Kultur

Ruhe nach dem Sturm

Über das Missverhältnis von Mensch und Natur: Die gebürtige Salzburgerin Mischa Reska zeigt noch bis 10. August Teile ihrer Werkserie "im Fluss" im Zwergelgartenpavillon.

Mischa Reska vor einer Bildserie, die sie Japan nach dem Tsunami in Fukushima gewidmet hat. SN/sw/suchanek
Mischa Reska vor einer Bildserie, die sie Japan nach dem Tsunami in Fukushima gewidmet hat.

Wo sich der Mensch niederlässt, bleibt das nicht ohne Folgen. Er greift massiv in den natürlichen Lebensraum ein. Die in Wien und in Itzling lebende Künstlerin Mischa Reska thematisiert in ihrer Werkserie "im Fluss" vom Menschen verursachte (Natur-)Katastrophen.

"Der Zyklus verbindet mein Nachdenken über Schnittstellen zwischen Natur und Stadt, Veränderung und Fließen und städtebauliche Überlegungen", sagt Mischa Reska. Der Erdrutsch in Cinque Terre, der Tsunami in Banda Aceh, das Hochwasser in Australien, die Atomkatastrophe von Fukushima, Schneemassen in New York - all diese realen Ereignisse und weitere mehr greift Reska in ihrem Zyklus auf.

Sie malt jedoch nicht Schmerz und Entsetzen, vielmehr überrascht die Ruhe der Menschen auf ihren Bildern. "Gerade bei Hochwassersituationen in Ländern wie Haiti und Australien scheint es, dass die Menschen sich daran gewöhnt haben. Sie nehmen es gelassen, warten, bis es vorbei ist", sagt Reska.

Atomkatastrophe: Wie malt man, was man nicht sieht?

Jede Bildserie besteht aus sechs Einzelteilen, die eine thematische Einheit bilden. 150 Bilder umfasst der Zyklus bereits, rund 100 sind ausgestellt. Der inhaltliche Zusammenhalt wird durch die Farbgebung unterstrichen. Jede Serie baut auf einen Grundton auf und ist auf vier Farben reduziert. Inspiriert zu den Sechser-Reihen haben Reska die Kontaktfotos aus der Zeit der analogen Fotografie.

"im Fluss" fußt denn auch auf Fotos, die sie entweder selbst auf Streifzügen gemacht oder im Internet entdeckt hat. "Manche Bilder sind relativ nahe am Foto, meist sind sie aber sehr abstrahiert", erklärt Reska.

Die Künstlerin bildet auf ihren Arbeiten nicht einfach Katastrophen und Versäumnisse im Städtebau ab, sie malt auch Auswege aus diesen. So hat sie über die Salzach utopische Bauten gesetzt, denn der Fluss werde ihrer Ansicht nach viel zu wenig genutzt.

Vor eine Herausforderung stellte sie die Atomkatastrophe von Fukushima, sagt Reska: "Wie malt man etwas, das man nicht sieht?" Deshalb ist ihre Japan-Serie bunt, die Zerstörung nicht sichtbar.

Es ist ihr ein Anliegen, mit ihrem Werk einen Appell zu setzen: "Diese Katastrophen entziehen Menschen die Lebensgrundlage. Die es trifft, sind meist nicht jene, die es verursachen. Die Profitgier einiger zerstört das Leben vieler."


Während Reska bisher meist Motive mit Wasser aufgegriffen hat, will sie künftig stärker auf Dürren und Waldbrände fokussieren. Das Material dafür wird ihr wohl so schnell nicht ausgehen.

Tipp: Mischa Reska im Gespräch mit Architekt Horst Lechner am 1. August, 19 Uhr, Zwergelgartenpavillon, Mirabellgarten. Ausstellung bis 10.8., Mo. bis Fr., 14 bis 18 Uhr.

KULTUR-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Kulturmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 01.12.2021 um 05:42 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/ruhe-nach-dem-sturm-36945247

Schlagzeilen