Kultur

Sie sind auch beim Schreiben ein Paar

Harald Niederreiter lehrte Mathematik an Universitäten weltweit, seine Frau Gerlinde war UNO-Beamtin. Jetzt schreiben sie Belletristik - gemeinsam.

Beruflich waren Gerlinde und Harald Niederreiter in der Welt unterwegs. Zurück in der Mozartstadt schreiben sie Bücher.  SN/sw/suchanek
Beruflich waren Gerlinde und Harald Niederreiter in der Welt unterwegs. Zurück in der Mozartstadt schreiben sie Bücher. 

Stolz halten Gerlinde und Harald Niederreiter ihren Debütroman "Das Lazarettkind" in Händen. Sie veröffentlichten ihn unter dem Pseudonym Sarah Samuel - nicht, weil sie etwas zu verbergen hätten. "Ich war als Mathematiker wissenschaftlich tätig und habe da natürlich unter meinem echten Namen publiziert. Das wollte ich klar trennen", erklärt Harald Niederreiter. "Und wer will schon etwas von einem Autor namens Niederreiter lesen", ergänzt er lachend.

Was bewegt denn einen Mathematiker dazu, Belletristik zu schreiben? "In der Mathematik muss alles logisch abgesichert sein, man hat sehr wenig Bewegungsfreiheit. Das Faszinierende an Literatur ist, dass man alles selbst kreieren kann." Eine reale Basis ist dem Autorenpaar dennoch wichtig. Fantasy sei nicht ihr Ding. "Wir schreiben nur, worüber wir uns auskennen, legen die Handlung an Orte, die tatsächlich existieren."

Da mangelt es ihnen nicht an Erfahrung, ihre berufliche Tätigkeit führte sie in die Welt. Niederreiter forschte und lehrte an Universitäten in den USA, Frankreich, Singapur, Saudi-Arabien. Seine Frau war lange Zeit bei der Atomenergiebehörde der UN in Wien tätig, wo sie viele Menschen unterschiedlicher Herkunft kennenlernte.

Der Kontext ist realistisch, der Inhalt fiktiv

Ihr Debüt basiert auf einer wahren Begebenheit. Es ist die Geschichte einer Frau aus ihrem Freundeskreis: Eine Wiener Intellektuelle begibt sich im Wien der 60er-Jahre auf Spurensuche. Ihre Mutter war Krankenschwester im Zweiten Weltkrieg, ihr Vater französischer Jude. Dieser konnte dies zwar verschleiern, landete schließlich aber in einem Zwangsarbeiterlager.

"Viele Leute wissen gar nicht, dass es dieses perverse Abkommen zwischen der Vichy-Regierung und dem deutschen Regime gab. Das waren keine KZs, aber Arbeitslager, wo die Menschen wie Sklaven schuften mussten." Die Recherchen der Bekannten liefen ins Leere, die Niederreiters vollendeten ihre Geschichte literarisch.

Begeisterte Leser waren die beiden schon immer. Zum 70er schenkte Gerlinde Niederreiter ihrem Mann eine 200-seitige, selbst verfasste Biografie. Das war die Initialzündung für ihr schriftstellerisches Tun. Während er eine Rohfassung der Handlung macht, feilt sie am sprachlichen Ausdruck.

Das zweite Buch ist bereits fertig. Als Thema haben die Niederreiters den islamistischen Terror gewählt - in ihrer Lieblingsstadt Marseille. Harald Niederreiter: "In Saudi-Arabien habe ich radikalisierte Studenten selbst miterlebt, gehört, wie sie denken." Das haben die beiden in Buchform gebracht.

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