Kultur

Soll Salzburg Europäische Kulturhauptstadt werden?

Salzburg soll seine kulturelle Entwicklung hinterfragen. Eine Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt wäre ein guter Anlass.

Es gehe nicht um eingekaufte Kunst-Events, man sei ja ohnehin erfolgreich als Weltkulturimporteur. Und nein, das Projekt sei nicht so teuer, wie gern behauptet werde. Also: Ja, Salzburg soll Europäische Kulturhauptstadt werden.

Dafür tritt seit Donnerstag ein Personenkomitee an. Da haben sich Kulturmacher, Künstler, Medienmacher, Architekten und Wissenschafter zusammengefunden, die "schon die Diskussionen um eine Bewerbung" für eine Chance halten, die Stadt neben ihren Stärken in traditioneller Kunst und musealem Tourismusangebot aufzuwerten, sprich: in die Zukunft zu bewegen.

Es gehe darum, dass "am Ende alle ein bisserl glücklicher sind", sagt Tomas Friedmann, Kulturhauptstadt-Beauftragter des Dachverbands der Kulturstätten. Bei diesem Glück gehe es um sozialen Wohnbau ebenso wie um Raumordnung oder Kunstangebot.

An Städte in Österreich und Estland wird in vier Jahren der Titel "Europäische Kulturhauptstadt" für das Jahr 2024 vergeben. Bisher gibt es in Vorarlberg Bestrebungen, sich national zu bewerben. Es sei eine Chance "für eine notwendige (soziokulturelle) Entwicklung" und für "wichtige Impulse und Maßnahmen in der Stadtentwicklung, in Wirtschaft, Ökologie und Tourismus".

Von Kunst ist weniger die Rede als von der Frage nach dem Selbstwertgefühl in der Region und nach neuen Plänen für die Zukunft. "Wir wollen nicht irgendwo eine sündteure Glaskuppel hinstellen, sondern wissen, wie wir besser zusammenkommen können", sagt Friedmann, der die Idee einer Kulturhauptstadt-Bewerbung schon vor zwei Jahren formulierte. Schnell gab es damals Absagen - etwa von Bürgermeister Heinz Schaden. Davon will man sich aber nicht aufhalten lassen.

Klarmachen müsse man, dass es "um eine Kultur- und keine Kunst-Hauptstadt" gehe, sagt Stefan Wally von der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen. Die Beschäftigung mit dem "Projekt Kulturhauptstadt" könne, egal ob Salzburg den Zuschlag bekomme oder nicht, als ein "Kristallisationspunkt" verstanden werden. Rund um den könnte man sich auf breiter Basis mit der Frage beschäftigen, "wie Stadt und Land lebenswerter" gemacht werden könnten, wie in durchaus schwierigeren Zeiten "positive Stimmung" erzeugt werden kann. Freilich könnte auch die regionale Kunstszene "ein internationales Rampenlicht bekommen", sagt Karl Zechenter vom Dachverband der Kulturstätten. Aber es müsse um mehr gehen als ein reines Kunstangebot. Das sei "nicht mehr das Wichtigste in einem Kulturhauptstadt-Jahr" (Friedmann). Dem Personenkomitee geht es zunächst um die Eröffnung eines Diskussionsprozesses, bei dem offen bleibt, ob es überhaupt zur Bewerbung kommt, die ohne Unterstützung der Stadtpolitik unmöglich ist. Jedenfalls solle man sich "der Herausforderung stellen - und vielleicht scheitern", sagt Regisseur Hubert Lepka.

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