Kultur

Stadt prüft Hinweise auf weitere Zwerge

Laufend melden sich Bürger, die Zwerge sehen, die früher im Zwergelgarten gestanden sein könnten. Nun gibt es drei neue Verdachtsfälle.

Erich Reichl lockert zuerst den Mörtel an den Unterkanten mit Hammer und Meißel. Derweilen fährt Elisabeth Brandauer den Kran an den Zwerg heran. Dann legt Reichl mit Stefan Wallinger die Transportschlingen um den Körper der Figur aus Untersberger Marmor - bevor sie ganz sanft angehoben und auf einer Palette zwischengelagert wird.

Am Montag waren die drei Steinmetz-Meister den ganzen Tag damit beschäftigt, alle 15 Zwerge aus dem Zwergelgarten auf der historischen Bastei abzutransportieren - damit sie über den Winter restauriert werden können. Das Entfernen der Fi guren verläuft meist komplika tionslos: Nur bei einzelnen Zwergen hält der Mörtel, mit dem die 250 Kilogramm schweren Skulpturen im Boden verankert sind, besser. Also muss Reichl mit seinem Werkzeug nachhelfen. Am Nachmittag wurden die barocken Zwerge dann auf einen Lkw verladen und zu Reichls Werkstatt in Hallein gefahren.

Der Leiter des Stadtgartenamts, Christian Stadler, verfolgt parallel dazu den Plan, alle der ursprünglich 28 Zwerge, die bis zur zeitweiligen Auflösung des Gartens 1811 hier standen, zurück ins Eigentum der Stadt zu bringen. Zwei Figuren hat er schon aufgetan, von sechs weiteren ist der Standort in Privatgärten in Salzburg bzw. Traunstein bekannt. Fünf sind verschollen. Stadler sagt, dass die Stadt auch bereit wäre, Geld für einen Rückkauf zu bieten: "Aber das muss im finanziellen Rahmen bleiben." Der für das Gartenamt zuständige Vizebürgermeister Harald Preuner (ÖVP) bestätigt: "Budget haben wir dafür keines. Aber wenn wir die Möglichkeit haben, so einen Zwerg zu kaufen, werden wir das außerplanmäßig bedecken. Am Geld wird's nicht scheitern, denn die Figuren sind historisch wertvoll." Von sich aus werde die Stadt aber nicht nachforschen können, was mit den Figuren passiert sei, sagt Preuner.

Wo Zwerge sein könnten, die von den Bayern ab 1811 versteigert und erst ab 1919 wieder von der Stadt zurückgekauft wurden, darüber erhält Stadler laufend Hinweise. So wie nach dem jüngsten SN-Bericht vorige Woche. Eine Leserin äußerte tags darauf den Verdacht, dass sie "im Rokoko-Garten des Schlosses Veitshöchheim in Deutschland Zwerge gesehen" habe, die jenen in Salzburg sehr ähnlich schauen würden. Stadler: "Und wir haben zwei andere konkrete Sichtungen, denen wir sehr vorsichtig nachgehen. Die Zwerge sind in Privatbesitz; einer ist in Salzburg, einer im Linzer Raum."

Quelle: SN

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