Kultur

Rolf Hochhuth in Salzburg: "Ich konnte nie wegschauen"

Seine Stücke hatten für die Nachkriegsgeneration unglaubliche Sprengkraft. Und auch heute noch ist Rolf Hochhuth - der große Dramatiker Deutschlands - streitbar geblieben. Freitagabend las er in der Bibliotheksaula der Universität Salzburg.

Für Alfred Winter, der ihn als einstiger "Szene-der-Jugend-Gründer" in den 1970er-Jahren in Salzburg eingeführt hatte, kam er gerne. Die Leopold-Kohr-Akademie und das Literaturarchiv Salzburg hatten diese besondere Lesung organisiert. Bei der erlebten die Zuhörer nicht nur einen feinsinnigen Autor mit starker Sprache sondern auch einen Schriftsteller, der noch mit 86 Jahren seine Botschaften feurig vermittelt: Er las aus dem Gedichtband "Drei Schwestern Kafkas"und schaffte in seinen Ausführungen aber Bezüge von der NS-Zeit bis heute. Denn Hochhuth ist bis ein rigoroser Mahner und Moralist geblieben. Zeitlebens hat er Gerechtigkeit und moralisches Handeln in seinen Stücken eingemahnt. Akribisch genau hat er Lebensläufe studiert und Machtmissbrauch mit spitzer Feder an den Pranger gestellt. Mit seiner geschichtspolitischen Aufarbeitung wurde er zum wichtigen Impulsgeber für das deutsche Dokumentartheater der Nachkriegszeit.

Stücke, die vorher "niemand anfasste", die hätte er einfach anpacken müssen, sagte Hochhuth, der ergänze: "Man geht ganz in die Wirkung, hat aber keine Ahnung, ob das irgendwer druckt." Sein berühmtestes Werk, "Der Stellvertreter", verurteilt die Haltung des Papstes in puncto Holocaust und schlug in den 1960er-Jahren große Wellen. Die Erzählung "Eine Liebe in Deutschland" brachten Hans Filbinger, den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, zu Fall.

Hochhuth habe in seinem Schaffen gezeigt, "dass ein Autor unglaublich in die Realität der Politik eingreifen kann", meinte Manfred Mittermayer, Leiter des Literaturarchivs Salzburg. Für Lutz Hochstraate ist "Maestro Hochhuth" heute noch einer der wichtigsten Autoren: Seine Stücke und deren Problemstellungen seien zeitlos, sagte der ehemalige Intendant des Salzburger Landestheaters. Tatsächlich brennt Hochhuth heute noch vieles unter den Nägeln, was er konsequent aufarbeitet: In einem neuen Werk kritisiert er die Abhängigkeit Europas von den USA.

"Er schreibt jeden Tag, ununterbrochen, wo er geht und steht", schilderte Hanna Binger-Hochhuth die Agilität ihres Mannes. Dieser nahm von Winter und den Geschäftsführern der Leopold-Kohr-Akademie und Tauriska, Susanna Vötter-Dankl und Christian Vötter, als Geschenk eine Silbermünze des aus Krimml stammenden Künstlers Helmut Zobl entgegen. Der Ehefrau Hochhuths wurde von Landesrat Heinrich Schellhorn das neue, im Tauriska-Verlag erschienene Buch "Textile Landschaft Salzburg" von Monika Thonhauser überreicht.

Josef Bruckmoser ("Salzburger Nachrichten") moderierte die Veranstaltung. Alexandra Seywald und Stephen Huber Weber unterhielten musikalisch mit Geige und Viola.

Quelle: SN

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