Kultur

"Sonny Boys" im Schauspielhaus: Virtuoses Lügen, überspielte Schwächen

Regisseurin May Fanke lässt im Schauspielhaus Salzburg zwei schrullige Alte unerbittlich aufeinanderprallen.

Tut der so dumm? Oder ist er verwirrt? Oder interessiert ihn tatsächlich ein Detail des Fernsehapparats? Wenn Olaf Salzer eine der zwei Titelrollen in Neil Simons Komödie "Sonny Boys" spielt, gelingen ihm solch wunderbare Gratwanderungen, wie sie exzellente Schauspieler und gewiefte, hilfsbedürftige Senioren beherrschen: Beide können etwas überspielen. Ein guter Schauspieler spielt auf der Bühne, dass er etwas spielt. Und manch ein ausgetrickster Alter kann im wirklichen Leben einen jungen Pfleger oder Besucher ebenso aufs Eis führen: Er überspielt eine Schwäche, um ja nicht verdattert zu erscheinen, oder er deutet Müdigkeit oder geistigen Verfall an, um einer ihm lästigen Pflicht zu entkommen.

Dieses virtuosen Lügen in Gesten, Habitus oder sogar im Schlafen, wie es schrullige Alte beherrschen, darf man an Olaf Salzer als Al Lewis auf der Bühne beobachten. Plötzlich glotzt er auf das extreme 70er-Jahre-Muster der Tapete, mit dem im Salzburger Schauspielhaus die Ausstatterinnen Isabel Graf und Agnes Hamvas die Entstehungszeit des Stückes andeuten. Und schon wieder weiß man nicht: Ist das ein Tick? Will er bloß weghören? Oder ist er verwirrt?

Marcus Marotte zieht viele Register seniler Schrulligkeit

Dieser Al Lewis, früher Komödiant, soll mit seinem einstigen Bühnenpartner Willie Clark fürs Fernsehen eine uralte Lachnummer noch einmal aufführen. Beide sind seit elf Jahren zerstritten. Als Lewis' Widersacher Willie zieht der Schauspieler Marcus Marotte andere Register der senilen Schrulligkeit: Dieser mieselsüchtige Alte kaschiert seinen Egoismus mit Vergesslichkeit. Weil er konfliktscheu und feig ist, übersetzt er jedes Missverständnis in Bosheit und züchtet so Rachsucht und Hass.

In der Premiere am Donnerstag bewiesen Marcus Marotte und Olaf Salzer - ein bisschen wie Salzburger Dick und Doof - mit oft doppelbödigem Spiel ihr komödiantisches Können. Einmal machen sie nur mit Hilfe von zwei Teehäferln und zwei Teesackerln deutlich, wie jedem der andere auf den Nerv geht. Mit Verve und vielen Ideen gelingt es den beiden, den doch seichten Text dieser Komödie aufzupeppen.

Viele Witze haben arg lange Bärte

Regisseurin May Fanke lässt die zwei schrulligen Alten unerbittlich aufeinanderprallen. Lachen ist nur im Publikum angesagt. Doch nein! Ein einziges Mal in dem gut zweistündigen Schauspiel lachen auch Lewis und Willie. Da wird klar, wie der Mangel an Humor diesen zwei Männern - vor allem Willie - das Leben vergällt hat.

Christiane Warnecke muss die Krankenschwester mit extrem aufdrappiertem Busen, gepolstertem Popo, weißem Mini-Mini-Mantel und extremer Säuselstimme aus ihrem Rot-Lippen-Mund spielen. Da hilft alle Präzision dieser Schauspielerin wenig; solche Uraltwitze der Sexbombe mit dem doch nicht grapschenden Mann haben halt - wie einige der in dieser Aufführung versuchten Scherze - arg lange Bärte.

Theater: "Sonny Boys" von Neil Simon, Schauspielhaus Salzburg, bis 24. Jänner.

Quelle: SN

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