - noch in seiner letzten Spielzeit hievte er Pfitzner und Hindemith auf den Spielplan. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhundert jedoch fehlte weitgehend, die nicht allzu zahlreichen pflichtschuldigen Uraufführungen scheinen kaum nachhaltig.

Und ziemlich disparat fällt auch das Fazit in Sachen Regie aus. Alles gab es da: positiv Irritierendes, aber auch erschreckend Banales, packend Geniales und unsäglich Verstaubtes, Innovatives und nichtssagende Ästhetik. Schostakowitschs "Nase" in der Inszenierung von Stein und Donizettis "Viva la mamma" von Martin Kusej sind zwei diametrale Beispiele der letzten Spielzeit.

Wo immer die Präferenzen liegen, eines muss man dem scheidenden Intendanten lassen: Er brachte "sein" Haus - und sich! - immer wieder ungeniert ins Spiel. Wörtlich ist das anlässlich seiner Abschiedsvorstellung vom Sonntag zu erleben: In Verdis "Falstaff" wird er sich unter die Sänger mischen, um sich einen letzten Auftritt zu gönnen.

Quelle: Sda

Aufgerufen am 19.09.2018 um 05:03 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/pereira-verabschiedet-sich-aus-zuerich-5955691

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