Kultur

Salzburger Kulturvereinigung: Ein großes Beethoven-Projekt nahm seinen Anfang

Der Pianist Herbert Schuch und das Mozarteumorchester Salzburg nehmen sich den fünf Klavierkonzerten von Ludwig van Beethoven an. Der Beginn des Zyklus am Mittwoch im Großen Festspielhaus machte Lust auf mehr.

Das Jahr 2020 steht ganz im Zeichen des 250. Geburtstags von Ludwig van Beethoven. Neuinszenierungen des "Fidelio" stehen in vielen bedeutenden Opernhäusern auf dem Programm, symphonische und kammermusikalische Zyklen begleiten die Konzertgänger rund um den Erdball.

Bereits ein Jahr zuvor wagt sich Herbert Schuch an die fünf Klavierkonzerte Beethovens. Auftreten und Spiel des rumänischen Pianisten, der seit seinem zehnten Lebensjahr in Deutschland lebt, sind angenehm unprätentiös. Nicht die große titanische Geste war es, die Schuch am Mittwoch im Klavierkonzert Nr. 1, op. 15, ins Zentrum stellte, sondern die zarten, lyrischen Passagen dieses Erstlingswerks. Mithilfe eines Anschlags, der insbesondere im Piano und Pianissimo-Bereich äußert nuancenreich ist, kreierte Schuch sehr träumerische Momente. Mitunter wirkte es fast impressionistisch, wie Schuch pedalsatt und anschlagszart für Sekunden die Zeit anzuhalten wusste. Im Kopfsatz entschied sich Schuch für die ausladende dritte Kadenz, die Beethoven acht Jahre nach der Uraufführung komponierte, und dem Solisten dabei eine Insel bietet.

Die kraftvoll-energetische Seite Beethovens zeichnete wiederum Dirigent Riccardo Minasi heraus, der dem Mozarteumorchester einen schlanken Beethoven-Klang mit vielen scharf gezeichneten Details entlockte. Der Solist fügte sich immer wieder uneitel in den symphonischen Gesamtklang ein, dadurch öffneten sich immer wieder Räume für ungehörte Zwischenstimmen und motivische Entwicklungen. Es wird spannend zu beobachten sein, wie Minasi und Schuch am Donnerstag und am Freitag an das 4. Klavierkonzert mit dessem betont lyrischem Kopfsatz herangehen. Ende September folgen die restlichen drei Konzerte.

Das Publikum forderte vom Solisten noch eine Zugabe. Schuch wählte die Busoni-Bearbeitung des Choralvorspiels "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ" - auch hier also gehaltvolle Verinnerlichung statt purem Effekt.

Nach der Pause folgte ein weiteres Solistenkonzert, wenn man so will: Zumindest bietet Richard Strauss in seiner Tondichtung "Don Quixote" dem Cellisten breiten Raum für solistische Ausflüge. Die Idee, den Solopart aus dem Orchester heraus zu besetzen, erwies sich als sehr dienlich. Marcus Pouget ließ den Ritter von der traurigen Gestalt mit noblem Ton sprechen, souverän bis in hohe Lagen. Als Sancho Pansa stand Stimmführer Nobuya Kato an der Bratsche Don Quixote klangvoll zur Seite, die Dialoge sprühten vor Witz. Auch Konzertmeister Frank Stadler suchte markant kommunikatischen Austausch mit dem Solisten.

Das Mozarteumorchester nutzte diese groß besetzte Tondichtung sichtlich lustvoll, um die Fähigkeiten der einzelnen Instrumentengruppen unter Beweis zu stellen. Minasi wachte darüber, dass grelle Farben nicht überhand nahmen und der große Bogen des orchestralen Variationenstücks gewahrt blieb.

Konzert: Abo-Zyklus der Salzburger Kulturvereinigung. Mozarteumorchester Salzburg, Riccardo Minasi, Herbert Schuch. 25. und 26.4., 19.30 Uhr, Großes Festspielhaus.

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