Kultur

Salzburger One-Man-Band: Julian Nantes klingt allein wie viele

Der Salzburger Julian Nantes durchschreitet in seinen Songs ein weites Feld der Emotionen.

Salzburger One-Man-Band: Julian Nantes klingt allein wie viele SN/martin leixnering

Eindringlicher Klang wächst bisweilen aus der Zurückhaltung, aus selbst auferlegten Beschränkung. Bisweilen ist das dann der Einfachheit des Alleinseins geschuldet. Für den Salzburger Songwriter Julian Nates gelten alle drei Faktoren. Und aus der Reduzierung wächst auf seinem neuen Album "The Youth The Love The Pain" ganz einfach Schönheit. Der 26-jährige Salzburger, der seinen Künstlernamen einem Song von Beirut verdankt und ausgesprochen wir die wie französische Stadt, gehört zu denen, die das Spiel mit der Schlichtheit beherrschen.

"Trainstation" ist so ein Song. Gitarre. Stimme. Allein. Bis dann ganz am Ende irgendwo weit im Hintergrund eine zweite Stimme auftaucht. Wie die ferne Hoffnung, dass das Warten auf irgednwas vorbeigehen wird, schwebt sie am Horizont. Verstärkt wird so ganz einfach ein melancholisches Grundgefühl, das auch bei schnelleren Songs mitschwingt. Es ist eine alte, bekannte Geschichte: Da steht einer und hat die Zeit verloren und mit ihr wohl auch die Orientierung. Warten also. Warten darauf, dass etwas passiert, das sich dann auch lohnt, erzählt zu werden.

Julian Nantes tut in jedem Song nur so viel, wie die Musik braucht, um maximale Wirkung entfalten. Und er tut es allein - mit Gitarre, Bassdrum und Kick-Tambourine, die er gleichzeitig spielt. Das hat einen Vorteil: "Ich kann immer alles allein entscheiden." Der Nachteil ist, dass es keine natürlichen, zwischenmenschlichen Reibungsflächen gibt, in denen - wie bei einer Band - Kreativität entspringt. Die Reibung aber sucht er sich im Leben. Das Album klingt dennoch an keiner Stelle wie eine Abrechnung mit dem Bisher. Aber es klingt sehr oft wie eine genaue Beschau dessen, was den jungen Mann prägt. Nantes vermeidet jede selbsttherapeutische Kunst, die junge Romantiker sonst gerne befällt. Nichts in seinen Songs kommt peinlich psychologisierend daher. Alles schafft aus kleinen autobiografischen Momenten allgemein gütige Szenen.

"Die Gitarre steht halt immer herum", sagt er. Dann will irgendwann eine Melodie entstehen und die beginnt zu kreisen. "Emotional sei der Text das schwieriger im Entstehungsprozess", sagt er. Es gehe immer darum, eine Geschichte zu erzählen. Und die muss passen - zum Leben und zur Melodie. Das kann dauern bis sie daher kommt.

Geschult ist das klanglich an Vorbildern zwischen Dylan und Jack Bugg. Aber auch die Räudigkeit des Black Rebel Motorcycle Club, der süffige Folkpop von Mumford & Sons oder die sphärische Unheimlichkeit von Bon Iver klingen durch. Es wird ein weites Feld an Emotionen ausgeleuchtet. Die stärksten Momente aber erzielt Julian Nantes wenn er die Stille zu seinem Kumpanen macht.

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